DA VINCI - das Master-Slave-Assistenzsystem

Das Operationssystem Da Vinci ist im Klinikalltag angekommen. In vielen Kliniken wird es bereits eingesetzt. Auch Assistenzärzte sind oft Teil des Teams.

Kein Händezittern mehr - die Da Vinci Robotik gleicht unwillkürliche Bewegungen aus. | Master Video - stock.adobe.com

In vielen deutschen Kliniken wird der OP-Roboter Da Vinci bereits eingesetzt. Der Einsatz des Roboters bringt Vorteile mit sich, aber revolutioniert er auch die Prostata-Chirurgie?

Funktionsweise des Robotiksystems

Das Operationssystem Da Vinci besteht aus einer Steuerkonsole, an der ein Chirurg sitzt, und mit dem er die vier Arme und den Videoturm lenkt. Dank der dreidimensionalen Kamera und der Lichttechnik erhält der Operateur ein vergrößertes 3D-Bild des Operationsfeldes und kann selbst feine Strukturen wie Nerven und Gefäße erkennen. Die Operation erfolgt mittels des laparoskopisches OP-Verfahrens, auch Schlüsselloch-OP genannt. Mit seinen Handbewegungen steuert der Operateur in Echtzeit die Arme und sieben Freiheitsgrade (wie auch beim menschliche Arm) des Roboters. Auch wenn die Beweglichkeit auf den Grad genau in einem so kleinen Raum für die Chirurgen verlockend ist, kann der Da Vinci Roboter keine eigenständigen Bewegungen ausführen. „Es handelt sich um ein Master-Slave-Assistenzsystem, das sich de Facto als Verlängerung unseres eigenen Operationsarms darstellt“, sagt Prof. Dr. Andreas Pascher, der die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Uniklinik Münster leitet.

Eine Operation mit dem Da Vinci Roboter kostet 2.000 Euro

Die Da Vinci Robotik bringt für den Patienten Vorteile mit sich: Der Blutverlust ist geringer, die Wunden heilen schneller und äußerliche Schnittwunden sind maximal zwei Zentimeter groß. Allerdings gibt es auch Nachteile. So kann es zum Beispiel sein, dass das Gas (C02), das vor der Operation in den Bauchraum geleitet wird, über mehrere Wochen hinweg nur langsam entweicht. Außerdem ist die Operation mit Da Vinci manchmal kostenpflichtig. So müssen Patienten zum Beispiel in der Martini Klinik Hamburg rund 2.000 Euro zuzahlen, wenn sie mit dem Da Vinci operiert werden möchten.

Wirksamkeit von Da Vinci

Dr. Jens Peter Hölzen (links) und Prof. Dr. Andreas Pascher | Copyright: Universitätsklinikum Münster

Verschiedene Langzeitstudien haben bewiesen, dass es auf lange Sicht keinen Unterschied gibt, ob Patienten mit oder ohne OP-Robotik operiert werden. Die letzte Studie wurde von der schon angesprochenen Martini Klinik Hamburg durchgeführt, hier werden weltweit die meisten Patienten mit Prostatakrebs behandelt. 10.790 Männer haben die Forscher über einen Zeitraum von 2008 bis 2016 befragt. Das Fazit: Es ist nicht entscheidend, ob im OP-Saal ein Roboter steht. Viel wichtiger ist die Erfahrung des Chirurgen.Münster. 

Ärzte haben keine Rückenschmerzen mehr

Nicht nur für den Patienten bringt die Da Vinci Robotik Vor- und Nachteile mit sich. Ärzten geht es genauso. Ein Nachteil, der sich insbesondere für das medizinische Personal darstellt, ist der Faktor Zeit. Für die Pflegekräfte ist der Aufwand größer, weil die Robotik-Instrumente aufwendiger sterilisiert werden müssen, zudem dauert die OP länger als bei einem offenen Eingriff. Hinzu kommt die längere Vorbereitungszeit für den Operateur. In der Regel werden mehr als 50 Stunden Simulationsstunden abgeleistet, ehe überhaupt in Einzelstunden trainiert wird.

Vorteilhaft für den Operateur ist die bessere Übersicht und eine präzisere Steuerung der Instrumente: Dank der besseren Bildtechnik werden Organe und Instrumente räumlich und vergrößert dargestellt. Zudem ist der Roboter, etwa durch abgewinkelte Geräte und sieben Freiheitsgrade deutlich präziser als der Chrirug, der nur mit seinen Händen arbeitet. Außerdem ist der Kraftaufwand geringer, was Nacken- und Rückenschmerzen nach langen Operationen vorbeugt.

Der Roboter ist längst Teil des Teams

Neu ist die Behandlung mithilfe des Da Vinci Systems nicht. Es wird in jedem großen Haus in Deutschland genutzt. Klar ist: Der Da Vinci Roboter ist nur ein sehr intelligentes Werkzeug für den Operateur und trifft keine autonomen Entscheidungen. Der Chirurg selbst behält bei jedem Schnitt die Oberhand. Der Medizinroboter ermöglicht aber entgegen der konventionellen offenen Operation einen Einblick in das Operationsgebiet für alle Personen, die im OP-Saal stehen. Dadurch, dass alle Beteiligten die Operation verfolgen, können Aufgaben, wie z.B. die Vorbereitung von Instrumenten, besser vorhergesehen werden, findet der Chirurg Jens Peter Hölzen von der Uniklinik Münster, der mit Da Vinci operiert. „Man tritt durch Da Vinci stärker als Team auf, das ist ein großer Vorteil“, sagt Hölzen.

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