Auswandern als Arzt

In den Sommermonaten die Abende am Strand verbringen und im Frühling und Herbst bei sonnigen 20 Grad auf der Veranda frühstücken - wer hat nicht schon einmal davon geträumt auszuwandern. Das Gute als Arzt oder Ärztin ist, sie werden überall gebraucht.

Bern

Die Schweiz ist für Mediziner aus Deutschland am attraktivsten. Im Bild: Die Altstadt von Bern. | CC0 Felix Broennimann

Wer nun aber glaubt, die meisten Ärzte kehren Deutschland den Rücken, um in der Karibik oder einem anderen Feriendomizil zu praktizieren, der täuscht. Laut der Ärztestatistik 2016 sind im letzten Jahr 2050 Ärztinnen und Ärzte ausgewandert, am beliebtesten war das deutschsprachige und benachbarte Ausland: 672 Ärzte und Ärztinnen wanderten in die Schweiz aus, 295 nach Österreich. Auf Platz 3 kommen die USA mit 112 ausgewanderten Ärzten und Ärztinnen, 66 Mediziner zog es nach Griechenland.

Damit sticht ein wesentlicher Faktor hervor, der bei einer Auswanderung wichtig ist: Die Sprache. Gerade im medizinischen Kontext gibt es viele Fachtermini, die man sich bei einer Auswanderung aneignen muss. Deshalb wählen viele Ärzte ein Land, in dem die Muttersprache oder zumindest Englisch gesprochen wird. 

Weiterbildung im Ausland

Auch der Zeitpunkt des Auslandsaufenthaltes spielt eine Rolle. Das PJ im Studium ist eine gute Möglichkeit ohne großen Aufwand ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Plant man die Weiterbildung im Ausland zu machen, sollte man sich davor intensiv mit der Anrechenbarkeit von Leistungen beschäftigen. So regelt zum Beispiel eine gemeinsame Richtlinie der EU zur Anerkennung von Berufsqualifikationen (2005/36/EG), dass Weiterbildungsabschnitte innerhalb der Europäischen Union (EU), des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) und der Schweiz als gleichwertig anerkannt werden. Theoretisch kann man also einzelne Abschnitte der Weiterbildung oder auch die gesamte Weiterbildung in vielen Ländern Europas absolvieren. Dennoch empfiehlt es sich vor der Ausreise den Auslandsdienst der Bundesärztekammer zu kontaktieren, um alle nötigen Informationen zur Wunschdestination zu erhalten. 

Spielt man mit dem Gedanken in das außereuropäische Ausland zu gehen, wird es schon etwas aufwändiger. So gibt es in den USA zum Beispiel eine schwere Examensprüfung (USMLE), die man vor der Berufsausübung als Arzt bestehen muss. In Australien muss ein Sprachtext bestanden werden und in Spanien muss man einen Test mit 250 Multiple Choice-Fragen absolvieren, um für die Facharztweiterbildung zugelassen zu werden. Hinzu kommt, dass Facharztzeugnisse aus dem nicht-europäischen Ausland in Deutschland nicht anerkannt werden. Weiterbildungsabschnitte können zwar übernommen werden, aber mindestens ein Jahr der Weiterbildung muss in Deutschland erfolgen und auch die Prüfung muss hier abgeleistet werden. 

Arzt in Amerika

Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging Dr. Peter Niemann nach Amerika. Er schreibt über seine Ausbildung zum Internisten sowie der Zeit danach, aber auch über die Skurrilität eines Arztlebens in den USA. Dieses Mal über seine Motivation eine dritte Weiterbildung zu starten.

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Die Entscheidung, wann man ins Ausland geht, sollte also gut überdacht werden. Will man zum Beispiel im Ausland forschen und gar keinen Facharzttitel machen, dann kann man sich fragen, ob auch langfristig eine ärztliche Tätigkeit ohne Facharzttitel vorstellbar ist. Denn sonst holen einen die Fragen, die man jetzt umgeht, später wieder ein. Will man den Facharzttitel im Ausland machen, muss man wiederum bedenken, dass man als Facharzt dann auch nur dort praktizieren kann, also nicht mehr so leicht in Deutschland Fuß fasst.