Das war Operation Karriere 2016 in München

Auftakt der „Sommerkongresse“ bildete in Süddeutschland am 11. Juni der Operation Karriere Kongress in der Alten Kongresshalle an der Theresienwiese in München.

Als „Markt der Möglichkeiten“ für die ärztliche Berufsausübung werden die mittlerweile traditionell stattfindenden Kongresse „Operation Karriere“ des Deutschen Ärzteverlages bezeichnet. Mehrere hundert Teilnehmer, größtenteils Medizinstudierende und Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, diskutieren bei Podiumsrunden und in Workshops über ihre Karrierechancen mit renommierten Experten aus den regionalen Kliniken, Ärztekammern, Industrie und Verbänden.

Von ihnen erhalten die Nachwuchskräfte wertvolle Insider-Tipps für jede Stufe der medizinischen Laufbahn. Zudem haben sie die Möglichkeit, vielversprechende Kontakte zu knüpfen. Denn auf der begleitenden Karrieremesse stellen Kliniken und Einrichtungen des Gesundheitswesens der jeweiligen Region ihre Häuser vor und informieren über die Perspektiven für Nachwuchsärzte.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann (Redakteurin Deutsches Ärzteblatt)

Sie finden hier die Nachberichterstattung in Wort und Bild rund um den Operation Karriere Kongress in München, der am 11. Juni 2016 in der Alten Kongresshalle stattfand.


Impressionen vom Operation Karriere Kongress 2016 in München

Am 11. Juni fand der Operation Karriere Kongress 2016 in München statt. Hier einige Impressionen vom Kongress, aus den Workshops und der Karrieremesse in der Alten Kongresshalle.

Alte Kongresshalle

Wolf

Der Münchener Kongress fand in den Räumlichkeiten der Alten Kongresshalle statt. 

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Dr. med. – Die Doktorarbeit gut vorbereiten

In seinem Vortrag zur Doktorarbeit informierte Paul Windisch, selbst Medizinstudent und Lehrbuchautor, die Besucher des Operation Karriere Kongresses in München über das richtige Herangehen an die Promotion.

Paul Windisch teilte seine Tipps zur Doktoarbeit mit den Medizinstudenten auf dem Operation Karriere Kongress. | Wolf

Die erste Etappe auf dem Weg zur Doktorarbeit ist genommen, wenn man das richtige Projekt für sich gefunden hat. Das kann entweder ein eigenes Projekt sein oder ein ausgeschriebenes, auf das man sich bewirbt. Wichtig sei laut Windisch, sich zu fragen: „Warum mache ich das eigentlich?“ Denn die eigenen Beweggründe hängen mit der Note zusammen, die es für die Doktorarbeit zu erreichen gilt. Die Vergabe der Note sei meist sehr genau in der Promotionsordnung festgelegt.

Zeit bestimmt Note – Note bestimmt Zeit

Ist man als Medizinstudent der Meinung, dass eine Doktorarbeit einfach dazu gehört, jedoch keine weiteren Bestrebungen dahinter stecken, so wird mit dem eingesetzten Zeitaufwand wahrscheinlich die Note „rite“ erreicht. Wird eine Karriere außerhalb der Universitätsklinik angestrebt, laute „cum laude“ das Ziel der Doktorarbeit. Hat man Spaß am Experimentieren und möchte man an der Uni Karriere machen, so sollte mindestens „magna cum laude“ das Ergebnis der Promotion sein. Um diese Note zu erreichen, sei meist eine Zweitautorenschaft bei einer veröffentlichten Publikation Pflicht. Wird die Bestnote angestrebt, sollte man zum einen viel Spaß an der experimentellen Arbeit haben und zum anderen Erstautor einer veröffentlichten Publikation sein. Durch diese Doktor-Note werde eine exzellente Unikarriere ermöglicht, der Zeitaufwand für das Erreichen der Note liege dafür aber deutlich höher.

Thema – Fragestellung – Hypothese

Diese drei Begriffe bildeten die Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit, erläuterte Windisch. Das Thema könnte zum Beispiel „Bauchspeicheldrüse“ sein. Die mögliche Fragestellung der Arbeit „Spielt Enzym XY eine Rolle beim Wachstum von duktalem Adenokarzinom?“ und die abgeleitete Hypothese sollte dann sehr konkret sein und nur noch zwei Möglichkeiten der Beantwortung offen lassen. Entweder sie stellt sich als wahr heraus, dann wird sie verifiziert, oder als falsch, dann wird die Hypothese falsifiziert.

Aus der Hypothese leite sich der Arbeitsplan ab. Die Methoden für die experimentelle Arbeit sollten am besten bereits in der Abteilung etabliert sein. Zwei weitere wichtige Faktoren seien die Betreuungssituation und der Ethikantrag. Der Ethikantrag muss genehmigt sein, bevor mit der Arbeit begonnen wird. „Je nachdem, wie oft der Ethikrat tagt, kann dies eine Weile dauern“, informierte Windisch.

Nach der Pflicht kommt die Kür

Wer sich für ein Doktoranden-Stipendium bewerben möchte, der sollte beachten, dass die Bewerbungsfristen sehr früh sind. Zeit zum Einlesen und das Besuchen von Kursen für bestimmte Software sind zusätzliche Kür-Bestandteile. Ein weiterer wichtiger Tipp von Windisch: „Schreibt euren Teil zu 'Material & Methoden' während des experimentellen Arbeitens. Wer dazu keine Zeit hat, der macht sich am besten zumindest Notizen, damit später der genaue Versuchsaufbau beschrieben werden kann“. Als nächsten Schritt mache es Sinn die Ergebnisse zu schreiben und sich dabei an den Grafiken und Tabellen entlang zu hangeln. Anschließend folge die Diskussion und Zusammenfassung und erst am Schluss widme man sich der Einleitung, so der Rat von Windisch.


Quelle: Operation Karriere Kongress 2016 München, Dr. med. – Die Doktorarbeit gut vorbereiten, Paul Windisch, Medizinstudent an der Universität Heidelberg und Lehrbuchautor, Heidelberg

Was muss man bei dem Verfassen einer Doktorarbeit beachten? Welche Hilfsmittel gibt es? Wie haushaltet man am besten mit seiner Zeit und seiner Energie? Ist eine Promotion in Zeiten des Ärztemangels überhaupt noch notwendig? Hier gibt es alle Artikel zur Promotion.

Berufseinsteiger Medizin: Klinik, Praxis und Work-Life-Balance

In seinem Vortrag auf dem Operation Karriere Kongress in München ging Georg Kirschner von der A.S.I. Wirtschaftsberatung auf Wunschfaktoren ein, die angehende und junge Ärzten bei der Planung der Zukunft stellen.

Georg Kirschner

Georg Kirschner, A.S.I. Wirtschaftsberatung, rät Berufsanfängern sich mit ihren Berufswünschen auseinanderzusetzen. | Wolf

„Suchen Sie sich aus, wo Sie arbeiten möchten“, riet Georg Kirschner von der A.S.I. Wirtschaftsberatung den Zuhörern des Podiums „Neue Entwicklungen in der Aus- und Weiterbildung“ auf dem Operation Karriere Kongress in München am 11. Juni 2016. „Und seien Sie ruhig anspruchsvoll – der Arbeitsmarkt gibt das aktuell her!“

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Damit die beruflichen Anforderungen und Gegebenheiten später auch mit Vorstellungen der Bewerber übereinstimmen, sollte sich der Bewerber früh mit seinen beruflichen Wünschen auseinandersetzen. Nicht umsonst würde die Generation Y als eine Generation beschrieben, die hinterfragt und kritisiert. Die sich eine konstruktive Herangehensweise wünsche und erwarte, dass der Arbeitgeber sich die Kritik anhört und auch darauf eingeht.

Außerdem stünden die Faktoren Team, Weiterbildung, Zukunft (z.B. Verbleib an einem Standort) hoch im Kurs, gefolgt von der Vereinbarkeit von Beruf, Privatleben, Karriere und Familie. Erst weit unten sei der Faktor Geld angesiedelt. „Die Gehälter stehen meist sowieso mit dem Tarifvertrag fest“, erklärte Kirschner den Zusammenhang. Die Bewerber könnten darauf nur bedingt Einfluss nehmen.

Kirschner verdeutlichte dies am Bewerbungsprozess. Er stellte zwei Stellenanzeigen vor – die eine hübsch gelayoutet mit einem großen Foto als emotionaler Eyecatcher, jedoch wenig beschreibendem Text, die andere eher sachlich und strukturiert aufgebaut mit ausführlichem Text. „Welcher Job ist besser?“, fragte Kirschner das Publikum. „Das kann man so natürlich nicht beantworten. Doch bei der zweiten Anzeige hat sich die Personalabteilung der Klinik zumindest Gedanken darüber gemacht, welche Informationen und welches Angebot für Sie interessant sein könnten“, stellte Kirschner fest. Außerdem gebe die ausführliche Anzeige dem Bewerber einen Anhaltspunkt für die Vorbereitung auf die Bewerbung und das spätere Vorstellungsgespräch.

Was können Arbeitgeber Ärzten in 10 Jahren noch bieten?

In puncto Work-Life-Balance sei es fraglich, ob Krankenhäuser in 10 Jahren noch das bieten können, was sich die Ärzte wünschen. Als Option führte Kirschner die ambulante Tätigkeit an. Und die Tendenz zur Praxis steige, jedoch mit anderen Ansprüchen als früher. Mittlerweile habe die Politik darauf reagiert. Es gibt neue Arbeitsmodelle im ambulanten Bereich, die spezielle Ansprüche erfüllen. Hierzu zählen neben der klassischen Einzelpraxis die „echte“ Berufsgemeinschaft, die Job-Sharing-Berufsgemeinschaft, Job-Sharing in Anstellung, Assistententätigkeit in einer Vertragsarztpraxis oder die Anstellung als Arzt in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Mit diesen Modellen lasse sich die angestrebte Arbeitszeit und somit die Work-Life-Balance flexibler planen.

Kirschner fragte zum Abschluss die Zuhörer nach Ihrer Meinung. Viele meldeten sich zur Frage „Können Sie sich für später eine Niederlassung vorstellen?“. Auf die Frage „Würden Sie für sich eine Niederlassung komplett ausschließen?“ zeigte nur eine Hand auf.

Quelle: Operation Karriere Kongress 2016 München, Klinik und Zuhause – Zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Georg Kirschner, A.S.I. Wirtschaftsberatung, Münster

Karriereplanung: Berufswege ergeben sich oft durch Zufall

Wie gestalte ich meinen Karriereweg? Was passt zu mir, Klinik oder Niederlassung? Viel Gelegenheit für Fragen an das Plenum aus Hausärzten und Chirurgen bot die Podiumsdiskussion bei Operation Karriere in München.

Podiumsdiskussion Operation Karriere München

Moderatorin Dr. E. Richter-Kuhlmann (l.) mit Podiumsteilnehmern Dr. W. Ritter, Dr. B. Reinhardt, PD Dr. S. Grote, PD Dr. M. Rentsch, Dr. D. Schneider (v.l.) | Wolf

Eines wurde schnell deutlich: Die Karrierewege der Podiumsteilnehmer verliefen nie geradlinig und waren häufig vom Zufall bestimmt. Dr. Dagmar Schneider, niedergelassene Hausärztin in Bayern, kam über eine Vertretungsstelle zu ihrer heutigen Hausarztpraxis. Andere entdeckten während ihrer Zivildienstzeit ihre Begeisterung für den heutigen Beruf. Häufig waren Kontakte, die im Berufsleben geknüpft wurden und Menschen, von denen man gelernt hat, richtungweisend für die eigene Zukunft.

„Als Niedergelassener sind Sie der Chef“

Für eine Tätigkeit als niedergelassene Allgemeinmedizinerin hat sich Dr. Beate Reinhardt entschieden. Sie arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis auf dem Land. „Als Niedergelassener sind Sie der Chef, Sie bestimmen Ihren Urlaub, Sie sind flexibel. Und die Patienten geben Ihnen sehr viel zurück“, sagte sie. "Vor dem Schritt in die Selbständigkeit muss man keine Angst habe", sagte der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Ritter. Man muss sich jedoch bewusst sein, ein Unternehmen zu führen. Er empfiehlt, erst ein paar Jahre Erfahrung in der Anstellung zu sammeln und sich dann niederzulassen.

Als niedergelassener Allgemeinarzt gibt es viele Entfaltungsmöglichkeiten, auch, um sich politisch oder auf Verbandsebene zu engagieren. Ritter ist zugleich als Delegierter des Bezirks München für den Bayerischen Hausärzteverband tätig. „Vor rund fünfzehn Jahren war der Beruf des Hausarztes sehr bedroht, das war für mich der Antrieb, politisch aktiv zu werden. Ich finde es wichtig, dass man für das, was man mit Leidenschaft tut und für den Patienten kämpft.“

Absprung von Uniklinik ist später möglich

Ein einmal eingeschlagener Weg muss nicht „in Stein gemeißelt“ sein. Auch ein Wechsel in der Lebensmitte ist durchaus üblich. Ein paar grundlegende Überlegungen am Anfang erleichtern den späteren Berufsweg. „Wenn man eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, ist es empfehlenswert, in einem Universitätsklinikum zu beginnen“, sagte der Chirurg PD Dr. Markus Rentsch, der den Bereich Kolorektale Chirurgie an der LMU München leitet. In diesem Fall sei es sinnvoll, zwei Jahre im Ausland rein wissenschaftlich tätig zu sein. „Wenn man merkt, die Uniklink ist nichts für mich, ist der Absprung sicher möglich, wenngleich nicht zu jedem Zeitpunkt einfach." Unter Umständen haben gleichaltrige Kollegen mehr Operationserfahrung und werden bei einer Einstellung bevorzugt.

Von der Uniklink München an das deutlich kleinere Klinikum St. Elisabeth Straubing wechselte der Chirurg PD Dr. Stefan Grote. Er arbeitet als Chefarzt in der Orthopädie und Unfallchirurgie und hat nach wie vor ein breites Spektrum an chirurgische Aufgaben: „Wir machen chirurgisch alles! Wer chirurgische Hausforderungen liebt, ist an einem kleineren Haus nicht schlechter dran.“ Andererseits kann man für bestimmte chirurgische Disziplinen, etwa in der Transplantationsmedizin, nur in einem Universitätsklinikum bzw. spezialisierten Zentrum tätig sein. All diese Überlegungen sollten die Wahl des künftigen Berufswegs beeinflussen.

Auch die Frage, welche Tätigkeit mit Familie am besten zu vereinbaren ist, beeinflusst die Planung vieler junger Ärztinnen und Ärzte. Deutlich wurde: In der Chirurgie gibt es Frauen, in Führungspositionen arbeiten sie aber selten – erst recht in Teilzeitmodellen. Wer Karriere machen will, muss hier offenbar familiär oft noch zurückstecken.

Über aktuelle Weiterbildungsbefugnis informieren

Egal, ob man sich für eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin, Chirurgie oder einem anderen Gebiet entscheidet, grundsätzlich ist es wichtig, sich vor einer Weiterbildung darüber zu informieren, welche Weiterbildungserlaubnis der Weiterbilder hat und ob diese aktuell ist. Denn danach richtet sich, was später als Weiterbildungszeit anerkannt wird. Die Landesärztekammern informieren auf ihren Websites darüber. Und noch einen ganz praktischen Tipp hat Hausärztin Reinhardt für die jungen Kollegen: „Ich empfehle jedem, vor Vertragsabschluss zur Probe zu arbeiten. Wer einen Tag in der Praxis mit dem künftigen Team verbringt, kann sehen, ob die Chemie stimmt.“

Quelle: Operation Karriere Kongress 2016 München, Podiumsdiskussion - Welche Weiterbildung passt zu mir? Moderatorin Dr. E. Richter-Kuhlmann; Podiumsteilnehmer: Dr. Wolfgang Ritter, Facharzt für Allgemeinmedizin in München, Bayerischer Hausärzteverband e.V.; Dr. Beate Reinhardt, Landarztpraxis Effeltrich, KV Bayern;  PD Dr. Stefan Grote, Chefarzt Klinikum Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinikum St. Elisabeth Straubing GmbH; PD Dr. Markus Rentsch, Bereichsleiter Kolorektale Chirurgie der LMU München;  Dr. Dagmar Schneider, Fachärztin für Allgemeinmedizinj, Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin, Bay. Landesärztekammer.

Warum es sich lohnt, Radiologe zu werden

Weiterbildung Radiologie: Ein kleines Fach mit großer Bedeutung und sehr guter Bezahlung. Warum es sich lohnt, Radiologe zu werden, verrät Prof. Dr. Dr. Stefan Wirth.

Prof. Dr. Dr. Stefan Wirth

Prof. Dr. Dr. Stefan Wirth während seines Vortrags auf dem Kongress. | © Wolf

Radiologie ist ein kleines Fach, gerade einmal zwei Prozent der Ärzte sind in der Radiologie tätig. „Wir gucken in den Patienten rein, ohne dass es weh tut. Wir haben bis zu 80 Prozent Patientenkontakt und wir sind die Drehscheibe in der Klinik“, umreißt Prof. Dr. Dr. Stefan Wirth, GfOA, Institut für Klinische Radiologie, LMU München das Fach.  Es genüge nicht, einfach nur gut zu sein. Als Radiologe müsse man lernen, lebenslang zu lernen, sagte Wirth auf dem Operation Karriere Kongress in München.

Der Beruf hat Schattenseiten: "Die Radiologie ist extrem abhängig von der Technik, wenn da etwas nicht funktioniert, steht das Krankenhaus still." Gleichzeitig ist sie sehr teuer und erzielt kaum eigene Erlöse. „Damit stehen wir sehr schnell als Kostenfaktor dar und das ist ein großes Problem. In Klinken wird darauf fokussiert, wo man Kosten sparen kann.“ Nur noch 800 von 2200 Krankenhäuser leisteten sich heute eine eigene Radiologie.

Flexibel agieren und exzellente Bezahlung

Die gute Botschaft: Als niedergelassener Radiologie verdient man mit Abstand am besten unter den Fachärzten, das Jahreseinkommen liegt bei 264.000 Euro, das ist deutlich mehr als die ebenfalls sehr gut verdienenden Augenärzte und Orthopäden. Mehr Zahlen zur ärztlichen Vergütung liefert der GKV-Spitzenverband.

Die Weiterbildung Radiologie empfiehlt Wirth auch allen, denen ihr Berufsweg in der Medizin noch nicht klar ist. „Wer das ein halbes Jahr oder ein Jahr gemacht hat, lernt vieles, was er später braucht und kann immer noch switchen. Das ist gar nicht so selten. Wenn man unentschlossen ist, ist man in der Radiologie gut aufgehoben." Die Radiologie ist also ein kleines Fach mit einer großen Bedeutung und vielen Möglichkeiten.

Quelle: Operation Karriere Kongress 2016 München, "Ärzte mit Durchblick – Weiterbildung Radiologie", Vortrag von Prof. Dr. Dr. Stefan Wirth, GfOA, Institut für Klinische Radiologie, LMU München.

Wie hoch ist das Gehalt eines Arztes? Was verdient ein Assistenzarzt während der Weiterbildung? Lohnt sich als Facharzt die Gründung einer Praxis? In dieser Rubrik gehts ums Geld.

Chirurg werden – dieses Handwerkszeug braucht man

Operative Geschicklichkeit, ein hohes Verantwortungsbewusstsein und keine Schwierigkeiten mit schnellen Entscheidungen – diese Eigenschaften zeichnen einen guten Chirurgen aus.

Prof. Dr. Werner Hartwig

Prof. Dr. Werner Hartwig | © Wolf

Kaum ein anderer Facharzt ist in der Bevölkerung so anerkannt, wie der Chirurg. „Als Chirurg genießt man ein hohes Vertrauen seitens des Patienten. Für viele ist der Chirurg auch heute noch der Halbgott in Weiß“, sagte Prof. Dr. Werner Hartwig bei Operation Karriere in München. Er ist Leitender Oberarzt an der Klinik für Allgemeine, Viszeral- , Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie der LMU München.

Was auch daran liegt, dass der Chirurg unmittelbaren Erfolg, bestensfalls eine Heilung, vorweisen kann. Chirurg ist ein Beruf mit hoher Verantwortung, in dem man sich schnell entscheiden können muss.

Hohe Arbeitssicherheit für künftige Chirurgen

Die beruflichen Aussichten sind auch für diesen Facharzt rosig, Chirurgen erwartet ein sicherer Arbeitsplatz: „Rund die Hälfte der niedergelassenen Chirurgen und circa ein Drittel der Krankenhauschirurgen werden bis 2020 in Ruhestand gehen“, gab Hartwig einen Ausblick. 10 bis 12 Prozent der Medizinstudierenden könnten Chirurg oder Chirurgin werden.

Wer diesen Beruf ergreifen will, sollte neben einem umfangreichen Fachwissen und einer guten Geschicklichkeit bzw. operativen Fähigkeiten auch Teamgeist mitbringen. Engagement und Ausdauer, genauso wie Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit gehören zum Handwerkszeug für einen Chirurgen. Empathie für die Patienten ist ebenso wichtig.

Künftig könnte die robotergestützte Chirurgie immer wichtiger werden, bereits ca. 80 sogenannte DaVinci-Roboter sind deutschlandweit im Einsatz. Hartwig stellte Daten vor, denen zufolge Chirurgen die robotergestützte Chirurgie besonders schnell erlernen, wenn sie im Umgang mit Spielkonsolen wie der Wii geübt sind.

Common Trunk in der Chirurgie

In den ersten zwei Jahren der Weiterbildung, dem "Common Trunk", werden basischirurgische Grundlagen vermittelt: Es werden akute Notfälle erkannt und behandelt, einschließlich lebensrettender Maßnahmen. Chirurgische Erkrankungen und Verletzungen werden klassifiziert und diagnostiziert sowie Prinzipien der perioperativen Diagnostik und Therapie behandelt.

Es erfolgen erste ambulante chirurgische Eingriffe, Assistenzen und angeleitete Operationen. Behandlungs- und Untersuchungsverfahren wie Sonografien, Punktions- und Katheterisierungstechniken sowie enterale und parenterale Ernährung werden erlernt. Lokal- und Regionalanästhesien sowie die Indikationsstellung und Überwachung physikalischer Therapiemaßnahmen gehören zum umfangreichen Grundlagenrepertoire. An die zweijährige Basisausbildung schließt sich eine vierjährige Spezialisierung an.

Quelle: Operation Karriere Kongress 2016 München; Vortrag "Chirurg werden - kein Durchschnittsjob"; Prof. Dr. med. Werner Hartwig, Leitender Oberarzt, Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Campus Großhadern.

Finden Sie hier Informationen, Interviews, News und Videobeiträge rund um das Facharztgebiet Chirurgie und ihre unterschiedlichen Fachrichtungen.

BLÄK - Lux: "Weiterbildung in Teilzeit muss möglich sein"

Junge Ärztinnen und Ärzte brauchen Verlässlichkeit und Rahmenbedingungen, die sie einfordern können. Dafür setzt sich Dr. Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer und eine der Referentinnen beim Operation Karriere Kongress in München, ein.

Dr. Heidemarie Lux

Dr. Heidemarie Lux während ihres Vortrags auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in München. | Wolf

"Wir müssen Strukturen schaffen, damit Teilzeit in der Weiterbildung möglich wird", sagte Lux in München. Bayern ist eines der Länder, die das bereits ermöglichen. Hier können sich Ärzte bis zur Hälfte der vorgesehenen Mindestweiterbildungszeit eine Teilzeitbeschäftigung in einem Umfang von mindestens zwölf Wochenarbeitsstunden anerkennen lassen. Doch die einzelnen Landesärztekammern sind autark und die Bestimmungen divergieren.

Auch im niedergelassenen Bereich forderte Lux eine "Flexibilisierung der Strukturen". "Es muss dahin gehen, dass sich mehrere Ärzte eine Stelle teilen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gewährleisten." Die Bayerische Landesärztekammer bietet auch ein Wiedereinstiegsseminar für Ärzte und Ärztinnen an, die – zum Beispiel zur Kindererziehung – eine berufliche Auszeit nehmen, „aber mir geht es darum, dass Sie gar nicht erst aussteigen, sondern auch mit wenig Teilzeit weiterarbeiten.“

Nur wenige Ärztinnen in Führungspositionen

Lux selbst hat vor mehr als 30 Jahren in der Medizin angefangen und es „keinen Tag bereut“. Die Internistin und Endokrinologin arbeitet heute noch als Notärztin. Die Rahmenbedingungen in der Klinik und in der Niederlassung haben sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Aus der einstigen Männerdomäne Medizin ist ein Beruf geworden, den immer mehr Frauen ergreifen – allerdings noch nicht in Führungspositionen.

Im ärztlichen Bereich liegt die Frauenquote in Führungspositionen bei etwa 10 Prozent, im Chefarztbereich sind es noch weniger, sagte Lux. Fächer wie die Chirurgie müssten sich umorientieren und fragen: „Wie können wir gewährleisten, guten Nachwuchs zu haben?“ Work-Life-Balance, bessere Bezahlung durch Tarifverträge, flexible Arbeitszeiten – "die Kliniken sind auf einem guten Weg dorthin", ist sie überzeugt.

Nachwuchs für die Klinik begeistern

Einen Begriff, den Lux nicht mag, ist „Assistenzarzt“. „Sie sind kein Assistent des Oberarztes, sondern Arzt und haben eine Verantwortung und müssen sich immer im Interesse des Patienten entscheiden“, gab sie den jungen Ärztinnen und Ärzten mit auf den Weg. Sowohl in der Klinik als auch in der Niederlassung stehen die Berufschancen derzeit so gut wie lange nicht.

Assistenzärzte sollten einen Rotationsplan zur Facharzt-Qualifikation einfordern, doch auch die Kliniken müssen aktiv werden: Einarbeitungsseminare für ärztliche Mitarbeiter und Mitarbeiterführungsseminare gehören dazu. Außerdem sollten sie dem medizinischen Nachwuchs konkrete Karrierechancen in der eigenen Klinik bieten. Denn: „Sie müssen Karrierewege aufzeigen, damit sich die jungen Kollegen begeistern.“

Quelle: Operation Karriere Kongress München 2016, Impulsvortrag: Der Start als Arzt – Was Assistenzärzte in der Klinik erwartet, Dr. med. Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer, München

Kammerpräsident Kaplan: Grußwort zum Operation Karriere Kongress 2016 in München

Zum Start des Operation Karriere Kongresses 2016 in München sendete der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Max Kaplan, Grußworte an die Kongressteilnehmer.

Dr. Max Kaplan

Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, auf dem Operation Karriere Kongress 2015 in München. | Wolf

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich heiße Sie herzlich Willkommen in unserer schönen Bayerischen Landeshauptstadt, die gerade jetzt im Frühsommer besonders attraktiv ist mit ihren landschaftlichen und kulturellen Vorzügen. Die Bayerische Wirtschaft boomt und auch in Sachen Bildung ist München mit zwei renommierten Universitäten gut aufgestellt. Hier herrscht eine hohe Lebensqualität und wir verfügen über eine ausgezeichnete Medizin. Das ist womöglich auch ein Grund, weshalb der Kongress „Operation Karriere“ bereits zum 4. Mal in unserer Landeshauptstadt stattfindet.

Als Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und auch ganz persönlich, ist es mir eine Herzensangelegenheit, dass Sie, die jungen Ärztinnen und Ärzte von morgen, nicht nur mit größtmöglicher Motivation in die ärztliche Berufsausübung starten, sondern auch die richtige Fachrichtung finden und hierfür gezielt in die Weiterbildung einsteigen. 

Hierbei kommt einer modernen und flexiblen Weiterbildungsordnung eine hohe Bedeutung zu, für die wir als BLÄK Mitverantwortung tragen. Die Weiterbildungsordnung wird derzeit auf Bundesebene novelliert, d. h. flexibilisiert, auf Ihre Bedürfnisse und auf die Relevanz für die Patientenversorgung ausgerichtet. Ärztliche Weiterbildung soll nicht mehr in erster Linie an starren Zeiten festgemacht, sondern vielmehr auf Inhalte und Richtzahlen hin ausgerichtet werden, die sich an der Praktikabilität und Praxisrelevanz orientieren. Auch soll Weiterbildung verstärkt im ambulanten Bereich durchgeführt werden – denn immer mehr ärztliche Leistungen werden im ambulanten Bereich erbracht.

Ebenso wichtig ist es, die beruflichen Rahmenbedingungen zu optimieren – im stationären sowie im ambulanten Sektor. Das bedeutet im stationären Bereich familienfreundlichere Arbeitszeiten, Möglichkeit von Teilzeitarbeit, Kinderbetreuungsangebote und im niedergelassenen Bereich Verbesserung der Infrastrukturen auf dem Land, wie beispielsweise mehr Kindertagesstätten und -gärten mit berufsfreundlichen Öffnungszeiten, Verbesserung im Öffentlichen Nahverkehr sowie Ausbau des digitalen Netzes. 

Neue Versorgungsformen und Kooperationen sollen künftig mehr Zusammenarbeit mit anderen Kollegen in Form von regionalen Versorgungszentren oder großen fachübergreifenden Ärztehäusern ermöglichen. Genau das sind unsere Forderungen, denn nur in größeren Kooperationsgemeinschaften ist es möglich, unter Berücksichtigung von Familie und Freizeit, den ärztlichen Beruf auch künftig engagiert ausüben zu können. Sie sehen, die Strukturen werden geändert und Ihren Bedürfnissen angepasst, jetzt liegt es an Ihnen, sich über den eigenen beruflichen Weg Gedanken zu machen.

Ganz gleich, ob Sie eine Karriere im stationären oder im ambulanten Bereich anstreben, bin ich überzeugt, dass Sie ohne Schwierigkeiten Ihren individuellen Schwerpunkt und Ihren „Traumjob“ finden werden – immer unter der Prämisse, Sie entscheiden sich aus voller Überzeugung für den Arztberuf und somit für eine Profession bzw. eine Berufung, die Sie mit voller Empathie, Altruismus und Philanthropie ausüben werden. 

Dies impliziert, dass der Arztberuf als Freier Beruf verstanden und erhalten bleibt. Aufgrund besonderer beruflicher Qualifikation erbringen Sie als Ärztin, als Arzt persönlich, eigenverantwortlich und fachlich unabhängig geistig-ideelle Leistungen unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Auftrags und fühlen sich dabei ausschließlich dem Wohl Ihrer Patienten verpflichtet. Ich bin mir sicher, dass Sie Ihren Platz in der Medizin finden werden und Ihren Beruf nach Ihren Vorstellungen von einem Traumberuf gestalten können. Ich wünsche Ihnen einen interessanten und informativen Kongress.

Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer