Das war Operation Karriere 2016 in Köln

Operation Karriere hat ihre Kongressreihe 2016 mit den Kongressen in Köln (26.11.2016) und zum ersten Mal in Bochum (3.12.2016) erfolgreich abgeschlossen. Zahlreiche interessierte Medizinstudenten, PJler und Ärzte in Weiterbildung nutzten in diesem Jahr an insgesamt sechs Universitätsmedizin-Standorten die Möglichkeit, sich einen ganzen Tag lang über ärztliche Karrierewege zu informieren und Arbeitgeber aus der Umgebung live kennenzulernen. Neben der Karrieremesse finden über den Tag verteilt zahlreiche Vorträge und Workshops statt, an welchen die Besucher wertvolle Informationen, Tipps und How-To’s für ihre Karriereplanung erfahren. Weitere Highlights sind das Jobboard mit aktuellen Stellenausschreibungen für Famulatur und Praktisches Jahr sowie mit Weiterbildungsangeboten für Assistenzärzte, die Möglichkeit für eine individuelle Karriereberatung sowie ein Shooting für professionelle Bewerbungsfotos.

Die Kongressreihe geht nächstes Jahr weiter:

  • Frankfurt: 11.02.2017
  • München: 20.05.2017
  • Hamburg: 16.06.2017
  • Bochum: 08.07.2017
  • Berlin: 18.11.2017
  • Köln: 02.12.2017

 Sie finden hier die Nachberichterstattung in Wort und Bild rund um den Operation Karriere Kongress in Köln, der am 26. November 2016 im KOMED-Konferenzbereich im Mediapark Köln stattfand.


Eindrücke vom Operation Karriere Kongress in Köln 2016

Mit vielen spannenden Vorträgen, Workshops und einer Karrieremesse zog der Operation Karriere Kongress in Köln wieder einmal viele Besucher an. Hier einige Eindrücke vom Kongresstag.

Anmeldung Operation Karriere

Tobias Vollmer

Um 9 Uhr startete die Registrierung im KOMED-Konferenzbereich des Kölner MediaParks. 

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Bild: Tobias Vollmer/Fotojetzt.com

Der Start als Arzt – was Ärzte in der Weiterbildung erwartet

Was erwartet Assistenzärzte in der Klinik? Dr. Patrick Boldt, Referent für Weiterbildungsentwicklung und Hochschule bei der Ärztekammer Nordrhein, gab auf dem Operation Karriere-Kongress 2016 in Köln erste Einblicke.

Dr. Patrick Boldt

Dr. Patrick Boldt hielt den Impulsvortrag des Kölner Operation Karriere-Kongresses 2016. | Reinhart

Die Ärztekammern sind wichtige Partner von Medizinern, gerade zu Beginn einer Karriere, wenn man sich orientieren muss und durch das neue Umfeld viele Fragen aufkommen. Mit Dr. Patrick Boldt eröffnete ein Vertreter einer dieser Partner den Operation Karriere-Kongress 2016 in Köln.

Die positive Botschaft kam gleich zu Beginn: Der wesentliche Unterschied zu früher bei der Suche nach einer Weiterbildungsstelle und dann auch bei der Arbeit in der Klinik sei derjenige, dass junge Ärzte momentan sehr gefragt sind und somit auch besser „Druck aufbauen“ können, um ihre Vorstellungen und Wünsche gegenüber dem Arbeitgeber bestmöglich geltend zu machen. „Der Job fängt nach dem Studium erst richtig an“, sagte Boldt. Im Klinikalltag laufe vieles ganz anders ab, als es im Studium gelernt werde.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Nordrhein-Westfalen beheimatet ein Drittel der gesamten deutschen Ärzteschaft, daher ist das Bundesland in zwei Kammerbereiche unterteilt, Nordrhein und Westfalen-Lippe. „Das Heilberufsgesetz und die Weiterbildungsordnung der jeweiligen Ärztekammer ist bindend“, betonte Boldt. Es gebe große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Ärzte gehören immer zu der Kammer, in deren Gebiet sie praktizieren, nicht dort, wo sie studiert haben.

Die Unterschiede sind unter anderem andere Facharzttitel, aber auch andere Richtzahlen. Daher müsse man vor allem beim Wechsel des Bundeslandes innerhalb der Weiterbildungszeit vorsichtig sein. „Holen Sie sich immer eine behördliche Bestätigung ein – in diesem Fall von der Ärztekammer – wie lange Sie bereits in Weiterbildung sind, und wie lange Sie noch vor sich haben“, riet Boldt. Diese Bestätigung sei bundesweit gültig.

Weiterhin betonte Boldt, dass angehende Assistenzärzte immer auf die Weiterbildungsbefugnis ihres Weiterbilders achten müssen. „Das mag trivial klingen, aber viele Ärzte übersehen die rechtlichen Vorgaben.“ Die Weiterbildungszeit unter einem nicht befugten Kollegen (es gibt auch beschränkte Befugnisse, beispielsweise für zwei Jahre) werde von den Ärztekammern unter Umständen abgelehnt und führe somit zu vergeudeter Zeit. Eine aktuelle Liste aller Weiterbildungsbefugten sei auf der Homepage der jeweiligen Ärztekammer immer abrufbar. Ein weiterer beliebter Fehler sei es, die Spezialisierung vor der Basisweiterbildung zu absolvieren – das führe im schlimmsten Falle auch zur Verweigerung der Anerkennung des Geleisteten. Die korrekte Reihenfolge muss immer eingehalten werden.

Fortschritte stets bestätigen lassen

Auch bei einer Weiterbildung im Ausland sei es entscheidend, alle Fortschritte genau zu dokumentieren. Je besser die Dokumentation, desto mehr könne in Deutschland zugeordnet und angerechnet werden. Auch Komponenten aus ausländischen Facharztweiterbildungen, die es in Deutschland nicht gibt, können anerkannt werden. Was fehlt, muss dann nachgeholt werden.

Bei der Krankenhauswahl sollten Assistenzärzte genau erfragen, was das jeweilige Haus ihnen bietet, und wie es in dem Fach, für das sie sich interessieren, aufgestellt ist. „Die HNO ist beispielsweise im Krankenhaus ganz anders als in der Niederlassung“, sagte Boldt.

Die interessante Option der Verbundweiterbildung stellte Boldt ebenfalls vor. Dieses „Komplettpaket“ kombiniert über fünf Jahre die Ausbildung in Klinik und Praxis und ist in NRW flächendeckend verfügbar.

Quelle: Dr. med. Patrick Boldt, MME, Medizinische Grundsatzfragen, Ärztekammer Nordrhein, Düsseldorf: "Impulsvortrag: Der Start als Arzt - Was Ärzte in der Weiterbildung erwartet", Impulsvortrag, Operation Karriere Kongress Köln, 26.11.2016.

Podiumsdiskussion: Welche Weiterbildung passt zu mir? Die ersten Karriereschritte!

Mit Vertretern aus Klinik und Praxis diskutierte Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Redakteurin des Deutschen Ärzteblatts, die Frage nach der passenden Weiterbildung.

Podiumsdiskussion

Von links nach rechts: PD Dr. Kerstin Rhiem, Dr. Walter Dresch, Prof. Dr. Ulrike Nitz, Dr. Dietrich Rohde, Moderation: Dr. Eva Richter-Kuhlmann. | Tobias Vollmer/Fotojetzt.com

Zunächst fragte Frau Richter-Kuhlmann die Beteiligten nach dem eigenen Werdegang. PD Dr. Med. Kerstin Rhiem, Leitende Oberärztin am Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs des Universitätsklinikums Köln, führte aus, dass ihr Interesse für die Forschung schon sehr früh sehr groß gewesen ist. Nur welcher Fachbereich es werden sollte, darüber sei sie sich lange unklar gewesen. Prof. Dr. med. Ulrike Nitz, Chefärztin des Evangelischen Krankenhauses Bethesda in Mönchengladbach, ging nach einer dreijährigen Facharztausbildung ebenfalls für 20 Jahre an die Uniklinik. Erst nach diesem langen Zeitraum der wissenschaftlichen Forschung, kehrte sie an eine vergleichsweise kleine Klinik, das evangelische Krankenhaus Bethesda, zurück. Die ambulante Pflege habe ihr nie gefallen: „Sie war schrecklich". 

Dem kann Dr. med. Dietrich Rohde, pensionierter Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie einer Gemeinschaftspraxis in Mülheim an der Ruhr, nicht zustimmen. Er empfand seinen Beruf als niedergelassener Internist bis zu seiner Pensionierung als „höchstspannend". Rohde betonte die Vorteile einer Gemeinschaftspraxis. Hier könnte man Zeit finden auf Ärztekongresse zu gehen und sich seine Arbeitszeit freier einteilen. Dr. med. Walter Dresch, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin aus Köln, stimmte seinem Kollegen zu. Auch wenn der „Allgemeinmediziner früher immer der Blödmann war", weil man ihm fehlende Fachkenntnisse zuschrieb, entschied Dresch sich letztendlich genau für jene Berufswahl. In der Niederlassung könnte man inzwischen auf sehr hohem Niveau arbeiten. 

Doktorarbeit, ja oder nein?

Auch mit der Frage, zu welchem Zeitpunkt und ob überhaupt eine Forschungstätigkeit interessant wird, beschäftigten sich die Referenten. Rhiem merkte hierzu an, dass man es einfach ausprobieren kann, ob einem eine wissenschaftliche Projektarbeit oder die Auseinandersetzung mit einer wissenschaftlichen Thesis Spaß macht. Ihre Erfahrung sei allerdings, dass die „Rate an wissenschaftlich interessierten Leuten dramatisch abnimmt". Die meisten Studierenden würden Themen nachfragen, die nicht zeitintensiv sind, wie zum Beispiel die Auswertung von Akten. 

Die Frage von Richter-Kuhlmann, ob man einen Doktortitel heutzutage noch braucht, wurde von den Referenten unterschiedlich beantwortet. Rhiem und Nitz vertraten die Meinung, eine Promotion oder zumindest die kritische Auseinandersetzung mit einer wissenschaftlichen Frage, sollte zum Medizinstudium nach vor dazugehören. Dresch wurde hier sogar noch etwas deutlicher: „Mir wäre es peinlich gewesen, wenn ich als niedergelassener Arzt als Herr Doktor angesprochen werde, aber keinen Titel habe." Er selbst habe zwei Doktorarbeiten geschrieben, führe aber nur einen Titel. Eine Studentin, die er kenne, beginne nach zwei gescheiterten Versuchen gerade ihre dritte Dissertation, da wisse man, dass sie es will. Eine andere Position bezog Rohde. Man schreibe als Arzt Gutachten, deshalb sei ein wissenschaftlicher Schreibstil zwar wichtig, aber im internationalen Vergleich würden Titel keine Rolle mehr spielen. Hier zähle, dass man etwas zu sagen hat. 

Auf die jährlichen Mitarbeitergespräche sollte man bestehen

Sehr intensiv wurde auch die Frage diskutiert, wie man die eigene Weiterbildung am günstigsten strukturieren und planen kann. Rhiem riet, vor dem Beginn der Weiterbildung ein Gespräch mit dem Chefarzt zu führen und hier alle für einen selbst relevanten Fragen zu stellen. Eine Uniklinik sei für Kandidaten und Kandidatinnen interessant, die den Arbeitsort nicht wechseln möchten, denn hier würden viele Fachbereiche abgedeckt werden. Sie riet außerdem das jährliche Mitarbeitergespräch, das im Logbuch vorgeschrieben ist, in Anspruch zu nehmen. Hier werden die Ziele für das nächste Jahr verbindlich und schriftlich festgelegt. Darauf könne man sich im Zweifelsfall berufen. Auf die Nachfrage von Richter-Kuhlmann, wie man als junger Assistenzarzt agieren solle, wenn diese Mitarbeitergespräche aufgrund des Zeitaufwands nicht durchgeführt werden, rief Rhiem die Studierenden dazu auf, die Forderung durchzusetzen. Bei der Einführung des Logbuchs hätten die Chefärzte auch Vorbehalte gehabt, heute sei es gang und gäbe. 

Nitz empfindet rückblickend ihre eigene Weiterbildung an zwei verschiedenen Häusern als vorteilhaft. Sie riet dazu, in einem großen Haus anzufangen, um das Handwerkszeug an der Basis zu lernen, und sich dann zu subspezialisieren. Rohde hob die Möglichkeit hervor, zwischen Krankenhaus und ambulantem Bereich zu pendeln. Dies sei bei der sogenannten Verbundweiterbildung möglich. Hier bliebe der Assistenzarzt weiterhin angestellter der Klinik, könnte diese dann am Nachmittag dann aber verlassen, um in einer Praxis seinen Arbeitstag fortzusetzen. So lerne man ambulant dasjenige kennen, was in der Klinik nicht mehr gemacht wird, wie zum Beispiel die Allergiediagnostik.

Dresch: "Lassen Sie es ruhig angehen!" 

In diesem Zusammenhang sprach Dresch die vornehmlich studentische Zuhörerschaft noch einmal direkt an: „Man kann sich bei einem Hausarzt für zwei Jahre zu 40 Stunden anstellen lassen, für drei Jahre zu 30 Stunden oder für vier Jahre zu 20 Stunden. Es gibt immer den Druck: Ich muss möglichst schnell fertig werden, aber Sie sind alle noch so jung, sie können alle noch so viel arbeiten. Lassen Sie es ruhig angehen!"

Quelle: Podiumsdiskussion - Welche Weiterbildung passt zu mir? Die ersten Karriereschritte! Moderation Dr. med. Eva Richter Kuhlmann. Teilnehmer: PD Dr. med. Kerstin Rhiem, Prof. Dr. med. Ulrike Nitz, Dr. med. Walter Dresch, Dr. med. Dietrich Rohde. Operation Karriere-Kongress Köln, 26. November 2016.

Adrenalin im Blut – Einsatz in der Notfallmedizin

Dr. med. Ulrike Schlein, die bei den Operation Karriere-Kongressen auch regelmäßig Workshops leitet, gab in Köln äußerst spannende Einblicke in den aufregenden Alltag eines Notfallmediziners.

Dr. med. Ulrike Schlein

Dr. med. Ulrike Schlein berichtete über ihre Erfahrungen in der Notfallmedizinern. | Tobias Vollmer/Fotojetzt.com

„Der Kontakt mit den Patienten im Rettungswesen ist ganz anders als im klinischen Bereich“, eröffnete Schlein ihr Kurzreferat. Man müsse sich immer wieder auf andere Situationen einstellen, da man bis auf die groben Fakten, die die Leitstelle übermittelt, nicht weiß, was einen erwartet. „Ich mache diesen Job nun fast seit 30 Jahren, seinen Reiz hat er auf keinen Fall verloren“, sagte Schlein.

Die tägliche Herausforderung eines Notfallmediziners sei es, mit den einfachen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, das Bestmögliche für die Patienten herauszuholen. Die Arbeit findet immer in wechselnden Teams statt. „Nur im Team ist man handlungsfähig – das beschränkt sich nicht nur auf die Mediziner-Kollegen. Müssen Patienten beispielsweise nach einem Verkehrsunfall aus dem Fahrzeug befreit werden, muss die Feuerwehr zuerst ran“, sagte Schlein. Für das Outcome des Patienten sei das schnelle Eintreffen am Ort des Unfalls/Vorfalls und dortige Handlungsschnelligkeit entscheidend. 

Soft Skills sind gefragt

Da man zu den Patienten kommt und nicht anders herum, sind auch weitere Fähigkeiten gefragt. Eine gute interkulturelle Einschätzung einer Situation ist genauso wichtig wie die angemessene Einbindung von Kindern, beispielsweise, wenn diese als einzige Zeugen des Unfalls mit den Beobachtungen, die sie gemacht haben, weiterhelfen können. Auch eine gewisse psychiatrische Erfahrung ist notwendig, wenn es um die Betreuung suizidaler Patienten geht.

Die Übergabe von der präklinischen in die klinische Situation liefe niemals nach Standards ab. Das hinge zum Teil beispielsweise von der Stimmung der aufnehmenden Ärzte ab. Hier muss man Kommunikationskompetenz beweisen, zu seiner Einordnung des jeweiligen Falles stehen und die bereits durchgeführten Maßnahmen exakt erläutern.

Rettungswagen

Wer später als Notarzt Einsätze fahren möchte, benötigt den so genannten Notarztschein. Voraussetzung hierfür ist eine entsprechende Ärztliche Zusatz-Weiterbildung in der Notfallmedizin.

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Bevor man als Intensivmediziner arbeiten darf, muss man mindestens 24 Monate in der Patientenversorgung gearbeitet haben und einen Notarztkurs von 80 Stunden absolviert haben, darunter 50 Stunden Einsatz unter Anleitung.

„Das Schönste an diesem Beruf ist“, schloss Schlein ihren Vortrag, „wenn man die Patienten nach einiger Zeit im Krankenhaus wiedersieht und es ihnen besser geht.“

Quelle: Dr. med. Ulrike Schlein: Adrenalin im Blut - Einsatz in der Notfallmedizin. Operation Karriere-Kongress Köln, 26. November 2016.

Innere Medizin: Die "Mutter der konservativen Fachgebiete"

Über die Weiterbildung in der Inneren Medizin sprach Dr. med. Dietrich Rohde beim Operation Karriere-Kongress 2016 in Köln.

Dr. med. Dietrich Rohde

Was ist das Besondere an der Inneren Medizin? Dr. med. Dietrich Rohde gab Antworten. | Reinhart

Viele junge Menschen streben danach einen Beruf zu erlernen, der lebenslang zufriedenstellend ist, so der Internist Dr. Rohde, dies sei „ein ambitionierter Plan". In der Medizin gäbe es vielfältige Möglichkeiten der Spezialisierung nach der universitären Grundausbildung. „Die Medizin ist derartig differenziert, dass es schwierig ist, sich zurecht zu finden“, sagte Dr. med. Dietrich Rohde, pensionierter Internist und Pneumologe. Die Innere Medizin sieht Rohde als „Mutter“ der konservativen Gebiete.

Das liege daran, dass man die Basisweiterbildung Innere Medizin für viele weitere internistische Fächer benötigt: In der Allgemeinmedizin, der Kardiologie, der Pneumologie und der Gastroenterologie sind 3 Jahre Innere Medizin Voraussetzung. Rohde: „Die Innere Medizin ist die Grundlage dieser Fachrichtungen.“

Die jeweilige Landesärztekammer ist zuständig für die Weiterbildung und hat die Rechtskompetenz inne. Das Logbuch schreibt die Kenntnisse und Fähigkeiten vor, die der Assistenzarzt während seiner Weiterbildung erlernen und vertiefen muss. Mindestens einmal im Jahr soll es ein Feedback-Gespräch zum Fortschritt geben. „Nehmen Sie Ihre Weiterbilder in die Pflicht Ihnen behilflich zu sein!“, sagte Rohde.

Als sehr sinnvoll erachtet Rohde die sektorübergreifende Weiterbildung. Untersuchungen, die in der Praxis regelmäßig durchgeführt werden, aber in der Klinik gar nicht oder nicht mit ausreichendem Tiefgang gelehrt werden, delegiert die Uniklinik an Partnerpraxen. Beim "Modell Wuppertal", das Rohde als Beispiel und Pilotprojekt anführte, verbringen die Assistenzärzte ein halbes Jahr lang von Montag bis Donnerstag jeweils vier Stunden in der Praxis. Dadurch haben sie mehr Kontakt zu „echten Patienten“ und Inhalte wie beispielsweise die Allergiediagnostik werden in die Ausbildung eingebaut. „Die starre Grenze zwischen stationärer und ambulanter Versorgung soll gelockert werden – das ist auch gut für die Weiterbildung“, sagte Rohde.

Quelle: Dr. med. Dietrich Rohde: "Nachwuchs mit Spürsinn - Internistische Weiterbildung", Operation Karriere Kongress Köln, 26.11.2016.

Zwickmühle zwischen Lebensplanung und Karriere in der Klinik

Junge Mediziner wollen Karriere in der Klinik machen und eine Familie gründen. Ist das gleichzeitig möglich? Diese Frage diskutierte Dr. Gunther Quinkler, Chefarzt Innere Medizin, St. Agatha Krankenhaus, Köln, beim Operation Karriere-Kongress in der Domstadt.

Dr. Gunther Quinkler

Dr. Gunther Quinkler zur Vereinbarung von Beruf und Familie. | Reinhart

Die Klinik sei zunehmend weiblich dominiert, daher sollten die Kolleginnen selbstbewusst auftreten und sich nicht unter Wert verkaufen, forderte Dr. Quinkler in seinem Kurzvortrag „Zwickmühle zwischen Lebensplanung und Karriere in der Klinik". Wegen des Wandels zwischen den Generationen gebe es mittlerweile keine strikt getrennten Lebensphasen mehr. Der Wunsch gehe, im Gegensatz zu früher, dahin, alles miteinander zu vereinbaren, und die Zeit auf jede erdenkliche Weise sinnvoll zu nutzen.

Die Ziele, die die meisten jungen Menschen dabei angeben, seien eine gute Work-Life-Balance, Sicherheit und Beständigkeit des Jobs, eine intellektuelle Herausforderung, Führungskraft werden und unternehmerisch oder kreativ tätig zu sein. „Was die Kreativität angeht, sind Sie in unserem Beruf jedenfalls auf der sicheren Seite", sagte Quinkler. Bei der Frage nach der Work-Life-Balance gehe man immer davon aus, dass Arbeitszeit abseits des Lebens stattfinde. Ist leben nur nach der Arbeit möglich? „Sie müssen ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Lebensbereichen herstellen", sagte der Kölner Chefarzt. Die positiven wechselseitigen Beeinflussungen von Arbeits- und Lebenszeit würden häufig nicht wahrgenommen. Eine innere Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit müsse das Ziel sein.

Eine gute Organisation helfe dabei, effektiv zu arbeiten. Flexibilität und die Priorisierung von Abläufen strukturieren den Tag. „Wenn ich morgens in die Klinik komme, kann ich Ihnen nicht genau sagen, was ich wann machen werde", sagte Quinkler. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Ereignisse müsse man Prioritäten setzen und seine Aufgaben der Wichtigkeit nach erfüllen.

Auch im Privatleben, gerade wenn es durch langes Arbeiten verkürzt ist, sei ein gutes Zeitmanagement wichtig „Reduzieren Sie den Social Media-Aufwand und Ihre Fernsehgewohnheiten. Auch Fahrzeiten zur Arbeit sind ein echter Zeitdieb". Eher müssen wichtige zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt werden. Anforderungen an die Partnerschaft sollten offen kommuniziert werden. „Helfen Sie sich immer gegenseitig, beruflich und privat, und rechnen Sie diese Hilfe nicht gegeneinander auf", riet Quinkler.

Quelle: Dr. med. Gunther Quinkler: "Assistenzarzt/Assistenzärztin: Zwickmühle zwischen Lebensplanung und Karriere in der Klinik", Operation Karriere Kongress Köln, 26.11.2016.

Karriereweg Gynäkologie: Individuell wie ein Frauenleben

Auf der Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen erläuterte Dr. med. Carolin Nestle-Krämling, Chefärztin für Senologie, Sana Kliniken Düsseldorf GmbH, beim Operation Karriere-Kongress 2016 in Köln, wie eine Karriere in der Gynäkologie aussehen kann.

Dr. med. Carolin Nestle-Krämling

Dr. med. Carolin Nestle-Krämling stellte in Köln die Gynäkologie vor. | Reinhart

Hat man sich für die Gynäkologie entschieden, stellt man sich zu Beginn die gleiche Frage wie bei allen anderen Spezialisierungen auch: Welche Klinik ist die richtige für mich? Nestle-Krämling listete einige Fragen auf, die Bewerber sich vor der Entscheidung stellen und beantworten sollten.

  • Soll ich nicht doch meine begonnene Dokotorarbeit vor Antritt der ersten Stelle abschließen?
  • Besteht bei mir die Bereitschaft, dauerhaft Nachtdienste zu leisten (auch noch mit 45 Jahren)?
  • Wie sieht meine Familienplanung aus, und lässt sich das in dieser Klinik so verwirklichen?
  • Was will ich eigentlich beruflich erreichen?/Wo will ich in 15 Jahren beruflich stehen?
  • Warum bewerbe ich mich ausgerechnet an dieser Klinik?
  • Welchen weiteren beruflichen Werdegang könnte ich mir später vorstellen?
  • Gibt es an der Klinik bzw. in der Umgebung die entsprechenden Möglichkeiten?

Bei einer Karriere in der „Gyn“ kann man viele verschiedene Wege einschlagen: Klinikarzt/-ärztin, Niederlassung, Forschung, Pharma-Industrie, Verwaltung, Politik. Dabei gilt, dass die Anzahl der Frauen abnimmt, je höher es in der Hierarchie geht. „Das hat sich schon geändert, es muss aber immer noch etwas passieren“, sagte Nestle-Krämling. Immerhin gebe es mittlerweile in Deutschland sechs weiblichen Ordinarien in der Gynäkologie.

Das Fachgebiet von Nestle-Krämling ist die Senologie, also die Lehre von der weiblichen Brust. Bei der Mastektomie, also der Entfernung der Brust, kommen seit einigen Jahren neue Techniken und Materialien zum Einsatz, immer mit dem Ziel, das kosmetische Ergebnis zu verbessern. Implantate, chirurgische Verfahren bei der Brusterhaltung sowie unterstützendes Fremdgewebe tragen zum Behandlungserfolg bei. „Die Senologie ist für operativ Interessierte geeignet, für alle anderen aber auch“, sagte Nestle-Krämling über die Aufgabenbereiche innerhalb ihres Fachs.

Quelle: Dr. med. Carolin Nestle-Krämling: "Karriereweg Gynäkologie: Individuell wie ein Frauenleben", Operation Karriere Kongress Köln, 26.11.2016.

Mit guten Nerven: Erfolgreich in der Neurologie

Warum die Neurologie ein spannendes und zukunftsträchtiges Fach ist, vermittelte PD. Dr. med. Lothar Burghaus, Chefarzt der Klinik für Neurologie, Heilig Geist-Krankenhaus Köln, den Teilnehmern des Operation Karriere-Kongresses 2016 in Köln.

PD Dr. med. Lothar Burghaus

Ein Neurologe ist Berater und Begleiter zugleich, sagt Dr. Burghaus. | Reinhart

Das Gehirn sei noch weitestgehend unerforscht, daher werde sich in nächster Zeit in der Neurologie noch sehr viel tun. Außerdem sei die Neurologie das Notfallfach schlechthin, da neben Herzinfarkten eben auch Schlaganfälle eine sehr hohe Inzidenz in der Bevölkerung haben. „Neurologen sind also in erster Linie Notfallmediziner“, sagte Burghaus.

Ein großer Unterschied zu anderen Fächern sei, dass man seine Patienten ein Leben lang behandelt und auch als Berater und Begleiter fungiert. „Eine Multiple Sklerose oder Epilepsie sind eben andere Krankheitsbilder als ein Beinbruch“. Die drei Säulen der modernen Neurologie seien der Notfall, die Begleitung sowie die Altersmedizin, darunter fallen beispielsweise auch neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer und Co.

Zentrales Nervensystem

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheiden muss, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Neurologie.

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„Sie müssen an Menschen arbeiten wollen, dürfen keine Scheu haben“, sagte Burghaus. Die Neurologie sei eine Arbeit mit dem Kopf, den Händen und den Sinnen. Die Diagnosestellung erfolge zu 80 bis 90 Prozent ohne Zusatzuntersuchung, daher seien Neurologen auch „die billigsten Ärzte.“ Burghaus fasziniert, wie man mit einiger Erfahrung nur durch Gespräche mit den Patienten bzw. der Beobachtung und einfacher Untersuchungen die Diagnose stellen kann. Und: „Auch als Chefarzt bin ich noch 60 bis 70 Prozent des Tages mit Patienten beschäftigt!"

Quelle: PD Dr. med. Lothar Burghaus: "Mit guten Nerven - Erfolgreich in der Neurologie". Operation Karriere Kongress Köln, 26. November 2016.