Das war Operation Karriere 2016 in Bochum

Medizinstudierende: Rückendeckung durch die Ärzteschaft

Gegen den Einsatz des „Masterplans Medizinstudium 2020“ als Steuerungsinstrument in der Gesundheitsversorgung sprach sich Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, vor etwa 300 Teilnehmern auf dem Kongress „Operation Karriere“ des Deutschen Ärzteverlages aus. „Zwang und zusätzliche verpflichtende Maßnahmen werden von uns nicht akzeptiert“, sagte er.

Auf dem Kongress, der am 3. Dezember erstmals auch in Bochum stattfand, informierten sich Medizinstudierende sowie junge Ärztinnen und Ärzte während zahlreicher Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen über ihre Karrieremöglichkeiten. Für 2017 sind weitere Kongresse „Operation Karriere“ geplant. Alle Termine finden sich hier.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann (Redakteurin Deutsches Ärzteblatt)

Sie finden an dieser Stelle die Nachberichterstattung in Wort und Bild rund um den Operation Karriere Kongress in Bochum, der am 03. Dezember 2016 im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität Bochum stattfand.


2016 zum ersten Mal in Bochum: der Operation Karriere Kongress

Premiere in Bochum: Hier fand am 3.12. zum ersten Mal ein Operation Karriere Kongress im Veranstaltungszentrum der RUB statt. Das vielseitige Programm mit Workshops, Vorträgen, Diskussionsrunden und die Karrieremesse zog viele interessierte Kongressbesucher an.

Einlass

Alex Muchnik

Gute Stimmung in Bochum: Die TeilnehmerInnen waren am Samstag früh da und freuten sich auf einen spannenden Kongresstag.

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Der Start als Arzt – Was Ärzte in der Weiterbildung erwartet

Den Impulsvortrag über den Start junger Mediziner an der Klinik hielt Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, auf dem ersten Bochumer Operation Karriere-Kongress Anfang Dezember in der Ruhr-Universität Bochum.

Dr. med. Theodor Windhorst

Dr. med. Theodor Windhorst begrüßte die Teilnehmer in Bochum herzlich und hielt den einführenden Impulsvortrag. | Alex Muchnik

Windhorst begrüßte die Kongressteilnehmer mit der Botschaft "Die Ärztekammer Westfalen-Lippe hat immer ein offenes Ohr für Sie". Wenn den jungen Ärzten etwas auf dem Herzen liegt, können sie sich melden und sogar Herrn Dr. Windhorst persönlich anrufen.

So wie früher sei es heute nicht mehr. Als Beispiel rief Windhorst eine Reportage aus dem Spiegel aus den 80er Jahren in Erinnerung. Das Zitat eines jungen Arztes lautete "Ich darf alles, aber ich kann fast nichts". Dazu Windhorst: "Sie sind als Arzt in der Weiterbildung nicht allein. Ihnen ist ein Facharzt übergeordnet, mit dem Sie alle wichtigen Entscheidungen besprechen sollten.“

„Der Alltag in der Klinik sieht anders aus als das Studium und hält ganz andere Herausforderungen bereit, als diejenigen, auf die man in der Uni darauf vorbereitet wird", sagte Windhorst. Damit der Start dennoch kein Sprung ins kalte Wasser wird, steht die Ärztekammer den frisch approbierten Ärzten zur Seite.

Windhorst empfahl für den Kammerbereich Westfalen-Lippe ausdrücklich die Koordinierungsstelle Aus- und Weiterbildung (KoStA), eine zentrale Anlaufstelle für Ärzte und Medizinstudierende, die an einer Weiterbildung zum Facharzt interessiert sind sowie für Weiterbildungsbefugte und Weiterbildungsstätten. Dort gibt es unter anderem Informationen über den Facharzt Allgemeinmedizin, die Weiterbildungsbefugnis in der Facharztkompetenz Allgemeinmedizin, den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin, Förderprogramme sowie eine Übersicht über die Weiterbildungsverbünde.

Evaluation bewertet die Qualität der Weiterbildung

Regelmäßige Evaluationen der Ärztekammer Westfalen-Lippe unter Assistenzärzten sollen zeigen, wie gut die Qualität der Weiterbildung wahrgenommen wird. "Transparenz ist das A und O, daher legen wir großen Wert darauf", sagte Windhorst. Er hielt die Teilnehmer dazu an, später an den Umfragen teilzunehmen: "Machen Sie mit – nur wenn wir Ihre Meinung kennen, können wir etwas verbessern", sagte Windhorst. Gibt es Auffälligkeiten bei bestimmten Kliniken, nimmt sich die Ärztekammer des Problems an. Begehungen und Gespräche mit den betroffenen Kollegen können dann zur Besserung der Situation beitragen. In besonderen Fällen kann die Kammer Weiterbildungsbefugnisse verkürzen oder zurückziehen, falls es größere Probleme geben sollte.

Auch auf das Logbuch zur Weiterbildung wies Windhorst hin. In diesem Dokument werden alle absolvierten Untersuchungen festgehalten, die der Assistenzarzt im Laufe seiner Ausbildung ableisten muss. "Lassen Sie sich immer alles gut eintragen, sonst kann es passieren, dass Sie nicht zur Abschlussprüfung zugelassen werden", mahnte Windhorst. Mittlerweile gebe es zudem die Pflicht für den Weiterbildungsbefugten, mindestens ein Mal im Jahr ein Gespräch mit den Ärzten in Weiterbildung zu führen, um den aktuellen Stand der Ausbildung zu besprechen.

Quelle: Dr. med. Theodor Windhorst: "Der Start als Arzt – Was Ärzte in der Weiterbildung erwartet", Operation Karriere Kongress Bochum, 3. Dezember 2016.

Pädiatrische Notfälle

Maximilian Jäger, Assistenzarzt in der Abteilung für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin an der Kinder- und Jugendklinik des Marienhospitals Witten, gab auf dem Operation Karriere-Kongress in Bochum einen Einblick in seine Arbeit mit pädiatrischen Notfällen.

Maximilian Jäger

Maximilian Jäger: „Kinder sind eben doch wesentlich mehr als 'kleine Erwachsene'". | Reinhart

Jäger erklärte zu Beginn des Vortrages seine persönliche Motivation, die ihn dazu brachte, dieses spezielle Fachgebiet zu wählen: Der Assistenzarzt ist selbst Vater zweier Töchter und fühlte sich hilflos, als diese einmal krank waren und die Diagnose und Therapie sich als schwierig herausstellten. Jäger: "Da haben meine Frau und ich beschlossen: Einer von uns muss Kinderarzt werden, damit wir nie wieder in eine solche Situation kommen."

Eine der größten Herausforderungen in der Pädiatrie sei die Diagnosestellung ohne die Möglichkeit, die Patienten nach Symptomen und Befindlichkeit fragen zu können. "Kinder sind eben doch wesentlich mehr als 'kleine Erwachsene'", sagte Jäger. Erfahrungen aus der "Erwachsenenmedizin" können keinesfalls einfach auf die Pädiatrie übertragen werden.

Die Kommunikation der verschiedenen Behandelnden sei daher enorm wichtig, vor allem auch bei der Übergabe der Patienten zwischen Notfallruf und Notfallteam sowie zwischen präklinischer Versorgung und Klinik. Die erste Diagnose und die bereits vorgenommenen initialen Therapien müssen zwischen übergebendem und übernehmendem Arzt genau abgestimmt werden. „Oft hört man als erste Info beispielsweise 'hier ist ein dreijähriges Mädchen mit Fieberkrampf und respiratorischer Erschöpfung. Es wird vielleicht noch durch den Notarzt intubiert, wir treffen in circa fünf Minuten ein'. Hier sind noch viele Eventualitäten im Spiel", sagte Jäger.

Notfälle mit Kindern immer eine besondere Situation

Fünf Prozent der präklinischen Notfalleinsätze sind pädiatrische Notfälle, die häufigsten Indikationen respiratorische Störungen, Krampfanfälle und Traumata. Unter Notfallmedizinern sind Einsätze mit Kindern die „gefürchtetsten". Sie verweisen Polytraumata, geburtshilfliche Notfälle, Massenanfälle und weitere auf die Plätze. Die richtige Einschätzung von Alter und Gewicht sind wichtige Faktoren, ebenso sind Wärmeverluste ein Problem, da Kinder mit Kälte wesentlich schlechter umgehen können als Erwachsene. Letztere haben eine Neutraltemperatur von 28 Grad Celsius, können aber noch bei einer Körpertemperatur von einem Grad überleben (Kritsche Temperatur). Bei Kindern sieht es anders aus: Termingeborene haben eine Neutraltemperatur von 32 Grad Celsius, die kritische Temperatur liegt bereits bei 23 Grad Celsius. Bei Frühgeborenen liegt die Neutraltemperatur bei 34 Grad Celsius, die kritische Temperatur bei 28 Grad Celsius.

Jäger empfahl, Erfahrungen zu sammeln und Hilfsmittel zu entdecken, die bei Notfällen mit Kindern hilfreich sein können. Es gibt beispielsweise Apps zur Ermittlung der Medikamentendosis für Kinder. Hier kann der Arzt Alter, Gewicht und Größe des Patienten eingeben und die App errechnet die korrekte Dosis für verschiedene Arzneimittel. Als einen weiteren Tipp empfahl Jäger die intranasale Applikation von Medikamenten. Außerdem müsse man sich weitere Hilfsmittel zulegen, um altersgerechte, alternative Behandlungsmethoden beim Einsatz immer griffbereit zu haben.

Quelle: Maximilian Jäger, Assistenzarzt der Abteilung für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin an der Kinder- und Jugendklinik des Marienhospitals Witten: Pädiatrische Notfälle, Operation Karriere Kongress Bochum, 3. Dezember 2016.

KVWL unterstützt Praxiseinsteiger mit kostenlosem Seminarangebot

Für junge Ärzte, die sich für eine Tätigkeit im ambulanten Sektor oder gar eine Niederlassung interessieren, gibt es zu Beginn viele Fragen zu klären: Welche Niederlassungsformen gibt es? Wie funktioniert die Abrechnung? Wie verordne ich richtig? Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe unterstützt mit kostenlosen Seminaren.

Kostenlose Seminare zum Praxisstart

Praxiseinsteiger stehen nicht allein da – die KVWL bietet Unterstützung und kostenlose Seminare an. | KVWL

Von „A“ wie „Anstellung“ bis „Z“ wie „Zulassung“
Auf dem Weg in die (eigene) Praxis stellen sich dem Arzt viele Fragen: Was sind die ersten Schritte? Wo bekomme ich Unterstützung? Familie und Praxis – funktioniert das überhaupt? Teilzeit, Anstellung, Job-Sharing - könnte das was für mich sein?

Wir erklären wichtige Schlüsselbegriffe wie „Ausschreibungsverfahren“, „Bedarfsplanung“ oder „Zulassungsausschuss“ und zeigen, dass die Zeit der Einzelkämpfer in der ambulanten Medizin zu Ende geht.

BWL in der Arztpraxis
Damit die Niederlassung in eigener Praxis ein Erfolg wird, möchten wir Ihnen einen ersten allgemeinen Überblick über die wesentlichen wirtschaftlichen Faktoren zur Praxisgründung und -findung verschaffen. Gemeinsam werden wir eine Planrechnung zur Praxisgründung erstellen und dabei auf die wesentlichen betriebswirtschaftlichen Themen eingehen.

Abrechnung und Honorarverteilung
Der EBM — ein Buch mit sieben Siegeln? Wir zeigen Ihnen, dass dies nicht so sein muss. In diesem Workshop wird gemeinsam der EBM entschlüsselt. Wir zeigen Ihnen auf, wie wichtig die Abrechnung für Sie ist, und welchen Weg Ihre Abrechnung durchläuft. Wir erläutern die Honorarverteilung und gehen gemeinsam auf die Reise vom EBM zum Honorar.

Praxismanagement

Der Arzt ist als Mediziner hervorragend ausgebildet, aber mit der Niederlassung kommen auch viele organisatorische und wirtschaftliche Fragestellungen auf die Ärzte zu: Wie kann ich Abläufe effizienter gestalten, sodass ich Zeit gewinne? Wie fit ist mein Praxisteam? Sind meine Mitarbeiter zufrieden und motiviert? Wie kann ich mein Qualitätsmanagement effizient umsetzen? Welche Wünsche und Erwartungen haben meine Patienten? Wie kann ich meine Praxis noch attraktiver gestalten? Ziel des Workshops ist es, die Teilnehmer für das Thema Praxismanagement zu sensibilisieren.

Eine detaillierte Übersicht über alle Veranstaltungen und viele weitere Informationen finden Sie unter www.praxisstart.info oder direkt zum Ausdrucken und anmelden hier.