Wie unterschiedlich Musik auf Herz und Kreislauf wirkt

Mozarts Musik und ihre Wirkung

Viele Studien haben sich in den letzten Jahren mit Mozarts Kompositionen beschäftigt (14–16). Es wurde beschrieben, dass Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft Musik von Mozart hörten, nach der Geburt ruhiger und weniger aggressiv waren (17, 18). Auch als Entspannungsmusik wird Mozart empfohlen (19−21). Hughes und Mitarbeiter haben Kompositionscharakteristika per Computer analysiert und herausgefunden, dass Musik von Mozart ein überdurchschnittliches Maß an Periodizität aufweist (22). Analysen der Musikszenarien dieser Studie weisen ebenfalls auf eine auffallende Periodik, Wiederholungen und Wiedererkennungseffekte hin. Die g-Moll-Symphonie wirkt nach diesen Erkenntnissen durch die spezielle Zusammensetzung an Kompositionsbausteinen besonderes günstig auf das Herz-Kreislauf-System.

Die Musik von Strauss führte in der vorliegenden Studie zu deutlichen Senkungen von Blutdruck, Herzfrequenz und im Vergleich zum stärksten Abfall des Cortisolspiegels. Auch bei Strauss lässt sich dieser Effekt mit der Kompositionsform erklären: Strauss’ Tänze basieren ebenfalls auf einfachen Strukturen, eingängigen Melodien und periodisch wiederkehrenden Formen. Die Tänze sind zu Unterhaltungszwecken geschrieben worden, mit eingängigen Harmonieabfolgen und ohne markante Dissonanzen (23). Strauss fügt seinen Werken graziöse Eleganz in Bezug auf Rhythmus und Instrumentierung hinzu (24, 25). Er spricht durch seine Kompositionen auch Emotionen an, die bei der Verarbeitung von Musik eine entscheidende Rolle spielen (26, 27). Insofern ist es gut nachzuvollziehen, dass das tänzerische Element von Strauss’ Musik kardiozirkulatorische Parameter beeinflussen kann.

Musik wirkt auf den Menschen und beeinflusst ihn auf unterschiedlichste Art und Weise. Obgleich es verschiedene Studien gibt, die einen Effekt von Musik auf kardiovaskuläre Parameter zeigen, ist keine musikalische Einflussgröße mit direkter Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System bekannt. Interessante Forschungsziele wären Untersuchungen zu der Frage, welche Musikrichtung oder gar welches konkrete Musikstück optimale Charakteristika für einen entspannenden Effekt, auch hinsichtlich dauerhafter Wirkungen, aufweist. Auch Studien zur Beeinflussung und Veränderungen des Cortisolspiegels sind bedeutsam.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Medizin Studieren, Heft WS 2016/17, S. 32-35. Studie: Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Ruhr-Universität Bochum, hans-joachim.trappe@marienhospital-herne.de

Langfassung im Internet: www.aerzteblatt.de/16m0347

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