Vom Arztdasein in Amerika – 20 % mehr Geld bei positivem SARS-CoV2-Test

Dr. Peter Niemann schreibt über seine Ausbildung zum Internisten sowie der Zeit danach, aber auch über die Skurrilität eines Arztlebens in den USA. Dieses Mal berichtet er, warum in den USA so viele Krankenhauspatienten auf COVID-19 getestet werden.

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In vielen amerikanischen Krankenhäusern und Pflegeheimen werden Menschen auf SARS-CoV2 getestet. Das ist zumindest der gegenwärtige Stand im späten Frühjahr des Jahres 2020. Dabei zeigen viele von ihnen nicht jene Symptome, die an eine Covid-19-Infektion denken lassen, werden aber trotzdem auf diesen Erreger hin getestet. Zwei Beispiele aus meinem direkten Umfeld sollen das verdeutlichen: Beim ersten kam ein älterer Mann mit Harnstau und dadurch bedingtem Nierenversagen zur stationären Behandlung und wurde auf SARS-CoV2 getestet, positiv. Im anderen Beispiel wurde eine Frau mit metastasiertem Gebärmutterkrebs und einer Hirnblutung wegen neurologischer Symptome aufgenommen und testete ebenfalls positiv auf SARS-CoV2.

Es mag für manchen Außenstehenden nicht ganz nachvollziehbar sein, wieso so breitflächig und in einem gewissen Sinne sogar unspezifisch getestet wird. Die aus meiner Sicht drei Hauptgründe will ich deshalb aufzeigen: Erstens, es geht darum möglichst genau die Zahl der Covid-19-Infizierten bzw. -Träger zu identifizieren. Das ermöglicht eine genaue Statistik und damit auch Gegenmaßnahmen. Aktuell ist das amerikanische Gesundheitssystem in nicht vom neuen Coronavirus überfordert und es ist Konsens, dass das so bleiben soll.

Zweitens, es ist viel Geld zur Diagnose und Therapie dieses Virus in die Hand genommen worden. In einem ersten Schritt waren es 30 Milliarden US-Dollar, mittlerweile wurden mehr als 175 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt, wobei diese Summe durchaus noch steigen kann und wird. Es sind ausreichende Testkapazitäten vorhanden, genügend Geld und die Logistik ist mittlerweile gut ausgebaut, weshalb es auch Sinn ergibt auf breiter Front auf SARS-CoV2 zu testen.

Drittens, und das ist meines Erachtens nach ein sehr wichtiger Grund, es wird 20% zusätzlich an ein Krankenhaus (oder Pflege- und Altersheim) ausgezahlt, wenn ein Patient mit SARS-CoV2 diagnostiziert wird, unabhängig davon ob er Atemwegsbeschwerden hat oder nicht. Wenn also Herr Schmidt einen Herzinfarkt erleidet, werden statt 50,000 eben 60,000 US-Dollar an ein Krankenhaus bezahlt und bei einem Schlaganfall sind es im Durchschnitt 7000 US-Dollar mehr, zumindest wenn man Durchschnittszahlen der amerikanischen Herzgesellschaft nimmt. Man sieht also, dass eine Testung, die übrigens auch bei negativem Testergebnis bezahlt wird, sich in den allermeisten Fällen lohnt.

Vielleicht erklären diese Gründe, warum die USA mittlerweile mehr als zwei Millionen Fälle an SARS-CoV2-positive Menschen haben – es wird einfach viel getestet.

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