Versorgungsforschung: Wie effektiv ist das Hautkrebsscreening?

Seit 2008 können alle gesetzlich Krankenversicherten ab 35 alle zwei Jahre ein Hautkrebsscreening in Anspruch nehmen. Aber wie nützlich ist diese Maßnahme wirklich? Das soll jetzt eine Forschungsgruppe der Uni Lübeck untersuchen.

Be Patienten über 35 Jahren übernimmt die Kasse die Kosten für das Hautkrebsscreening. | Miriam Doerr - stock.adobe.com

Seit der Einführung des regelmäßigen Hautkrebsscreenings haben viele Millionen Menschen in Deutschland ihre Haut untersuchen lassen. So sollen Hauttumoren früher erkannt und therapiert werden – für die Patienten soll dadurch die Sterblichkeit gesenkt und die Lebensqualität verbessert werden. Allerdings: Durch das Screening kommt es auch immer wieder zu verdächtigen Befunde, die sich bei der diagnostischen Abklärung als harmlos herausstellen. Bis sie Gewissheit haben, ist das für die Betroffenen natürlich eine große psychische Belastung. Ein anderes Problem sind Überdiagnosen: Dabei handelt es sich beispielsweise um langsam wachsende, bösartige Veränderungen bei sehr alten Patienten, die ohne systematisches Screening nie diagnostiziert worden wären.

Die Wissenschaftler aus Lübeck und Hamburg sollen nun die Vor- und Nachteile des Screenings gegenüberstellen und prüfen, ob der Nutzen den Schaden überwiegt. Außerdem wollen die Wissenschaftler Methoden der Gesundheitsökonomie einsetzen, mit den sich die Kosten des Screenings besser erfassen lassen.

Jährlich 150 Millionen Euro für Hautkrebsscreening

„Das Hautkrebsscreening kostet jedes Jahr mindesten 150 Millionen Euro. Da sollten wir schon wissen, ob es wirkt und wo es verbessert werden kann“, betont Prof. Dr. Alexander Katalinic vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität Lübeck. „Es existieren viele Datenquellen zum Hautkrebs und neue Auswertungsmethoden, die zur Beurteilung des Screenings herangezogen werden können. Diese können wir nun mit der Förderung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss endlich gezielt nutzen.“  Insgesamt wird das Projekt mit dem Namen "Pertimo" mit mehr als einer halben Million Euro über zwei Jahre gefördert. "Pertimo" steht dabei für „Perspektiven einer multimodalen Evaluation der Hautkrebsfrüherkennung“.

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Derzeit sei nicht eindeutig geklärt, was beim Hautkrebsscreening tatsächlich passiere, erklärt Prof. Dr. Matthias Augustin vom Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf: „Zwar wird im Prinzip jede Früherkennungsmaßnahme dokumentiert. Doch diese Daten sind lückenhaft. So ist es beispielsweise nicht einmal möglich, eindeutig zu entscheiden, ob jemand, der vom Dermatologen untersucht wurde, vorher schon einmal vom Hausarzt untersucht wurde."

Die Forschungsgruppe will nun unter anderem Daten von Krebsregistern, Abrechnungsdaten der kassenärztlichen Vereinigung und anonymisierte Patienten-/ Gesundheitsdaten der DAK-Gesundheit wissenschaftlich auswerten. Ende 2021 wollen die Wissenschaftler dann eine fundierte und gleichzeitig praktikable Evaluation der Hautkrebsfrüherkennung vorlegen. Auf dieser Grundlage soll dann entschieden werden, wie das Hautkrebsscreening weiter verbessert werden kann.

Quelle: Universität Lübeck (15.12.2019)