Versorgung von Gewaltopfern: Uni Düsseldorf sucht Teilnehmer für "iGOBSIS-pro"

Als Arzt bekommt man es auch immer wieder mit Patienten zu tun, die Opfer von Gewalt geworden sind. Das NRW-weite Projekt „iGOBSIS-pro“ soll Ärzte bei der Versorgung unterstützen. Die Uni Düsseldorf sucht derzeit nach Nutzern in NRW, die mit dem System arbeiten möchten.

Viele Opfer von Gewalt sprechen nicht darüber. | ClaireMcAdams/iStockphoto

Angesprochen sind vor allem Ärzte aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Kinderheilkunde – sie haben es am häufigsten mit Gewaltopfern zu tun. iGOBSIS-pro soll ihnen dabei helfen, die gerichtsfeste Dokumentation, die "vertrauliche" und "anonyme" Spurensicherung und die Beratung der Betroffenen im Alltag zu bewältigen. Denn gerade Patientinnen und Patienten, die Opfer von Gewalt geworden sind, brauchen eine professionelle und umfassende Versorgung, so kann die Gefahr einer Traumatisierung möglichst gering gehalten werden. Außerdem können die Ärzte den Geschädigten dabei helfen, ihre rechtlichen Ansprüche durchzusetzen.

Unterstützung für die Ärzte bei der Untersuchung von Gewaltopfern

Das intelligente Gewaltopfer-Beweissicherungs- und Informationssystem „iGOBSIS-pro" stellt eine standardisierte computerunterstützte Gewaltopferuntersuchung zur Verfügung. Dabei geht es um folgende Schritte:

  • Identifizieren: Zunächst muss der Arzt die Anzeichen für Gewalt erkennen – denn oft bleiben Gewaltopfer unentdeckt, weil es ihnen schwerfällt, über das Thema zu sprechen.
  • Gespräch führen: Auch Ärztinnen und Ärzten fällt es oft schwer, das Thema anzusprechen – von dem System bekommen sie Hilfe bei der Gesprächsführung.
  • Opfer untersuchen: Für die körperliche Untersuchung von Gewaltopfern braucht es Fingerspitzengefühl.
  • Befunde dokumentieren: Zur Versorgung von Gewaltopfern gehört es auch, die Befunde so zu dokumentieren, dass sie vor Gericht verwendet werden können.
  • Spuren sichern: In vielen Fällen von Gewalt kann die Asservierung von Proben sinnvoll sein.
  • Interpretieren: Hier geht es nicht nur darum, die Befunde zu beschreiben. Auch Deine ärztliche Einschätzung, z.B. zur Gefährlichkeit, zum Alter oder zur Entstehung bestimmter Verletzungen, kann hilfreich sein.
  • Spezialisten: Je nach Fall und Bedürfnis des Opfers kann es sinnvoll sein, andere Stellen einzubinden. Das können z.B. Hilfsorganisationen, Rechtsmediziner, die Polizei oder das Jugendamt sein.

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iGOBSIS gibt es inzwischen nicht nur als webbasiertes Dokumentationssystem und Informationsportal, sondern für Tablets und Smartphones. Die Anwendung ist einfach und lässt sich schnell lernen. Für den Einstieg gibt es auf www.gobsis.de Schulungsvideos, es werden aber auch immer wieder Workshops angeboten. Für den Ernstfall in der Klinik oder Praxis steht außerdem "On demand" eine telemedizinische Beratung durch erfahrene Rechtsmediziner zur Verfügung.

Für Ärzte kostenlos

Das auf drei Jahre angelegte Projekt iGOBSIS-pro ist im September 2019 gestartet und wurde vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf und der Fachbereich für Medizinische Informatik der Fachhochschule Dortmund entwickelt. Es ist eine Weiterentwicklung der ursprünglichen iGOBSIS-Plattform, die schon seit 2016 in NRW genutzt wird. Außerdem entsteht derzeit das Parallelprojekt "iGOBSIS-junior", das Ärzten bei Säuglingen, Kindern und jugendlichen Gewaltopfern helfen soll.

Für die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte ist iGOBSIS kostenlos. Das Projekt wird vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) und der Europäischen Union gefördert.

Quelle und mehr Informationen: www.gobsis.de, Universität Düsseldorf (14.1.2020)