Uniklinik Münster: Neue Datenbank für Augenheilkunde gestartet

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hat ein digitales Register gestartet, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Augenheilkunde aufbereitet werden. Als erste Klinik wird das Uniklinikum Münster an die Datenbank angeschlossen.

Prof. Dr. Nicole Eter und Referent Philipp Czapski werfen einen Blick auf die ersten Auswertungen des „oregis“. | UKM/Deiters-Keul

In der Datenbank "oregis" werden erstmals fundierte augenheilkundliche Erkenntnisse zur Verbreitung von Erkrankungen, Wirksamkeit von Therapien und Strukturen der Versorgung digital zur Verfügung gestellt. Die Datenbank soll den Austausch zwischen den bundesweit rund 100 Augenkliniken und mehr als 3.000 niedergelassenen Praxen fördern – hier gebe es noch große Defizite, erklärt Prof. Dr. Nicole Eter, Direktorin der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Münster (UKM): „Wir können bis dato nicht sagen, wie viele Netzhautablösungen es in Deutschland gibt oder wie viele Katarakt-Operationen wir machen. Dabei nutzen die meisten Praxen eine elektronische Patientenakte und die Krankenhäuser Klinikinformationssysteme – wir müssen diese Daten nur zusammenbringen“.

Eter war es auch, die 2018 als Präsidentin der DOG beim Jahreskongress in Berlin ankündigte, ein zentrales Register aufzubauen, um Behandlungsdaten aus verschiedenen Bereichen der Augenheilkunde zusammenzufassen und damit die Diagnostik und Therapie voranzutreiben. Nun ist der Startschuss gefallen: Die ersten „Real-Life“-Behandlungsfalldaten sind – in diesem Fall aus der Augenklinik des UKM – in das System eingeflossen. Der Name „oregis“ steht dabei für Ophthalmologisches Register. Für Eter ist das ein großer Schritt hin zu einer besseren Zusammenarbeit – zum Wohle der Patienten: „Wir werden zukünftig Augenerkrankungen besser verstehen, früher erkennen und therapieren können.“

Auge

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheidet, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Augenheilkunde (Ophthalmologie).

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Studien zu Augenerkrankungen basierten zurzeit lediglich auf Daten einzelner Kliniken oder einem Datensatz von Krankenkassen. Dabei sei allerdings die Aussagekraft sehr unterschiedlich, erklärt Eter. Hier soll die neue Datenbank Abhilfe schaffen und auch zu einem Modernisierungsschub führen: "Die Augenheilkunde hat mit einer immer präziser werdenden Bildgebung ideale Voraussetzungen, um Digitalisierung, Vernetzung und Big Data voranzutreiben.“, ist Eter überzeugt.

Mit einem speziellen Konnektor-Modul, das kostenlos von der DOG zur Verfügung gestellt wird, können gängigen Praxissysteme mit der Datenbank "oregis" verbunden werden. Bei der Entwicklung spielte das Thema Datenschutz eine große Rolle: „Wir stellen sicher, dass ein Rückschluss von Datensätzen auf individuelle Patienten ausgeschlossen ist“, erklärt Referent Philipp Czapski. „Identifizierende Daten werden in einer separaten Vertrauensstelle gespeichert und sind damit getrennt von den anonymisierten medizinischen Daten, die im Register selbst vorgehalten werden.“

In den kommenden Wochen sollen fünf weitere Kliniken in verschiedenen Bundesländern an oregis angeschlossen werden. Im Herbst sollen auf dem Jahreskongress der DOG die ersten Ergebnisse verfügbar sein. Im kommenden Jahr sollen dann weitere Augenkliniken und die ersten Praxen mit der Datenbank verbunden werden.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite www.oregis.de.

Quelle: Universitätsklinikum Münster (20.7.2020)