Riechtest könnte Prognose von Glioblastom-Pa­tienten unterstützen

Medizinern der Universität Duisburg-Essen ist es gelungen, einen Zusammenhang zwischen dem Riechvermögen von Glioblastom-Patienten und der Schwere ihrer Erkrankung herzustellen.

Bei 2.500 bis 3.000 Menschen wird jedes Jahr ein Hirntumor festgestellt. | CC0/Pixabay

Eine simple Testung des Geruchssinns könnte künftig womöglich eine Prognose über den Verlauf der Erkrankung ermöglichen. Bislang sei dafür immer eine operative Gewebeentnahme erforderlich, wie die Forscher in Neurology berichten.

Zwischen 2.500 und 3.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an einem Glioblastom. Die Behandlung ist schwierig. Im Durchschnitt liegt die Lebenserwartung der Betroffenen bei 15-20 Monaten. Die Schwere der Erkrankung möglichst präzise einzuschätzen und dadurch individuell therapieren zu können, ist entscheidend für die Überlebenschancen.

„Jetzt konnten wir erstmals zeigen, dass die Riechfunktion ein Biomarker für das Überleben von Hirntumorpatienten sein kann“, berichtet Martin Glas, der an der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen die Abteilung Klinische Neuroonkologie leitet. „Patienten, die eine Riechstörung entwickeln, haben eine schlechtere Prognose. Und dies anscheinend ganz unabhängig von der Lage des Tumors“, ergänzt Björn Scheffler, Direktor der Abteilung Translationale Neuroonkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums am Westdeutschen Tumorzentrum.

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Riechstörungen spielen bei einer ganzen Reihe von neurologischen Erkrankungen, etwa Parkinson, eine Rolle. Bei Hirntumoren war ein möglicher Zusammenhang aber nie untersucht worden. Dabei lässt sich die Riechfunktion mithilfe von Riechstiften ganz einfach testen. Es handelt sich um 12 verschiedene Stifte mit den Düften Pfefferminze, Fisch, Kaffee, Banane, Orange, Rose, Zitrone, Ananas, Zimt, Nelken, Leder und Lakritz.

An der prospektiven Fall-Kontroll-Studie nahmen 73 Patienten mit primärem Glioblastom teil. Das Riechvermögen der Patienten wurde während der Erstlinientherapie und bei Nachuntersuchungen getestet. Die Kontrollkohorte bestand aus 49 Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Neurologische Erkrankungen, die per se mit Riechstörungen einhergehen, waren dabei ausgeschlossen.

Glioblastom-Patienten riechen häufig schlechter

Abhängig von den beim Riechtest erreichten Punktwerten wurde den Patienten ein reduziertes oder ein normales Riechvermögen attestiert. Es stellte sich heraus, dass Glioblastom-Patienten signifikant häufiger eine gestörtes Riechvermögen aufwiesen als die Kontrollen (p=0,003).

Um herauszufinden, ob die Lage des Tumors Einfluss auf das Riechvermögen hat, wurden außerdem Magnetresonanztomografien (MRT) des Gehirns durchgeführt. Doch die MRT-Aufnahmen lieferten keine Erklärung für die Unterschiede im Riechvermögen der Patienten (p=0,131).

Gestörtes Riechvermögen bedeutet schlechteres Überleben

Patienten mit gestörtem Riechvermögen hatten ein signifikant schlechteres Gesamtüber­leben (median 20,9 versus 40,6 Monate; p=0,035) sowie progressionsfreies Überleben (9 versus 19 Monate; p= 0,022) als diejenigen ohne Riechstörungen.

Eine um multiple Variablen angepasste Analyse von Patienten ohne Beteiligung der olfaktorischen Signalwege – laut MRT – bestätigte das Riechvermögen als unabhängigen prognostischen Faktor für sowohl das Gesamtüberleben (HR 0,43; p=0,042) als auch das progressionsfreie Überleben (HR 0,51; p=0,049).

Die Ergebnisse müssten nun noch in einer unabhängigen und größeren Kohorte überprüft werden, betonen die Mediziner in einer Pressemitteilung. Letztlich sei das Ziel aber, durch die einfache Testung des Geruchssinns möglicherweise bessere Aussagen zum Verlauf der Erkrankung oder aber auch der Therapie treffen zu können.

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