Polizeiärztlicher Dienst: Mediziner in Uniform

Zugegeben: Die Medizinerträume von Bayerns oberstem Polizeiarzt sahen einmal anders aus. Die Anästhesie sollte es werden.

Doch wie so häufig im Leben kam es anders. Um die Wartezeit für das Medizinstudium zu verkürzen, entschied Hoffmann, sich für eine Tätigkeit im öffentlichen Gesundheitsdienst zu verpflichten. Zehn Jahre waren ein Muss, so der Deal. Natürlich pokerte er dabei ein wenig. „Warten wir mal ab, habe ich mir gedacht“, erinnert er sich an seine Gedanken von damals. „Einen Studienplatz zu bekommen, steht für mich jetzt erst mal im Vordergrund.“ Eine Karriere im öffentlichen Gesundheitsdienst habe er zu dieser Zeit „nicht im Auge gehabt“.

Anfangs, das räumt Hoffmann ein, habe er noch an einen Ausstieg aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst gedacht. Doch nach einer Weile lernte er neben der hohen Arbeitsplatzqualität Weiteres zu schätzen: die Vielseitigkeit des Berufes des Polizeiarztes. Und dies ist bis heute so geblieben.

Hoffmann, der in wenigen Jahren in den Ruhestand geht, schätzt die Abwechslung seines Arbeitsalltags: Polizeiarbeit. Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen. Kooperation mit der Feuerwehr. Austausch mit dem Katastrophenschutz. Dazu: Einblicke in Politik und Verwaltung. Und natürlich: Die breiten, wechselnden fachlichen Anforderungen an die ärztliche Tätigkeit, zu der neben der Allgemein- und Notfallmedizin auch noch die Betriebsmedizin gehört. „Der Job des Polizeiarztes bleibt interessant. Es ist immer was Neues dabei.“

Joachim Sahm

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So wie aktuell dies: In den vergangenen Jahren rückte das Gewappnetsein für Extremsituationen wie Terroranschläge in den Fokus. Auch für den Polizeiärztlichen Dienst. Das Team um Hoffmann erweiterte die Erste-Hilfe-Lehrgänge für die Polizisten um Kenntnisse der Notfallversorgung „unter Bedingungen eines Großschadenfalls“. Im Nicht-Bürokraten-Deutsch heißt das: Im Falle von Terroranschlag, Amoklauf, Explosionen und Co.

Es geht dabei darum, Polizisten zu vermitteln, wie sie sich bei lebensbedrohlichen Verletzungen verhalten sollen. „Die Polizisten im Dienst sind in solchen Fällen die Ersten vor Ort. Aber der normale Streifenpolizist hat ja kein medizinisches Hintergrundwissen.“ Nun gehört dieses fest ins Weiterbildungsprogramm, das Polizisten absolvieren müssen – koordiniert von den Polizeiärzten.

Fit zu sein für den Ernstfall. Zu wissen, was zu tun ist. Das üben die Einsatztruppen der Polizei regelmäßig – und mit ihnen die Polizeiärzte. Es gibt Übungen mit Hubschrauberpiloten, Sprengstoffexperten, der alpinen Einsatztruppe, der Taucher-, Reiter- und Hundestaffel. Und so weiter, und so weiter.

Bei jeder Übung sind Mitglieder des Medizinischen Dienstes mit vor Ort. „Wir sind entweder im Sanitätsdienst zur Absicherung dabei, wenn sich jemand verletzt, oder wir haben eine aktive Rolle als Übende, weil das Training für unsere Einsätze relevant ist“, erläutert Hoffmann. Üben. Üben. Üben. Nur so kann gewährleistet werden, dass bei der Münchner Sicherheitskonferenz, dem G7-Gipfel und dem Champions-League-Spiel aus medizinischer Sicht alles so glatt wie eben möglich läuft.

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