Polizeiärztlicher Dienst: Mediziner in Uniform

Die Behandlungsräume der Polizeiärzte an den Standorten sind vergleichbar mit den Praxen von Allgemeinmedizinern. Mit einer Ausnahme: Sie verfügen über einen vergleichsweise üppigen Arzneimittelbestand, da die kranken Polizisten sämtliche Standardarzneimittel direkt vom Polizeiarzt in die Hand gedrückt bekommen. Gespeist wird der Medikamentenvorrat aus einer eigenen Apotheke am Standort München.

Auch das ist besonders: An den Standorten des Medizinischen Dienstes gibt es mehr als 20 Fahrzeuge wie Rettungswagen und Notfalleinsatzfahrzeuge. Als solche zu erkennen sind Letztere oft aber nicht. „Wir betreuen auch die Spezialeinsatzkommandos Nord- und Südbayern“, erläutert Hoffmann. „Deshalb müssen wir manchmal auch verdeckt zu Einsatzorten fahren.“

Ein zentraler Bestandteil des Arbeitsalltags eines Arztes in Uniform ist auch die medizinische Eignungsuntersuchung von Bewerbern für den Polizeidienst. „Da fließen dann auch schon mal Tränen, wenn man einem jungen Menschen sagen muss, dass er seinen Traumjob wegen einer Rot-Grün-Schwäche nicht wird ergreifen können“, sagt Hoffmann.

Der Vorgang ist aufwendig: Die Polizeiärzte prüfen nicht nur selbst, sondern fordern sämtliche Befunde an, die sich im Leben der Bewerber angesammelt haben. Hoffmann ist oft überrascht über die Defizite, die manche schon früh haben. Internistische Vorerkrankungen, Sportverletzungen, Suchthistorien, mentale Probleme. „Dann müssen wir sehr sorgfältig prüfen, ob es ein Hindernisgrund für den Polizeidienst sein könnte.“ Der Polizeiärztliche Dienst greift hart durch: Bei 20 bis 30 Prozent der jungen Bewerber müssten die Ärzte ihr Veto einlegen.

Die körperliche und psychische Verfassung zu beurteilen, ist nicht nur bei Anwärtern auf den Polizeidienst ein Job des Polizeiarztes, sondern auch im späteren Verlauf von Polizistenkarrieren. Nämlich dann, wenn es darum geht, nach Verletzungen, Dienstunfällen oder auch nach langen Krankheitsphasen die Belastbarkeit der Beamten zu beurteilen.

„Es ist dann an uns zu begutachten, ob und inwieweit ein Polizist noch dienstfähig ist“, sagt Hoffmann. „Polizist sein ist ein belastender Beruf. Die Beamten sind mit Verbrechen konfrontiert, Toten, Kriminalität, Aggression und körperlichen Übergriffen. Das belastet jeden und manche mehr.“

Özden Doğan absolviert in Fulda ein Trainee-Programm zum Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen. Die Entscheidung hat er noch keinen Tag bereut.

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Nicht selten heiße die Entscheidung: runter vom Streifendienst auf der Straße, rein in den Innendienst. Oder: Nur noch Arbeit am Tag, keine Nachtschichten mehr. In Sachen Gutachten ist bei 40.000 Polizisten in Bayern viel zu tun. „Einige 1.000“ Gutachten pro Jahr muss Hoffmanns Team verfassen. An den Standorten München und Nürnberg sind Mediziner im Einsatz, die (fast) nichts anderes machen.

Eingangsprüfung, Diensttauglichkeitsgutachten. Allein diese Begriffe machen klar: Ein Polizeiarzt hat neben der klassischen Medizin viel Büroarbeit zu leisten. „Es ist viel Schreiberei dabei, das kann man nicht leugnen“, weiß Hoffmann. Immerhin: Bei diesem Punkt scheinen „reguläre“ Ärzte und Polizeiärzte gar nicht so weit auseinanderzuliegen. Was Klinik- und Praxisärzte allerdings nicht kennen dürften, sind Szenarien wie diese: „Ein Dienstplan für einen G7-Gipfel füllt problemlos eine halbe Zimmerwand.“

Doch klar ist: Mit dem Arztsein draußen hat das Arztsein bei der Polizei nicht viel zu tun. Arzt im öffentlichen Dienst sei ein Kontrastprogramm zur ärztlichen Tätigkeit in Klinik oder Praxis, sagt Hoffmann selbst. „Wir arbeiten unsere 40 Stunden, manchmal mehr. Die Tätigkeit ist sehr geregelt.“ Und auch das weiß er richtig zu nehmen: „Wir haben etwas mehr Zeit für die Menschen, um die wir uns kümmern, als dies in einer Klinik oder Praxis der Fall ist.“ In Kauf nehmen Polizeiärzte aber dafür auch das: Mit dem Verdienst eines Klinikarztes können sie als Mediziner im öffentlichen Dienst nicht mithalten.

Nicht nur Hoffmann, der seit 2001 in München ist und vorher in zwei bayerischen Gesundheitsämtern tätig war, schätzt die geregelten Arbeitszeiten. In seinem Team seien Mediziner, die es nach einigen Jahren in der Klinik in den öffentlichen Gesundheitsdienst ziehe – oder die sich aufteilen und Teilzeit in Klinik und Teilzeit bei der Polizei arbeiten, erzählt er. Hoffmann selbst konnte die klassische Medizin nie ganz loslassen – bis im vergangenen Jahr ist er neben dem Job als Polizeiarzt Notarzt gefahren. 40 Jahre lang.

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