Polizeiärztlicher Dienst: Mediziner in Uniform

Was macht eigentlich ein Polizeiarzt? Er kümmert sich um junge Polizisten, begleitet Einsatzstaffeln, schreibt Gutachten und brütet über Lageplänen. Einblicke in eine wenig bekannte Profession.

Polizeiärzte müssen ihre Patienten allgemeinmedizinisch, aber auch notfallmedizinisch versorgen. | Fotos: picture alliance/Gandalf Hammerbacher für Deutsches Ärzteblatt

Wenn Dr. med. Bernhard Hoffmann und seine Kollegen auf der Straße im Einsatz sind, signalisiert ein Schriftzug auf dem Rücken: Ich bin Mediziner. „Polizeiarzt“ steht dort geschrieben. In Großbuchstaben. Manche Uniform ziert alternativ ein dickes rotes Kreuz. Die dunkelblauen Einsatzanzüge gehören zu einem Arzt im Polizeiärztlichen Dienst genauso wie Kittel zu Klinikärzten. Ohne geht es draußen nicht, wenn es dort gefährlich werden kann.

Dr. Bernhard Hoffmann ist der leitende Polizeiarzt in Bayern. Er koordiniert ein Team von aktuell 34 Ärzten, zwei Zahnärzten, Rettungssanitätern, Medizinischen Fachangestellten und Krankenschwestern.

Draußen, das kann im Fall von Hoffmann sein: die Münchner Sicherheitskonferenz. Ein G7-Gipfel. Ein Champions-League-Spiel des FC Bayern München. Denn Hoffmann, Jahrgang 1957, arbeitet im Ärztlichen Dienst der bayerischen Polizei, am Hauptstandort in München.

Münchner Sicherheitskonferenz. G7-Gipfel. Champions-League-Spiel. Klingt spannend. Und ist es auch. Doch für den Polizeiärztlichen Dienst bedeuten Großevents wie diese vor allem eins: erhöhte Alarmbereitschaft. Bei Ereignissen mit hoher Sicherheitslage und dementsprechend hohem Polizeieinsatz bekommen die Polizeiärzte und Rettungssanitäter – Vollzugsbeamte der Polizei mit besonderer medizinischer Ausbildung – sicher etwas zu tun.

Der Job der Mediziner in Blau ist es, sich um die Einsatzkräfte vor Ort zu kümmern. Das bedeutet: „Ärzte laufen Seite an Seite mit den Einsatzkräften der Hundertschaften oder warten in mobilen Einsatzwagen, ob ärztliche Versorgung erforderlich ist“, erklärt Hoffmann. Er ist der leitende Polizeiarzt in Bayern und koordiniert ein Team von aktuell 34 Ärzten, zwei Zahnärzten, Rettungssanitätern, Medizinischen Fachangestellten und Krankenschwestern.

Husten, Fieber, Schnupfen. Das sind die einen Themen, wenn Polizisten etwa im Winter bei der Münchner Sicherheitskonferenz tagelang bei Wind und Wetter für die Sicherheit hochrangiger Politiker sorgen. Hier sind allgemeinärztliche Kenntnisse gefragt.

Bei Großeinsätzen kann die Lage dagegen schnell eskalieren. Polizisten werden „mit Pflastersteinen, Böllern und Flaschen beworfen“, erzählt Hoffmann – dann ist die Notfallmedizin gefragt.

Der Mediziner erinnert sich an einen Großeinsatz in Hamburg an der Roten Flora, zu dem Kollegen aus dem ganzen Bundesgebiet gerufen wurden. Viele der Einsatzkräfte vor Ort mussten medizinisch erstversorgt werden. Einige wurden erheblich verletzt: „Eine Polizistin hat eine Betonplatte auf den Kopf bekommen und wurde trotz Helm bewusstlos. Ein anderer Kollege wurde durch ein Wurfgeschoss so schwer an der Schulter verletzt, dass er später operiert werden musste.“

Ein Polizeiarzt schreitet natürlich auch dann ein, wenn er einen medizinischen Notfall bei einem unbeteiligten Bürger erkennt, oder auch bei einem Teilnehmer einer Demo – das verlangt allein sein Berufsethos. „Ein Demonstrant vom Schwarzen Block ist bei einer Demonstration in München an einem Gitter hängengeblieben und hat sich dabei den Fuß fast komplett abgerissen. Ich war in der Nähe und habe ihn natürlich erstversorgt“, erzählt Hoffmann. „Auch das ist unser Anspruch.“

Nicht immer ist der Job des Polizeiarztes so spektakulär. Im Alltag der Beamten geht es eher geregelt zu. Das Brot-und-Butter-Geschäft eines bayerischen Polizeiarztes ist die medizinische Grundversorgung von Nachwuchspolizisten. Polizisten in Ausbildung und junge Polizisten aus den Einsatzhundertschaften. 4.000 an der Zahl sind das allein im Süden der Republik. Wenn es die jungen Polizisten irgendwo zwickt oder kratzt, gehen sie nicht zum Allgemeinmediziner um die Ecke, sondern in das Arztzimmer des Polizeiarztes an ihrem Standort. Der Polizeiarzt sei „der Hausarzt einer bestimmten Gruppe von Polizisten“, erläutert es Hoffmann.

Denn: Für diese jungen Polizisten zwischen 18 und 28 Jahren gibt es ein eigenes Versorgungssystem – die Heilfürsorge, ähnlich dem System bei der Bundeswehr. In das reguläre Gesundheitswesen rutschen die Polizisten erst dann, wenn sie Beamte auf Lebenszeit sind – oder wenn sie gesundheitliche Probleme haben, die von den Polizeiärzten an den Standorten nicht gelöst werden können.

Um diese besondere Art der hausärztlichen Struktur gewährleisten zu können, ist Hoffmanns Team über ganz Bayern verstreut. München, Eichstätt, Würzburg, Nürnberg, Königsbrunn, Dachau, Sulzbach-Rosenberg und Nabburg sind die acht Standorte der Bereitschaftspolizei, an denen die Mediziner tätig sind. Von Montag bis Freitag halten sie allgemeinärztliche Sprechstunden ab. Was es dort zu tun gibt? Alles, was junge Leute auch sonst in Arztpraxen treibt. „Wir behandeln vor allem Bagatellerkrankungen und regelmäßig Sportverletzungen, da viel Sport bei Polizisten zum Beruf gehört.“

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