HERZINFARKT - Wenn sich die Brust zusammenzieht

Machen wir hier einen kurzen Break. Wir werden unseren Patienten gleich noch ein bisschen weiter begleiten. Zunächst sollten wir uns aber einmal mit dem beschäftigen, was da bei unserem Patienten vor sich geht. Denn dass es sich bei dessen Beschwerden um ein Problem mit dem Herzen handelt, sollte nicht nur aus der Kapitelüberschrift unzweifelhaft hervorgehen. Und dass so ein Infarkt sich mit dem typischen Beschwerdebild des Brustschmerzes äußert, wissen wahrscheinlich auch die meisten.

Atypische Herzinfarkte

Tatsächlich gibt es aber auch viele sogenannte atypische Präsentationen der Krankheit. Dabei verspüren die Betroffenen eben nicht jenen Druck auf der Brust, der einem den Brustkorb zuschnürt, sondern leiden unter gänzlich anderen Symptomen wie beispielsweise Arm-, Kiefer-, oder Magenschmerzen. Auch Atemnot kann ein Zeichen eines Herzinfarktes sein. Besonders tückisch sind die sogenannten stillen Infarkte, bei denen die Betroffenen überhaupt nichts von ihrer schweren Erkrankung merken. Häufig sind hiervon Frauen im zweiten Lebensabschnitt betroffen, die neben einer Herzerkrankung auch noch unter Diabetes leiden. Bei der »Zucker-krankheit« kommt es durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel zu einer Schädigung der Nervenzellen, die wiederum dafür zuständig sind, Schmerzreize aus dem Körper ins Gehirn zu schicken. So kann es also passieren, dass ein Herzinfarkt, der eigentlich Beschwerden verursachen würde, vom Kopf gar nicht wahrgenommen wird und somit erst spät, im schlimmsten Fall zu spät, zutage tritt.

Was aber ist denn nun eigentlich dieser Infarkt? Was passiert dabei genau im Körper, und wieso kommt es zu den typischen Beschwerden?

Um das zu verstehen, müssen wir noch einmal auf das Thema Anatomie, also den Aufbau des menschlichen Herzens, zurückkommen. Wie bereits erwähnt, besteht die Aufgabe dieses Organs darin, das Blut durch den Körper zu transportieren, um den einzelnen Regionen Sauerstoff und andere wichtige Nährstoffe zuzuführen. Um dieser elementaren Aufgabe nachkommen zu können, benötigt aber auch das Herz selbst Sauerstoff – 4 % des im Blut gelösten Gases stehen allein für die Arbeit des Herzens zur Verfügung. Stellt das Organ diese Arbeit ein, dann stirbt der gesamte Körper binnen Minuten. Um jede einzelne Funktionseinheit, also Zelle, zu erreichen, ziehen sich filigrane Blutgefäße über die Oberfläche des Herzens und verästeln sich immer weiter, bis nur noch winzige Kapillaren übrig sind, durch die die Nährstoffe dann passieren können. Grob skizziert sieht das Ganze so aus:

Kommt es nun zu einem Verschluss eines dieser Gefäße, dann wird die Blutzufuhr zu einem bestimmten Gebiet des Herzens unterbrochen, und der Bereich, der hinter dem Verschluss liegt, wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und kann nach kurzer Zeit nicht mehr zum Gelingen des Herzschlags beitragen. Allerdings ist die Arbeitsverweigerung nicht die schlimmste Folge einer unterbrochenen Blutzufuhr. Viel schlimmer ist, dass nach einiger Zeit nicht einmal mehr genug Energie (Sauerstoff ist sozusagen das Benzin der Zellen) zur Verfügung steht, um die einfachsten Abläufe in der Herzzelle aufrechtzuerhalten. Folge: Der Herzmuskel stirbt ab und kann seine Funktion nie wieder aufnehmen, auch nicht, wenn die Versorgung mit Sauerstoff wieder funktioniert.

Für eine Unterbrechung der Blutzufuhr gibt es verschiedene Gründe. Am häufigsten allerdings ist eine Krankheit mit dem Namen KHK dafür verantwortlich. Was sich hinter diesen drei Buchstaben verbirgt, werden wir im nächsten Kapitel klären. Nun aber zurück zu Herrn Müller.

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