Gesundheitswesen benötigt drei neue Berufsbilder für Digitales

Die Reformkommission der Stiftung Münch hält drei neue Berufsbilder im Ge­sundheitswesen für nötig, um die Digitalisierung im Gesundheitssystem zu implementie­ren und so die Gesundheitsversorgung nachhaltig zu verbessern: Eine Fachkraft für digi­tale Gesundheit, einen Prozessmanager und einen Systemarchitekten für digitale Gesund­heit.

Wer bringt die digitale Gesundheitsanwendung zum Arzt und zum Patienten? | peshkov - stock.adobe.com

„Spätestens seit SARS-CoV-2 ist allen die Bedeutung der Digitalisierung klar. Die Pande­mie wird zum Katalysator für die digitale Transformation“, sagte Sebastian Kuhn, der die Reformkommission der Stiftung Münch geleitet hat.

Die digitale Transformation des Gesundheitssystems habe das Potenzial, die Versorgung der Patienten zu verbessern, die im Gesundheitssystem beschäftigten Menschen zu ent­las­ten und das System effizienter zu machen, so dass es finanzierbar bleibe, betonte die Kommission.

Die Fachkraft für digitale Gesundheit ist nach den Vorstellungen der Kommission ein pa­tientennaher Beruf. Die entsprechende Person soll unmittelbar einzelne Patienten be­treu­en und nach individuellen Wegen zur bestmöglichen Versorgung suchen. Die Fachkraft soll klassische analoge Hilfe und Routineversorgung leisten und bei Bedarf auf digitale Technologien zurückgreifen, an die sie die Patienten heranführt.

Neues Berufsbild: Fachkraft für digitale Gesundheit

„Ein relevanter Teil der Arbeit wird die Pflege der Gesundheitsdaten und der elektroni­schen Patientenakte sein“, so die Kommission. Die Fachkraft benötige grundlegendes me­dizinisch-pflegerisches Allgemeinwissen und technisches Know-how. Als Bindeglied zwi­schen Patienten, Fachpersonal und technologischen Anwendungen steigere sie die Ver­sorgungsqualität vor Ort.

Dr. Sven Jungmann

Als ausgebildeter Mediziner ist man eine attraktive Arbeitskraft auf dem Markt und hat viele Möglichkeiten. In dieser Reihe stellen wir berufliche Alternativen zum Klinikum vor. Teil 1: Sven Jungmann, der in einem Entwicklungslabor für E-Health des Helios-Konzerns arbeitet.

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Der Prozessmanager für digitale Gesundheit ist nach Vorstellungen der Stiftung für die Im­plementierung und Aufrechterhaltung innovativer Versorgungsabläufe zuständig. Er soll medizinische und pflegerische Abläufe entwickeln durch die Einführung digitaler Ge­sundheitstechnologien, die sich an einem Patientenkollektiv und ihren Behandlungsan­forderungen orientieren.

Der Prozessmanager soll mit den Vertretern verschiedener Berufsgruppen und Anwen­dern der digitalen Technologien interagieren, weshalb er hohe kommunikative Fähig­kei­ten benötigt.

Der Systemarchitekt behält den Überblick

Der Systemarchitekt für digitale Gesundheit ist nach Ideen der Kommission ein Change­manager, der die großen Linien für die digitale Transformation seiner Einrichtung vorgibt.

Er soll unter anderem die Einhaltung der Datenstandards verantworten, die Aufsicht über Dutzende Einzelprozesse haben und Synergiepotenziale erschließen. Für seine Tätigkeit benötige der Systemarchitekt hohes medizinisches und technologisches Wissen sowie hohe strategische und kommunikative Fähigkeiten, heißt es.

Die Mitglieder der Reformkommission fordern von der Politik eine Strategie für digitale Gesundheit und entsprechende Rahmenbedingungen in den Bildungsinstitutionen. Zu­dem seien Professuren für digitale Transformation nötig.

Die Mitglieder der Reformkommission sind Sebastian Kuhn, Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Franz Bartmann, bis 2018 im Vorstand der Bundes­ärzte­kammer zuständig für die Berei­che eHealth und Ärztliche Bildung, Bernadette Klapper, Bereichsleiterin Gesundheit der Robert-Bosch-Stiftung, und Uwe Schwenk, Direktor des Programms „Versorgung verbess­ern – Patienten informieren“ der Bertelsmann-Stiftung. 

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