Frauen in der Chirurgie: Keine Männerdomäne

Ist das Kind dann einmal da, warten neue Herausforderungen auf die Eltern und die Chirurgin als Mutter. Normale Kindergärten sind von 8 bis 16 Uhr geöffnet – mit einer Vollzeitstelle nur selten zu vereinbaren. Ein vielversprechendes Projekt in diesem Zusammenhang war „FamSurg“. Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union geförderte Pilotprojekt der chirurgischen Abteilung der Uni Lübeck erarbeitete im Jahr 2014 Vorschläge zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Karriere und Familie mit dem langfristigen Ziel, die Anzahl der Chirurginnen zu erhöhen, sowie das Folge - projekt „TransferGenderMed“. Einige Fachverbände haben zudem Fördervereine auf die Beine gestellt und bieten außerdem Fortbildungsveranstaltungen an, beispielsweise die „Summer School“ der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie oder das „Studentenforum“ der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.
Was bietet das Fach Chirurgie? Möglich sind diverse Karriereverläufe durch die unterschiedlichen Subspezialisierungen, die auch Rückzugsmöglichkeiten bieten. Neben der Vollzeittätigkeit im Operationssaal können Chirurginnen ambulant, interventionell oder sogar konservativ arbeiten. Es gibt auch kleinere, filigranere Operationen, wie beispielsweise die Hand- und Fußeingriffe, oder auch Arthroskopien in der Unfallchirurge/ Orthopädie oder Laparoskopien in der Viszeralchirurgie. Die gesamte Orthopädie stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, sich niederzulassen und auch rein konservativ tätig zu werden, wenn die Lebensumstände dies erforderlich machen sollten.

Chirurginnen gesucht!

Auch die Gefäßchirurgie mit ihren hochpräzisen Eingriffen, Hybrid-Operationen und vermehrt interventionellen und endovaskulären Eingriffen hält viele Möglichkeiten für Frauen bereit. Der Stellenmarkt könnte aktuell nicht besser sein. Chirurginnen werden händeringend gesucht und die Tendenz zur Anpassung des Fachs an die Bedürfnisse der „Generation Y“ und der Frauen im Besonderen ist abzusehen.
Bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die Chirurgie sicher noch Luft nach oben. Die Möglichkeit, zuverlässig pünktlich nach Hause zu gehen, wie es beispielsweise in der Anästhesie praktiziert wird, ist nicht gegeben. Wer eine große Familie gründen will, sieht sich zudem mit dem Problem des Beschäftigungsverbots konfrontiert, das zu einer Verlängerung der Facharztweiterbildung und zu einem Karriereknick führen kann. Doch auch hier ist bereits bewiesen, dass durch Absprachen mit den Vorgesetzten und Anästhesisten ein Operieren in der Schwangerschaft unter bestimmten Bedingungen möglich ist. Zudem findet ein Umdenken statt und immer mehr Männer bleiben in der Elternzeit zu Hause.


Trotz vieler Hindernisse – der Schritt in die Chirurgie lohnt sich: Wer die Faszination beim Anblick eines sich autonom bewegenden Darms, der Oberfläche einer Lunge oder der Kraft eines schlagenden Herzens gespürt hat, kann verstehen, warum sich Medizinstudentinnen (und natürlich auch die männlichen Kommilitonen) für die chirurgische Laufbahn entscheiden. Diese außergewöhnliche Einsicht in das Innere des Menschen bietet eben nur die Chirurgie. Im Operationssaal steht die Zeit still. Gleichzeitig vergeht die Zeit wie im Flug. Stationsarbeit, klingelnde Telefone, Angehörigengespräche, Arztbriefe und jegliche Bürokratie sind ausgeblendet. Es gibt nur das OP-Team und den Patienten, dem die volle Aufmerksamkeit gewidmet wird. Das ist reine Medizin. 

Wer sich entscheidet, Chirurgin zu werden, kann sich darauf freuen, Dinge anzupacken, aktiv zu werden und zu handeln. Entscheidungen werden zügig getroffen, Ergebnisse sind direkt im Anschluss an den Eingriff zu sehen. Oft bedeutet die durchgeführte Operation die Heilung eines Patienten. Diese Effizienz bietet kaum eine andere Fachrichtung. Besteht woanders der Alltag oftmals aus reiner Stationsarbeit, so ist der Arbeitstag einer Chirurgin und eines Chirurgen unvorhersehbar und unterbrochen von Einsätzen im OP, in der Endoskopie oder der präoperativen Sprechstunde. Es wird nie langweilig.

Wer also eine Beschäftigung ausüben möchte, die abwechslungsreich und herausfordernd ist, wer ein guter Teamplayer ist und bereit ist, auch einmal über die normalen Arbeitszeiten hinaus Einsatz zu zeigen, der ist in der Chirurgie genau richtig - egal ob Frau oder Mann.

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