Experte im Gespräch: Prof. Dr. Timmermann über Neurologie

Chirurgen wissen zu Beginn einer Schicht nicht, ob sie die Nacht im OP-Saal oder auf dem Sofa verbringen. Sieht der Arbeitsalltag Ihrer Assistenzärzte ähnlich aus?

Seit wir wissen, dass Schlaganfälle und Hirnblutungen sofort versorgt werden müssen, sind die Nacht- und Wochenenddienste von Neurologen sehr spannend, aber auch richtig arbeitsintensiv geworden. Das spiegelt sich oft auch in anderen Dienstplänen und Dienstmodellen als in der Vergangenheit wieder.

Was würden sie einem angehenden Facharzt für Neurologie raten, auf welchen zukunftsträchtigen Bereich sollte er oder sie sich spezialisieren?

Ich selber bin total fasziniert von den neurodegenerativen Erkrankungen wie dem Morbus Parkinson und anderen Bewegungsstörungen. Ich glaube aber auch, dass es am Wichtigsten ist, dass man die Krankheitsbilder spannend findet; eine „strategische Ausrichtung“ führt fast nie zu zufriedenem und erfolgreichem Arbeiten.

Wie sieht es bei Neurologen mit der Niederlassung aus? Würden sie einem Facharzt raten eine eigene Praxis zu eröffnen?

Da kenne ich mich zu wenig aus, um einen guten Rat zu geben. Ich persönlich habe immer Forschung und Lehre zu sehr gemocht, als dass eine Praxis eine ernsthafte Alternative gewesen wäre.

Vor kurzem wurde in einer Studie ermittelt, dass nur jeder vierte Arzt mit seiner Bezahlung zufrieden ist. Ist das für Sie „Jammern auf hohem Niveau“ oder Sind auch Sie der Meinung, dass Sie für Ihren täglichen Einsatz nicht ausreichend entlohnt werden?

Im internationalen Vergleich, aber auch im Vergleich mit anderen Akademikern, habe ich den Eindruck, dass wir Ärzte in Deutschland ordentlich bezahlt werden. Mein persönlicher Eindruck ist auch, dass unser menschliches Belohnungssystem sowieso auf Geld-Anreize nur sehr kurzzeitig antwortet, sobald ein guter Lebensstandard erreicht ist.

Herr Prof. Timmermann, vielen Dank für das Interview.