Epilepsie-Therapie: Datenanalyse statt Hirn-Stimulation

Langzeit-Erfolge durch Gehirn-Operation bei FCD

Laut einer Langzeitstudie des Universitätsklinikums Freiburg kann eine Gehirnoperation weit mehr Epilepsie-Patienten von ihren Anfällen befreien als bislang vermutet. Selbst zwölf Jahre nach einer Operation bleiben demnach etwa zwei Drittel der Patienten anfallsfrei, die an einer sogenannten fokalen kortikalen Dysplasie (FCD) litten. An dieser medikamentös schlecht behandelbaren Epilepsieform sind allein in Deutschland etwa 90.000 Menschen erkrankt.  Eine umschriebene Fehlentwicklung der Großhirnrinde verursacht hierbei die epileptischen Anfälle. Bei dem operativen Eingriff wird der anfallsauslösende Bereich der Großhirnrinde entfernt.

Die Studie fand besonders bei jungen Patienten eine sehr positive Entwicklung nach der OP. Ihre Ergebnisse stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Epilepsia“ vor.

Prof. Dr. Walter Stummer

Im Interview beantwortet Prof. Dr. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universiätsklinikums Münster, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) und weltweit einer der Besten seiner Zunft, worauf es bei der Facharztausbildung zum Neurochirurgen ankommt.

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Doppelt so viele Patienten wie erwartet profitieren

In der bislang größten Studie untersuchte das Team um Schulze-Bonhage die Langzeitwirkung der Operation. Sie begleiteten insgesamt 211 FCD-Patienten unterschiedlichen Alters über einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren. Frühere Studien hatten bei 30 bis 40 Prozent der Patienten eine Anfallsfreiheit nachgewiesen. „In unserer Studie traten bei zwei Drittel der Patienten selbst nach bis zu zwölf Jahren keine Anfälle mehr auf. Dieses Ergebnis übertraf unsere Erwartungen deutlich“, sagt Schulze-Bonhage.

Von den Patienten, die nach der Operation anfallsfrei waren, konnten laut Erhebung 67 Prozent teilweise oder sogar ganz auf eine zusätzliche medikamentöse Epilepsie-Therapie verzichten. Bei etwa 30 Prozent sei die gleiche Therapie beibehalten worden, oft auf Wunsch der Patienten selbst. 

Magnetresonanztomographie ermöglicht präzise Operationen

Die Epilepsieform FCD galt bislang als relativ schlecht operabel, da sich der krampfauslösende Hirnbereich schwer von gesundem Gewebe abgrenzen lässt. Doch die Weiterentwicklung bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomografie, ergänzt durch hochauflösende Messungen der Hirnaktivität erlauben heute eine bessere Lokalisierung der Anfallsherde, die der Operateur dann präzise entfernt. Mikrochirurgische Techniken reduzieren nicht nur das Risiko operativer Komplikationen sondern minimieren auch das entfernte Gehirngewebe, so dass kognitive Leistungen des Gehirns bewahrt werden können.

Junge Patienten haben die besten Heilungschancen

„Ob der Patient nach der Operation anfallsfrei ist, hängt stark vom Alter des Patienten ab“, so Schulze-Bonhage. Patienten unter 18 Jahren zeigten in der Studie deutlich bessere Chancen auf eine Anfallsfreiheit als ältere Patienten. Bei Kindern und Jugendlichen sollte deshalb eine Operation erwogen werden, sobald sich zeige, dass die Erkrankung nicht mit Medikamenten behandelt werden könne. Am Universitätsklinikum Freiburg können Kinder mit ausgeprägter Epilepsie bereits ab einem Alter von drei Monaten operiert werden. Aber auch bei älteren Patienten brachte ein chirurgischer Eingriff eine Verbesserung im Vergleich zur rein medikamentösen Therapie. 

600.000 Epilepsie-Patienten in Deutschland

Rund 600.000 Menschen in Deutschland leiden an Epilepsie, der häufigsten neurologischen Erkrankung. Insbesondere für Patienten mit starker Epilepsie stellen die Krampfanfälle eine starke Einschränkung und Gefährdung im Alltag dar. Eine zuverlässige Vorhersagetechnik konnte bislang nicht entwickelt werden. 

Quelle: Uniklinikum Freiburg