Zusatz-Weiterbildung Phlebologie: Dauer, Inhalte, Voraussetzungen

Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatz-Bezeichnung "Phlebologie" sind schwerpunktmäßig auf Venenerkrankungen spezialisiert. Wie die Zusatz-Weiterbildung abläuft und welche Voraussetzungen es gibt, erfährst du im Beitrag.

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Auf einen Blick: Zusatz-Weiterbildung Phlebologie

  • Definition: Die Phlebologie beschäftigt sich mit der Diagnose, Therapie und Rehabilitation von Gefäßerkrankungen, insbesondere mit Erkrankungen der Venen.
  • Voraussetzungen: Facharztanerkennung, z.B. in Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Chirurgie, mindestens zwei Jahre Praxiserfahrung
  • Dauer: 18 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten für Phlebologie
  • Anzahl der Ärzte: In Deutschland sind 2.965 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung "Phlebologie" bei den Kammern registriert (2020).

Das Wort "Phlebologie" leitet sich vom griechischen "phlebs" ab, was "Blutgefäß" oder "Ader" bedeutet. Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatz-Bezeichnung "Phlebologie" sind damit spezialisiert auf die Gefäße – ganz konkret auf die Venen. Damit gibt es eine gewisse Schnittmenge zwischen der Phlebologie und der Inneren Medizin und Angiologie, aber auch mit der Dermatologie.

Venenerkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet: Schätzungen zufolge sind bundesweit rund 32 Millionen Menschen betroffen. Dazu gehören beispielsweise eher kosmetische Probleme wie Besenreiser, Krampfadern, aber auch Thrombosen, die zu gefährlichen Lungenembolien führen können. Etwa 100.000 Menschen sterben jedes Jahr allein in Deutschland daran. Damit sind Lungenembolien nach Herzinfarkten und Schlaganfällen die dritthäufigste tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Phlebologie: Häufige Erkrankungen

Zu den häufigsten Erkrankungen im Bereich der Phlebologie gehören:

  • Krampfadern (Varikosis)
  • Besenreiser
  • Thrombosen (oberflächliche Venenthrombose, tiefe Beinvenenthrombose)
  • Postthrombotisches Syndrom
  • chronische venöse Insuffizienz (CVI) und offene Beine (Ulcus cruris)
  • Lymphödem
  • Lipödem
  • Hämorrhoiden

Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatz-Bezeichnung "Phlebologie" arbeiten bei ihren Diagnosen häufig mit Ultraschall. Mit der Methode der Doppler-Sonografie lassen sich Richtung und Geschwindigkeit des Blutstroms in den Venen ermitteln. Die Duplex-Sonografie nutzt zusätzlich noch die Vorteile der Schnittbild-Sonografie, um sowohl die Vene selbst als auch den Blutfluss in dem Gefäß sichtbar zu machen. Früher war außerdem auch die Phlebografie ein Standard-Diagnoseverfahren der Phlebologie. Dabei wurden die Venen mit Hilfe von Röntgenstrahlen und Kontrastmitteln sichtbar gemacht. Diese Methode kommt heute nur noch bei Fragestellungen zum Einsatz, die mit den anderen Methoden nicht geklärt werden können.

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In der Phlebologie kommen häufig konservative Therapie-Methoden zum Einsatz. So greifen Venenärztinnen und -ärzte häufig auf Kompressionstherapien zurück und verschreiben beispielsweise Kompressionsstrümpfe, die Druck auf das Venensystem ausüben und dadurch die Blutzirkulation anregen. Das beugt unter anderem Thrombosen vor und fördert den Abbau von bereits bestehenden Blutgerinnseln. Kompressionsstrümpfe kommen auch bei Krampfadern und CVI zum Einsatz. Speziell bei Krampfadern gibt es aber auch operative Behandlungsmöglichkeiten wie das Venenstripping, das auch heute noch häufig zum Einsatz kommt. Parallel haben sich weniger invasive thermische Therapieverfahren wie Heißdampf-, Radiofrequenz- oder Laserbehandlungen entwickelt, die inzwischen immer häufiger angewendet werden.

Phlebologie: Sinnvolle Ergänzung für viele verschiedene Fachgebiete

Die Zusatz-Weiterbildung Phlebologie eignet sich für Fachärztinnen und Fachärzte aus vielen verschiedenen Bereichen. Weil die Krankheitsbilder so verbreitet sind, bekommt man beispielsweise in einer Hausarzt-Praxis häufig damit zu tun. Aber auch in anderen Fachgebieten kann die Phlebologie eine sinnvolle Ergänzung sein: Beispielsweise bei anderen Fachrichtungen, die sich mit Gefäßen beschäftigen, wie etwa der Inneren Medizin und Angiologie, der Dermatologie oder der Gefäßchirurgie.
 

Phlebologe werden: Die Zusatz-Weiterbildung im Überblick

Dauer der Weiterbildung

  • 18 Monate bei einem Weiter­bil­der für Phle­bo­lo­gie

Inhalte der Weiterbildung

Phlebologische und Lymphgefäß-Erkrankungen

  • Erkennung, Behandlung und Nachbehandlung venöser Thromboembolien einschließlich der Antikoagulation
  • Behandlung der chronischen Veneninsuffizienz und ihrer Komplikationen einschließlich des Ulcus cruris
  • Behandlung des Lymphödems der Extremitäten
  • Erkrankungen in der Endstrombahn, z. B. Akrozyanose, Raynaud-Syndrom

Diagnostische Verfahren

  • Dopplersonographie des Venensystems (Richtzahl: 100)
  • Duplexsonographie des Venensystems (Richtzahl: 100)
  • Durchführung und Befunderstellung von Funktionsuntersuchungen, z. B. Photoplethysmographie, Venenverschlussplethysmograhie, Phlebodynamometrie
  • Bestimmung des Knöchel-Arm-Index

Therapeutische Verfahren

  • Sklerosierungstherapie
  • Indikationsstellung und Durchführung von

    • Kompressionsverbänden
    • apparativen intermittierenden Kompressionsbehandlungen
    • speziellen lymphologischen Kompressionsverbänden

  • Verordnung und Überwachung von Kompressionsstrümpfen
  • Eingriffe am epifaszialen Venensystem der unteren Extremitäten, z. B. Phlebektomie, Varikotomie, Miniphlebochirurgie, endovenös-ablative Verfahren, Krossektomie, Stripping, Perforantenligatur

Quellen: Musterweiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer, Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2020, Deutsche Gesellschaft für Phlebologie

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