Zusatz-Weiterbildung Allergologie: Dauer, Inhalte, Voraussetzungen

Allergien treten seit einigen Jahrzehnten immer häufiger auf; vor allem in den westlichen Industrieländern. Manche Experten sprechen von einer der Epidemien des 21. Jahrhunderts. Die Allergologie ist dadurch eine gefragte medizinische Fachrichtung. Wie die Zusatz-Weiterbildung abläuft und welche Voraussetzungen es dafür gibt, erfährst du im Beitrag.

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Auf einen Blick: Zusatz-Weiterbildung Allergologie

  • Definition: Die Allergologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Erforschung, Diagnose und Behandlung von Allergien befasst.
  • Voraussetzungen: Facharztanerkennung in einem der folgenden Gebiete: Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin
  • Dauer: 18 Monate bei einem Weiter­bil­der für Aller­go­lo­gie, davon können bis zu 12 Monate in einem der unter "Voraussetzungen" genannten Gebiete anerkannt werden, wenn sie bei einem für Allergologie anerkannten Weiterbilder abgeleistet wurden.
  • Anzahl der Ärzte: In Deutschland sind 10.060 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung "Allergologie" bei den Kammern registriert (2020).

Heuschnupfen, allergisches Asthma, Neurodermitis: Mit Allergien verbundene Krankheitsbilder treten immer häufiger auf. Während beispielsweise zu Beginn der 1990er-Jahre knapp jeder zehnte Deutsche angab, an Heuschnupfen zu leiden, sind es inzwischen mehr als 20 Prozent. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkrankt jeder Dritte im Laufe des Lebens an mindestens einer Allergie. Dabei können ganz unterschiedliche Stoffe Allergien auslösen: darunter Baum- oder Gräserpollem (Heuschnupfen), Nahrungsmittel, Insektengifte, synthetische Substanzen (z.B. Duftstoffe), Tierhaare oder Medikamente. Insgesamt sind heute nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e. V. mehr als 20.000 verschiedene Auslöser von Allergien bekannt.

Der Begriff "Allergie" kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet "Fremdreaktion". Grob gesagt sind Allergien Überreaktionen des Immunsystems auf normalerweise harmlose Substanzen. Gegen diese Allergene bildet der Körper Antikörper. Kommen die Betroffenen mit dem entsprechenden Allergen in Kontakt, kann es zu einer allergischen Reaktion kommen: Symptome sind meistens Atemwegsbeschwerden, tränende und juckende Augen, Hautausschläge und -reizungen. Aber: Bei einer anaphylaktischen Reaktion kann die Allergie auch lebensbedrohliche Folgen haben. In diesem Fall werden anfängliche Hautreaktionen von Atemnot, Kreislaufinstabilität und/oder gastrointestinalen Symptomen begleitet – bis hin zu einem tödlichen Kreislaufversagen.

Allergologinnen und Allergologen: So können sie helfen

Bei Verdacht auf eine Allergie können Allergologen und Allergologinnen mit einem Allergietest die Auslöser-Substanz identifizieren. Allerdings ist es in vielen Fällen nicht so einfach: Häufig kommen viele verschiedene Auslöser in Frage. Trotzdem ist es für die Lebensqualität der Betroffenen wichtig, dass die Allergene möglichst genau bestimmt werden: Nur so können die Allergiker und Allergikerinnen die jeweiligen Allergene im Alltag meiden. Allerdings: In manchen Fällen ist das nicht so einfach möglich, beispielsweise bei Heuschnupfen oder einer Allergie gegen Hausstaubmilben.

Die Allergologie ist eine interessante und häufig nachgefragte Zusatzqualifikation, die vor allem Hautärztinnen und -ärzte, HNO-Ärzte und Internisten, aber auch Pädiater und Allgemeinmediziner erwerben.

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In diesen Fällen gibt es die Möglichkeit einer Hyposensibilisierungstherapie, um die Allergiesymptome zu verringern. Dabei werden den Patientinnen und Patienten die jeweiligen Allergene bewusst zugeführt, beispielsweise mit Spritzen oder in Form von Tabletten oder Tropfen. Ziel ist es, den Körper an die jeweiligen Substanzen zu gewöhnen, damit die Überreaktion des Immunsystems künftig ausbleibt. Diese Behandlung kann mehrere Monate oder Jahre dauern.

Patientinnen und Patienten, bei denen in der Vergangenheit schon schwerwiegende allergische Reaktionen aufgetreten sind, sollten zur Sicherheit Medikamente wie eine Adrenalin-Spritze oder Antihistaminika als Tabletten bei sich haben. So können sie im Ernstfall, beispielsweise nach einem Insektenstich, schnell eine Notfallversorgung bekommen. Allerdings sollten schwere allergische Reaktionen im Krankenhaus behandelt werden.

Allergologe werden: Die Zusatz-Weiterbildung im Überblick

Dauer der Weiterbildung

  • 18 Monate bei einem Weiter­bil­der für Aller­go­lo­gie gemäß § 5 Abs. 1 Satz 3, davon können bis zu

    • 12 Monate während der Weiter­bil­dung in Hals-Nasen-Ohren­heil­kunde, Haut- und Geschlechts­krank­hei­ten, Innere Medi­zin und Pneu­mo­lo­gie und/oder Kinder- und Jugend­me­di­zin bei einem Weiter­bil­der für Aller­go­lo­gie angerechnet werden

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Allergologie

  • Immunologische und allergologische Grundlagen, Eigenschaften und Ökologie der Allergene, Allergenextrakte einschließlich der Insektengifte
  • Immundefekte und Regulationsstörungen
  • Immuntoleranz und Autoimmunität
  • Epidemiologie allergischer Erkrankungen
  • Allergencharakterisierung und Allergenverbreitung
  • Auslöser und Symptomatik von Pseudoallergien einschließlich Therapieoptionen
  • Allergenkarenz und Allergen-Elimination
  • Therapieallergene-Verordnung (TAV)
  • Psychogene Symptome und somatopsychische Reaktionen im Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen
  • Psychosoziale und berufsbedingte Aspekte allergischer Erkrankungen

Allergologische Krankheitsbilder

  • Symptomatik, Genetik/Epigenetik, Differentialdiagnose und Therapieoptionen allergischer Erkrankungen

    • der Atemwege, insbesondere Asthma
    • an Hals, Nasen, Ohren und Augen, z. B. allergische Rhinitis, Rhinokonjunktivitis, chronische Rhinosinusitis
    • an der Haut, z. B. Urtikaria und Angioödem, atopisches Ekzem, Kontaktdermatitis, Mastozytose

  • Behandlung gebietsbezogener allergischer Erkrankungen

    Nahrungsmittelallergien

  • Epidemiologie, Einteilung, Symptomatik, Differentialdiagnose, Therapieoptionen sowie Prognose von Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten einschließlich Risikofaktoren, Augmentationsfaktoren
  • Diagnostik von Nahrungsmittelallergien und Therapie von Nahrungsmittelreaktionen

Insektengiftallergien

  • Epidemiologie, Symptomatik, Therapieoptionen sowie Prognose von Insektengiftallergien, nicht allergischen Reaktionen auf Insekten/Insektenstiche
  • Diagnostik von Insektengiftallergien und Therapie von Insektengiftreaktionen

Medikamentenallergien

  • Epidemiologie, Definition und Typen von Medikamentenallergien und -unverträglichkeiten sowie Management und Therapieoptionen
  • Diagnostik von Arzneimittelallergien und Therapie von Arzneimittelreaktionen
  • ASS-Deaktivierung bei Samter-Trias

Anaphylaxie

  • Definition, Symptome, Schweregrade, Epidemiologie, Auslösefaktoren, Augmentationsfaktoren sowie Differentialdiagnose bei Anaphylaxie
  • Therapie der Anaphylaxie gemäß Schweregrad einschließlich des anaphylaktischen Schocks
  • Beratung des Patienten zum Umgang mit Notfallmedikation

Diagnostik von Allergien

  • Prinzipien der allergologischen Diagnostik
  • Erhebung und Dokumentation der speziellen allergologischen Anamnese
  • Methoden zum Nachweis von Sensibilisierungen
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von serologischen und pharmakologischen in-vitro-Testverfahren
  • Bestimmung sensibilisierender Antikörper vom Soforttyp (Ig E)
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation zellulärer in-vitro-Testverfahren, z. B. Antigen-abhängige Lymphozytenstimulation, Durchflusszytometrie, Histamin- und Leukotrien-Freisetzung
  • Kutan- und Epikutantest bei Soforttyp- und Spättyp-Reaktionen bei Patienten (Richtzahl: 200)
  • Funktionsteste der Lunge
  • Indikationsstellung und Durchführung gebietsbezogener Provokationsteste bei Patienten, z. B. nasal, bronchial, oral, parenteral (Richtzahl: 50)

Therapie von Allergien

  • Prinzipien der allergologischen Therapie
  • Medikamentöse und physikalische Therapie, Karenzmaßnahmen sowie alternative Therapieformen
  • Ernährungsberatung einschließlich Eliminationsdiäten
  • Patientenschulungsprogramme
  • Wirkmechanismen, Vorteile, Risikofaktoren, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Formen der allergen-spezifischen Immuntherapie (ASIT)
  • Indikationsstellung und Durchführung der spezifischen Immuntherapie bis zur Erhaltungsdosis einschließlich der Erstellung des Behandlungsplans und von Therapieverlaufskontrollen bei Patienten, z. B. mittels Stichprovokationstestung (Richtzahl: 25)

Prävention, arbeits- und umweltmedizinische Aspekte

  • Einleitung von Maßnahmen der primären, sekundären und tertiären Prävention bei Risikogruppen und bereits Erkrankten
  • Berufliche Risikofaktoren für allergische Sensibilisierung
  • Allergisch bedingte Berufskrankheiten, insbesondere des Respirationstraktes und der Haut
  • Kriterien zur Anerkennung einer allergisch bedingten Berufskrankheit
  • Toxikologie der Umweltschadstoffe
  • Umweltbedingte Risikofaktoren für allergische Sensibilisierung
  • Symptomatik und Differentialdiagnose umweltmedizinischer Erkrankungen

Quellen: Musterweiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer, Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2020, Deutscher Allergie- und Asthmabund

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