Bundesweite Datenbank für Vergiftungsfälle gestartet

Seit Mitte November 2015 sind mit über 200.000 Einträgen alle Vergiftungsfälle des Jahres 2014 der acht deutschen Giftinformationszentren (GIZ) in einer gemeinsamen Datenbank erfasst. Dadurch wird erstmalig eine zusammenhängende Übersicht über das Expositions- und Vergiftungsgeschehens in Deutschland möglich.

Kind mit Putzmittel

Erstmalig sind alle Vergiftungsfälle eines Jahres in Deutschland in einer zentralen Datenbank gespeichert. | Foto: redpepper82/Fotolia.com

„Mit der Einrichtung dieses gemeinsamen Datenregisters haben die acht deutschen Giftinformationszentren einen wichtigen Schritt erreicht“, sagt der Leiter der Giftinformation Mainz und gleichzeitig Präsident der Gesellschaft für Klinische Toxikologie (GfKT), Dr. Andreas Stürer, und ergänzt: „Die Falldatenbank versetzt uns in die Lage, erstmals einen nationalen Bericht über das Expositions- und Vergiftungsgeschehen in Deutschland zu erstellen.“

Bessere Planung bei der Prävention

Woran vergiften sich Menschen in Deutschland am häufigsten? Welche Altersgruppen sind vorwiegend betroffen? Was sind die häufigsten Vergiftungsumstände? Antworten auf diese und ähnliche Fragen gibt künftig die bundesweite Falldatenbank der acht deutschen Giftinformationszentren (GIZ), die jetzt bei der GfKT-Jahrestagung in Mainz offiziell vorgestellt wurde.

Diese Datenbank enthält erste Übersichtsdaten der GIZ zum Expositions- und Vergiftungsgeschehen in Deutschland. Sie ist wichtig, um Programme zur Vergiftungsprävention optimal zu planen und um zukünftig schwere und tödliche Vergiftungen zu vermeiden. Ein weiterer nicht unwichtiger Aspekt: Unnötige Behandlungen und damit verbundene Kosten könnten künftig vermieden werden.

Seit wenigen Tagen sind mit 204.923 Fällen alle humanen Expositions- und Vergiftungsfälle des Jahres 2014 aller acht deutschen GIZ in der Datenbank der Fachgesellschaft erfasst. Dies entspricht einer Anzahl von 2,6 Vergiftungsfällen pro 1.000 Einwohner pro Jahr. Derzeit laufen noch interne Qualitätskontrollen, bevor die Daten als erster gemeinsamer Jahresbericht der deutschen GIZ schließlich veröffentlicht werden sollen. 

Die Entscheidung, eine solche Falldatenbank zu etablieren, war mit dem 50-sten Geburtstag der Giftinformation Mainz und dem 30-jährigen Bestehen der GfKT zusammengefallen, die an der Universitätsmedizin Mainz gefeiert wurden.

Künftig schnellere Erkenntnis  zu Vergiftungserscheinungen

Die neu geschaffene Datenbank soll einen schnelleren Kenntnisgewinn ermöglichen, welche Gifte und gegebenenfalls Produkte zu bestimmten Vergiftungserscheinungen geführt haben. Auf Basis dessen könnte dann die Produktsicherheit erhöht werden.

Auch soll es künftig schneller möglich sein, eine Aussage darüber zu treffen, welche Altersgruppen von Vergiftungen betroffen sind. Dies soll dabei helfen, Präventionsmaßnahmen in den betreffenden Altersgruppen zielgerichteter anstoßen zu können. 

Ebenfalls erhofft man sich von der Datenbank Erkenntnisse über die Aufnahmerouten von Giften in den Körper. Sie erlaube auch, aus der Kenntnis von großen Fallzahlen beispielsweise bei Medikamentenüberdosierungen Dosen festzustellen, die keine Schäden verursachen und damit keiner besonderen Behandlung bedürften, so Dr. Stürer. Dies spare langfristig nicht unerhebliche Kosten im Gesundheitssystem.

Ausbau zum tagesaktuellen Monitoring geplant

Darüber hinaus ist langfristig der Ausbau des Gesamtsystems zum Monitoring mit tagesaktuellem oder stundenaktuellem Datentransfer aus den GIZ in die gemeinsame Datenbank geplant, sofern eine Finanzierung sichergestellt ist. „Wir bekämen so ein Frühwarnsystem für Vergiftungserscheinungen in Deutschland. Damit ließen sich insbesondere gleichzeitige, an verschiedenen Orten in Deutschland auftretende versehentliche oder beabsichtigte Vergiftungen deutlich schneller erkennen als bei einer nur regionalen Datensammlung. Durch diese Früherkennung wäre ein rascheres Eingreifen und damit die Verminderung von schweren oder sogar tödlichen Vergiftungen möglich“, so  Dr. Stürer.

Quelle: Universitätsmedizin Mainz