Wie unterschiedlich Musik auf Herz und Kreislauf wirkt

Eine randomisierte kontrollierte Studie zur Wirkung von Musikstücken von W. A. Mozart, J. Strauss und ABBA.

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Eine Studie untersuchte, wie Musik auf den menschlichen Körper wirkt. | rotoGraphics - Fotolia

Zusammenfassung

Ob unterschiedliche Musikstile Cortisolspiegel, Blutdruck und Herzfrequenz beeinflussen, ist bisher nicht bekannt. Insgesamt 60 Probanden wurden deshalb randomisiert aufgeteilt und hörten 25 Minuten lang verschiedene Musikstücke von Mozart, Strauss und ABBA.

Ergebnisse: Die Musik von Mozart und Johann Strauss führte zu einer deutlichen Senkung des Blutdrucks, wohingegen die Musik von ABBA diesen Effekt nicht bewirkte. In der Kontrollgruppe veränderte sich der Blutdruck nicht. Die Serumcortisolwerte sanken unter Musikbeschallung und in Ruhe ab. Schlussfolgerung: Musik von Mozart und Strauss führte zur Senkung von Blutdruck und Herzfrequenz, die von ABBA aber nicht. Die stärksten Effekte wurden bei der Musik von Mozart festgestellt.

Kernaussagen

  • Das Hören von Musik beeinflusst Blutdruck und Pulsfrequenz.
  • Die Musik von Mozart und Strauss führte zu Blutdruck- und Herzfrequenzsenkungen, wohigegen die Musik von ABBA diesen Effekt nicht hatte.
  • Das Hören von Musik bewirkte eine deutliche Senkung des Serumcortisolspiegels, eine alleinige Ruhe (Kontrollgruppe) nur eine geringfügige.
  • Der Cortisolabfall war bei Männern ausgeprägter als bei Frauen, besonders unter Mozart und Strauss.
  • Ein Zusammenhang von Musikstilen, Blutdruck- und Herzfrequenzänderungen und Hörgewohnheiten der Probanden wurde nicht nachgewiesen.

Der Effekt von Musik auf den Menschen ist seit Jahrhunderten bekannt (1, 2). Musik wurde zur Steigerung der Leistungsfähigkeit bei Olympischen Spielen der Antike eingesetzt und auch in Erzählungen finden sich Hinweise zur Wirkung von Musik (3). Studien untersuchten den Einfluss von Musik bei verschiedenen Krankheitsbildern, operativen Eingriffen oder in der Schmerztherapie und Palliativmedizin (4–6). Von Bernardi wurde 2009 eine viel beachtete Untersuchung vorgelegt, die bei 24 Freiwilligen die Wirkung von Musik auf Herz-Kreislauf-Parameter analysierte (7). Systematische prospektive randomisierte Studien an größeren Probandenkollektiven, die unterschiedliche Musikstile (Werke der „Wiener Klassik“, romantische oder „moderne Musik“) hinsichtlich einer Beeinflussung von Herz-Kreislauf-Parametern untersuchten, liegen nicht vor.

Alle Probanden wurden nach einem fest definierten Studienprotokoll untersucht. In diese prospektive, randomisierte kontrollierte Studie wurden 120 Teilnehmer eingeschlossen, von denen 60 der Studiengruppe (Musikhören) und 60 einer Kontrollgruppe ohne Musikhören („Ruhe“) zugeführt wurden. Als Einschlusskriterien galten die folgenden Voraussetzungen: Die männlichen oder weiblichen Probanden im Alter zwischen 25 und 75 Jahren mussten kardiologisch gesund sein (unauffällige kardiologische Anamnese, klinischer Befund normal, EKG und Blutdruck im Normbereich) und durften nicht unter einer medikamentösen Therapie stehen. Als Normalwerte für den Blutdruck galten Werte unter 140/90 mm Hg (8). Probanden mit bekannter labiler oder stabiler arterieller Hypertonie wurden von der Studie ausgeschlossen.

In unserer Studie wurde klassische und romantische Instrumentalmusik sowie Popmusik im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Musikhören untersucht. Ausgewählt wurden Stücke und Lieder mit hohem Bekanntheitsgrad: Symphonie Nr. 40, g-moll (KV 550), von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), Tänze von Johann Strauss (1825–1899) und Lieder der schwedischen Popgruppe ABBA. Die Musikdauer der abgespielten Stücke belief sich jeweils auf etwa 25 Minuten. Die Reihenfolge, in der die Probanden die drei Klangszenarien hörten, wurde nach einem Randomisierungsplan festgelegt. Für jede Intervention mit Musik und für die Kontrollgruppen wurden klar definierte Eingangs- (unauffällige kardiologische Befunde, Blutdruck [RR] normal) und Endpunkte (Durchlaufen des gesamten Studienprotokolls) definiert, die im Verlauf der Studie nicht verändert wurden (8). Alle Untersuchungen wurden in einem Studienraum durchgeführt, in dem die Probanden auf einer Trage liegend, in angenehmer Umgebung und bei einer Raumtemperatur von 23 °C über einen Kopfhörer Musik hörten oder die Zeit in Stille verbrachten (Kontrollgruppe).

Die Studienteilnehmer wurden über Aushänge im Marienhospital Herne und im Gebäude MA der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum gesucht. Zielgruppe waren gesunde Freiwillige, keine Patienten. Alle Probanden wurden nach einem fest definierten Studienprotokoll untersucht, das sich in sechs Phasen gliederte. Die Randomisierung der Reihenfolge der Klangszenarien wurde vor Studienbeginn per Computer und Zufallsgenerator festgelegt. In die Studiengruppe wurden 60 Probanden (30 Männer, 30 Frauen) eingeschlossen, von denen die Hälfte unter 50 Jahre und die andere Hälfte über 50 Jahre alt waren. Die Alters- und Geschlechterverteilung der Kontrollgruppe war identisch. Die Zufallszuteilung wurde vor Beginn der Studie von dem Studienleiter (HJT) durchgeführt, die Studienärztin (GV) nahm die Teilnehmer in die Studie auf und teilte sie am Studientag den entsprechenden Interventionen (Musikstile) zu.

Die statistischen Analysen erfolgten mit den Programmen SAS 9.2 und Stata/IC 11.2. Zum Vergleich der Verteilung einer metrischen Variable zweier abhängiger Stichproben wurde zunächst der Shapiro-Wilk-Test angewendet. Wurde die Normalverteilungsannahme nicht abgelehnt, so wurde der Vergleich mit dem t-Test für verbundene Stichproben durchgeführt. Im Falle der Ablehnung der Normalverteilungsannahme wurde der Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test angewendet.

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