Vom Arztdasein in Amerika – Zahl der Drogentoten steigt

Der Internist Dr. Peter Niemann lebt und arbeitet schon lange in den USA. Im Beitrag legt er dar, dass die Zahl der Drogentoten und die Zahl der Todesopfer von Gewalt in den USA im Jahr 2020 angestiegen ist.

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Die offiziellen Mortalitätszahlen für die USA kommen im Regelfall mit einer etwa einjährigen Verspätung heraus. Doch schon jetzt ist klar, dass das Jahr 2020 außergewöhnlich sein wird, leider in einem negativen Sinne. Es ist offenkundig, dass die amerikanische Lebenserwartung deutlich abnehmen wird und aktuelle Prognosen gehen von einer Abnahme um 0,7-0,8 Lebensjahre für die gesamte amerikanische Bevölkerung aus.

Die Gesundheit der Latinos und Schwarzen scheint besonders deutlich im Jahr 2020 gelitten zu haben, und hier geht man derzeit von einen Absinken der durchschnittlichen Lebenserwartung von zwei (Schwarze) bzw. drei (Latinos) Lebensjahren aus.

Anstieg von Drogentoten im Jahr 2020

Woher rührt dieser deutliche Anstieg der Mortalität? Ist das ausschließlich auf SARS-CoV-2 zurückzuführen? Hier scheint die Antwort ein eindeutiges „nein“ zu sein.

Bisher liegen wegen der verzögerten Veröffentlichung nur Zahlen für die ersten sieben Monate des Jahres 2020 vor. Hieraus geht aber eindeutig hervor, daß die Zahl der Drogentote um mehr als einem Viertel angestiegen ist und auch die Todesopfer von Gewalttaten um mehr als 20 % zugenommen haben. Hier spielen eher politische und wirtschaftliche Einschränkungen eine Rolle als SARS-CoV-2.

Wie sehen also einige konkrete Zahlen aus? Während vor dem Ausbruch von SARS-CoV-2 und den damit einhergehenden Maßnahmen im Januar 2020 6.458 Drogentote verstarben, was einem Anstieg um 2,5 % zum gleichen Monat des Vorjahres bedeutete (6.299 Drogenopfer), war der Anstieg des Monats Mai um 47,8 % innerhalb nur eines Jahres: Von 6.194 Menschen im Mai des Jahres 2019 auf 9.155 Rauschgifttote im Mai des folgenden Jahres. Dieser deutliche Anstieg der rauschgiftbedingten Mortalität findet insbesondere ab dem Monat März 2020 statt.

Mehr Opfer von Gewalt

Ähnliches gilt für die Opfer von Gewalt: Januar 2019 (1.715 Tote) entspricht zahlenmäßig weitestgehend dem gleichen Monat des Folgejahres (1.701 Tote), während der Mai 2020 mit 2.044 Opfer von Gewalt deutlich über den Zahlen des Monats Mai von 2019 liegt, nämlich 1.639 Tote. Das ist ein Zuwachs um 24,7 %. Übrigens stieg die Zahl der Gewaltopfer im Juni und Juli 2020 noch stärker an: 28 % Zuwachs für den Juni und einem unglaublichen Anstieg um 41,4 % für den Juli des Jahres 2020. Quellen sind die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC.

Bei den Selbstmordquoten dauert es erfahrungsgemäß länger, bis wirklich endgültige Zahlen vorliegen, denn die Arbeit der Gesundheitsbehörden und Polizei dauert oft Monate oder Jahre ehe halbwegs klar ist, ob ein Mensch an einer Krankheit oder einem Suizid verstarb. Aber auch hier gehen vorläufige Zahlen von einem Anstieg aus, wobei die Zunahme aktuell nicht so dramatisch zu sein scheint.

Es ist mein Eindruck, dass das Jahr 2020 und seine Aufarbeitung uns noch lange beschäftigen wird.

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