Vom Arztdasein in Amerika – Kommt nun die Inflation?

Der Internist Dr. Peter Niemann lebt und arbeitet schon lange in den USA. Im Beitrag schildert er, warum er eine kommende Inflation für möglich hält.

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Nur selten schreibe ich über wirtschaftliche Themen. Das hat nicht mit fehlendem Interesse zu tun, sondern weil ich eben kein Experte auf diesem Gebiet bin. Ausnahmsweise will ich trotzdem hierüber schreiben, denn was ich aktuell, im März des Jahres 2021, erlebe, ist besorgniserregend.

Was viele wissen: Die USA waren, trotz aus deutscher Sicht eher laxer Restriktionen, seit März 2020 ebenfalls unter politischen und administrativen Einschränkungen. Das wurde mit dem Vorhandensein des SARS-CoV2 begründet und ähnlich wie im deutschsprachigen Raum, kam es zu einem Einbruch der Wirtschaft und einem massiven Rückgang des Konsums.

Preise steigen rasant

Doch nun, im beginnenden Frühjahr des Jahres 2021, scheinen die USA aus diesem Jahr wie nach einem langen Winterschlaf zu erwachen. Wie viele Tiere nach einem langen Schlaf ausgehungert und unruhig sind, so sind die Menschen ausgehungert nach Konsum und unternehmungslustig. Dazu gesellt sich, dass viele ihr Geld aus fehlender Konsummöglichkeit angespart haben, dass es wiederholte drei- und vierstellige Stimulusauszahlungen seitens des Staates gab, dass viele Menschen zum Teil massive Aktien- und Spekulationsgewinne gemacht haben und die Schuldenaufnahme immer leichter zu bewerkstelligen ist. So berichten zum Beispiel viele meiner Patienten wie ihnen fast täglich fünf- und sechsstellige Kredite angeboten werden.

All dieses Geld und diese Lebenslust treffen nun auf eine begrenzte Zahl an Waren. Einige Restaurants, Hotels und Geschäfte haben dauerhaft zugemacht, was das Warenangebot noch mehr verknappt hat. Es folgt nun also der Ansturm auf diese Waren, und ein kaum gekannter Andrang findet auf Autos, Immobilien, Urlaub, Geschäfte, Dienstleistungen und was es noch alles gibt statt. Die Geschäfte sind gefüllt, oft sogar überfüllt, die Flugzeuge zum Teil bis auf den letzten Platz ausgebucht und gerade jene Bundesstaaten, die besonders lax mit den Einschränkungen im Rahmen des neuen Coronavirus umgegangen sind wie zum Beispiel Florida, erleben einen massenhaften Anstieg des Konsums.

Ein Restaurantbesuch ist 25% teurer

Der Immobilienmarkt ist leergefegt und täglich rufen mich Firmen an, ob ich nicht mein Haus verkaufen will. Mir wird preislich das Gelbe vom Ei versprochen. Der von mir vor zwei Monaten gekaufte und schon bezahlte Minibus ist noch immer nicht geliefert (wegen Überlastung der Lieferdienste) und ein vor einer Woche gemachtes Angebot auf ein Ferienhaus in Florida wurde abgelehnt, weil ich „nur“ 5% über dem gefragten Verkaufspreis lag – das Haus wurde statt für 210,000 eben für 250,000 US-Dollar verkauft. Die Aktienindizes feiern einen Höchststand nach dem anderen und Bitcoin scheint auf den Sprung über die 100.000-Dollarmarke anzusetzen.

All das macht mir Sorgen. Denn das Geld sitzt locker und ist scheinbar unbegrenzt vorhanden, die Waren aber sind knapp. Wie nennt man das nochmals, wenn das gleiche Haus im Dezember 120.000 Dollar kostet und drei Monate später für 180.000 verkauft wird? Wenn der selbe Bitcoin in nur wenigen Wochen 50% mehr wert ist? Wenn das Essen im Restaurant um 25% innerhalb von drei Monaten teurer wird und selbst der Benzinpreis um 15% ansteigt? Manche sagen Spekulationsgewinne oder sprechen von temporären Preisschwankungen, ich aber nenne das Inflation. Ich bin der Ansicht, daß man in der Rückschau sagen wird, daß alles seinen Anfang im Februar oder März 2021 genommen hat.

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