Toxische Führung: Wenn der Chef das Arbeitsklima vergiftet

Wenn Chefs manche Mitarbeiter bevorzugen und andere kleinmachen, hat das negative Folgen für ein Unternehmen bzw. Krankenhaus. Diese Art des Führungsstils nennt man Neudeutsch „toxisch“ und er kommt in Krankenhäusern häufiger vor als man denkt. Neuere Untersuchungen beleuchten die häufigsten Fehler durch toxische Führung.

Der Oberarzt meckert nur? Das kann das ganze Arbeitsklima vergiften. | alex.pin / Adobe Stock

1. Keine Wertschätzung zum Ausdruck bringen

Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter anschreien, sie von anderen bloßstellen oder gar beleidigen, tragen mit diesen Verhaltensweisen zu einem negativen Arbeitsklima bei. Wie eine Untersuchung der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu unter Mitarbeitern von 148 Unternehmen zeigt, ist diese Art der toxischen Führung weit verbreitet: In 85 Prozent der Unternehmen kommt dieses Verhalten vor.

Auch im ärztlichen Umfeld passiert es immer, dass Chefärzte Aussagen von Assistenzärzten belächeln, deren Diagnosen unfair kritisieren oder in Gegenwart der Patienten in Frage stellen. Die Folge: Der betroffene Arzt fühlt sich schlecht behandelt und wird demoralisiert.

2. Bevorzugung ist genauso schlimm wie Benachteiligung

Man könnte meinen, vom Chef bevorzugt zu werden, käme bei Mitarbeitern besser an. Doch weit gefehlt: Wird ein Arzt von der Führungskraft im Vergleich zu den Kollegen besser behandelt, führt das nicht selten zu Angst vor sozialem Ausschluss. Hinzu kommt, dass die Bevorzugten Scham empfinden. Laut einer Studie der privaten „Kühne Logistics University“ führt die Bevorzugung ebenso zu Schamgefühlen wie die Benachteiligung bzw. Herabwürdigung durch den Chef. Ist der Druck für die betroffenen Mitarbeiter zu stark, erwägen diese auch die Kündigung.

3. Bestrafung für Fehler

Fehler gehören zum Leben dazu. Wird ein Mitarbeiter für einen Fehler jedoch sofort bestraft, sinken die Chancen, dass er dadurch lernt. Ärztliche Fehler sind immer ein heikles Thema, denn die Folgen können fatal für die Gesundheit der Patienten sein. Und natürlich sollte sich ein Fehler nicht wiederholen. Darum ist es wichtig, herauszufinden, wie er zustande gekommen ist, um in Zukunft weitere zu verhindern.

Ein weiterer Aspekt ist für eine gute Fehlerkultur wichtig. Sie zeigen nämlich oft auf, an welcher Stelle es im Arbeitsprozess hakt. Insofern sind sie eine gute Gelegenheit, um festzustellen, an welchen Stellen im Arbeitsablauf nachgebessert werden muss. Wie so oft gilt auch hier: Führungskräfte sollten mit einem guten Beispiel vorangehen. Zeigt etwa der Chefarzt die Größe, eigene Fehler einzugestehen und nutzt diese als Chance, sich weiterzuentwickeln, wird es den Mitarbeitern leichter fallen, dieses Verhalten zu kopieren.

4. Negatives Arbeitsklima schaffen

Vorgesetzte, die sich feindselig oder aggressiv gegenüber ihren Mitarbeitern verhalten oder ständig Druck aufbauen, schaffen ein negatives Arbeitsklima, das die Mitarbeiter demotiviert. Häufen sich beispielsweise auf einer Station die Fehltage, sinkt die Arbeitsproduktivität oder gibt es ständigen Personalwechsel, kann das ein Zeichen für demotivierte Mitarbeiter sein. Dann sollten Chefärzte schnell handeln und ein Klima schaffen, in dem das Personal gerne arbeitet. Dazu gehört es unter anderem, ein wertschätzendes Verhalten an den Tag zu legen, Mitarbeiter in konstruktive Lösungsansätze einzubinden und ihnen das Gefühl zu geben, echtes Interesse für ihre Belange zu haben.

5. Keine Entscheidungen treffen

Als Führungskraft gehört es zum Geschäft, (schwierige) Entscheidungen zu treffen. Zu den Aufgaben eines Chefarztes gehört es auch, einmal getroffene Entscheidungen konsequent umzusetzen. Das gibt den Mitarbeitern Sicherheit und zeigt Entschlossenheit, was wiederum die eigene Führungsposition bestätigt. Weigert sich ein Chefarzt, diese Verantwortung zu übernehmen, und vertagt beispielsweise ständig notwenige Entscheidungen, führt das schnell zu Mitarbeiterfrust.

Was gegen toxische Führung tun?

Um dem Phänomen toxische Führung im Krankenhaus entgegenzuwirken, können die Personalverantwortlichen jährliche Befragungen zur Mitarbeiterzufriedenheit durchführen. Darin machen diese Angaben zu ihrem Arbeitsumfeld und ihren Arbeitsbedingungen.

Von toxischer Führung betroffene Mitarbeiter sollten das Thema in der Personalabteilung ansprechen. Im Idealfall kann dies auch direkt mit dem Chef- oder Oberarzt besprochen werden. Denn: Laut den Studienverantwortlichen der Kühne Logistics University sind sich die Führungskräfte häufig gar nicht bewusst, was ihr Verhalten bei den Mitarbeitern auslöst.

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