Primaten mit Skalpell – Verhaltensforscher untersuchen Konflikte im OP

Was passiert eigentlich im OP, wenn der Patient schläft? Verhaltensforscher haben untersucht, wie das OP-Team miteinander kommuniziert – und auch streitet. Das Ergebnis: Ärzteteams tragen ihre Konflikte wie typische Primaten aus.

In einer Primatengruppe gehen die meisten Konflikte vom Alpha-Tier aus – genau wie im OP. | Fabien Rigollier - stock.adobe.com

Die Forscher um den niederländischen Biologen und Verhaltensforscher Frans de Waal untersuchen üblicherweise, wie sich Affen im Zoo verhalten und wie sie miteinaner umgehen. Für die Studie zum Verhalten im OP, die an der Emory University Atlanta (USA) entstand, beobachteten die Wissenschaftler 200 Operationen in drei großen Lehrkrankenhäusern. An den OPs waren mehr als 400 Chirurgen, Anästhesisten, Techniker und OP-Schwestern bzw. -Pfleger beteiligt. Insgesamt analysierten die Forscher von 2014 bis 2016 mehr als 6.300 soziale Interaktionen.

Streit kommt vor, ist aber selten

Und was machen die Operateure nun im OP? Vielleicht überraschend: Anweisungen und rein technische Gespräche über den Verlauf der Operation ("Skalpell bitte") machten nur fünf Prozent der Kommunikation aus. Ansonsten verhielten sich die Chirurgen und ihr Team im OP wie an jedem anderen Arbeitsplatz auch: Die Verhaltensforscher beobachteten Smalltalk, Flirts, Späße, Klatsch und Tratsch, Lehrgespräche, aber auch kleine Tänzchen. Thematisch ging es in den Gesprächen um das persönliche Leben der Beteiligten, aktuelle Ereignisse, Sport, Reisen oder Popkultur. So weit, so normal.

Die gute Nachricht für die Patienten: Streit kommt nur sehr selten vor. Insgesamt weniger als drei Prozent der beobachteten Kommunikation fielen in den Bereich "Konflikte". Dabei reichten die erfassten Ereignisse von kleinen, konstruktiven Meinungsverschiedenheiten über Sticheleien und Respektlosigkeiten bis hin zu handfesten Streitigkeiten, die zumindest potentiell die Sicherheit des Patienten gefährden könnten. Obwohl es im OP also nur verhältnismäßig selten zum Streit kommt, legten die Verhaltensforscher ein besonderes Augenmerk auf die Konflikte – und entdeckten interessante Parallelen zum Verhalten von Primaten.

Der Affe im Chirurgen

Ähnlich wie bei unseren Verwandten im Tierreich spielt vor allem die Hierarchie innerhalb der Gruppe eine wichtige Rolle. So gehen die Konflikte im OP laut Studie in 80 Prozent der Fälle von einem ranghöheren Teammitglied aus – bei zwei Dritteln der Konflikte war es der behandelnde Chirurg, also das "Alpha-Tier" im OP. Dabei war es egal, ob ein Arzt oder eine Ärztin die Operation leitete. Sehr wohl machte aber die Geschlechter-Zusammensetzung des Teams einen Unterschied: Am konfliktärmsten arbeiteten gemischte Teams zusammen. War ein männlicher Chirurg vor allem von anderen Männern umgeben, nahm die Zahl der Konflikte zu – bei einer weiblichen Chirurgin mit vielen Frauen im Team passierte das gleiche. Ähnlich verhalten sich Schimpansen, heißt es von den Autoren der Studie – die Affen verteidigen ihren Rang in der Hierarchie vor allem gegen Angehörige des eigenen Geschlechts.

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"Unser Ziel war es, die Techniken der Evolutionsbiologie zu nutzen, um zu verstehen, wie Menschen im OP miteinander interagieren", erklärt de Waal den Hintergrund der Studie, "dafür haben wir nicht auf Fragebögen zurückgegriffen, sondern auf Beobachtungen. Wir wollten das tatsächliche Verhalten mit den Hierarchien und der Geschlechterverteilung innerhalb des Teams in Verbindung bringen." Das Fazit des Verhaltensforschers: "Unsere Studie zeigt, dass der OP ein Mikrokosmos mit typischen sozialen Tendenzen ist, wie wir sie auch bei Primaten finden."

Um künftig Konflikte im OP möglichst zu vermeiden, empfehlen die Studienautoren, bei der Zusammenstellung der OP-Teams mehr auf Diversität zu achten.

Quelle: Emory University Atlanta, Link zur Originalstudie: National Academy of Sciences of the United States of America

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