Praxismarketing und Patientenkommunikation, Teil 6: Welchen Namen gebe ich meiner Praxis?

In der Beitragsreihe "Praxismarketing und Patientenkommunikation" schreibt Gastautor Daniel Izquierdo-Hänni über ein Thema, das gerade für Praxisgründer wichtig ist: Wie gewinne ich Patienten für meine Praxis? Im sechsten Teil erklärt er, welche Rolle ein einprägsamer Praxisname spielt.

Daniel Izquierdo-Hänni berät Praxisgründer rund um die Themen Praxismarketing und Patientenkommunikation.

Oft wird nicht lange gefackelt, wenn es darum geht, einer neugegründeten Praxis einen Namen zu geben. Doch genau wie bei der Namenswahl eines Babys sollte man sich auch hier etwas mehr Gedanken machen und ein paar zusätzliche Aspekte mit in Betracht ziehen.

Die Positionierung einer Arztpraxis oder einer Klinik – ein Thema, das ich schon in einem anderen Artikel besprochen habe – sollte sich auch im Namen dieser Praxis widerspiegeln. In der Regel machen sich die zukünftigen Praxisbesitzer hierzu nicht wirklich viele Gedanken und verwenden ihren Vor- und Familiennamen zusammen mit der medizinischen Fachkompetenz. Dies kann zwar durchaus korrekt sein, doch in den heutigen Zeiten kann es auch sinnvoll sein, sich etwas vertiefter mit der Wahl des Praxisnamens auseinander zu setzen.

Ansprüche an einen Firmen- oder Praxisnamen

Egal ob in der Medizin oder im Dienstleistungssektor: Es gibt durchaus grundlegende Ansprüche an einem Firmen- oder Praxisnamen. So sollte dieser einfach lesbar und aussprechbar sein. Das ist gerade bei komplexeren, vielleicht auch ausländischen Namen nicht immer gegeben. Und ich spreche da mit meinem spanischen Familiennamen aus eigener Erfahrung… Wichtig sind diese Aspekte vor allem deshalb, weil ein direkter Zusammenhang mit dem nächsten Kriterium besteht: der Merkbarkeit. Lassen Sie mich ein Beispiel aus der Informatik verwenden: Das Securityprogramm „avast“ ist Ihnen sicherlich ein Begriff – kurz, knapp, griffig. Beim Konkurrenzprodukt „Kaspersky“ haben die meisten etwas mehr Mühe, den Namen richtig im Kopf zu behalten. Die Unverwechselbarkeit und die Authentizität – auf neudeutsch „street credibility“ – sind weitere Kriterien, die bei einer Namenswahl zu beachten wären.

Praktisch und pragmatisch gedacht

Ein niedergelassener Arzt ist nicht das gleiche wie eine Klinik, ein Facharzt nicht eine Gemeinschaftspraxis: Die Ansprüche sind durchaus unterschiedlich, trotzdem möchte ich versuchen, hierzu ein paar allgemeingültige Überlegungen aufzuführen.

Erstens: Die Namen des oder der Ärzte zu verwenden, ist sicherlich richtig – vor allem, wenn man bedenkt, dass Vertrauen eine bedeutende Rolle beim Arzt-Patienten-Verhältnis spielt. Auch wenn man in Deutschland nicht so schnell sein Gegenüber mit dem Vornamen anspricht wie in anderen Ländern, so sollte immer der volle Name verwendet werden. Zu wissen, dass der Arzt eben nicht nur Herr Dr. G. Müller ist, sondern eben Gerald heisst, vermittelt – wenn auch im Unterbewusstsein – etwas mehr Menschlichkeit und Nähe.

Daniel Izquierdo-Hänni ist Referent für Medical Marketing und Patientenkommunikation. Im Frühjahr 2018 gründete er die Plattform swissmedicalmarketing.com. Der schweiz-spanische Doppelbürger wurde 1965 in Basel geboren und lebt seit 2005 in Valencia, Spanien.

Zweitens: Nicht nur Gemeinschaftspraxen tun gut daran, einen unabhängigen Firmen- bzw. Praxisnamen zu wählen, unter dessen Dach sich die verschiedenen Ärzte zusammentun. Das gilt auch für jene Ärzte, die mit einem wirklich zungenbrecherischen Namen geboren wurden. Vor allem aber haben Bezeichnungen wie „Altstadtpraxis Salzburg“ oder „Wohlfühlpraxis Dr. Jana Vogel“ den großen Vorteil, dass beim Lesen des Namens Assoziationen ausgelöst werden. Die Vorstellungen im Kopf haben wiederum zur Folge, dass man sich besser und länger an einen Namen erinnert, als wenn es sich um einen abstrakten Begriff handelt.

Drittens: Bisher kaum ein Thema bei Praxen und Kliniken sind die sogenannten „Claims“ oder „Slogans“, wie etwa „Just do it“ bei Nike oder „Freude am Fahren“ bei BMW. Das hat sicherlich mit den Gesetzes- und Standesvorgaben zu tun, welche etwa anpreisende Werbung verbieten. Doch, so frage ich mich, wäre „Dr. Jana Vogel – Ihre Wohlfühlpraxis in Dortmund“ oder „Physiotherapie Uwe Baumann – bei mir sind Sie in besten Händen“ wirklich anpreisend? Wohl kaum!

Google sei Dank!

Neue Zeiten haben ein verändertes Verständnis zur Folge, und da spielt das Internet eine ganz besondere, bisher nie dagewesene Rolle bei der Namenswahl in der Medizin. Denn bei der Domainwahl kann man auch als Arzt durchaus flexibel sein, nebst www.doctor-gerald-mueller.de kämen ja auch www.wohlfuehlpraxis-mueller.de oder www.praxis-am-stadtgraben.de in Frage. Und wer sein Lokalkolorit zusätzlich hervorheben möchte, der verwendet anstatt .com oder .de die HTML-Endungen .nrw, .bayern oder .hamburg.