Praxismarketing und Patientenkommunikation, Teil 11: Gedanken rund um die Website

In der Beitragsreihe "Praxismarketing und Patientenkommunikation" schreibt Gastautor Daniel Izquierdo-Hänni über ein Thema, das gerade für Praxisgründer wichtig ist: Wie gewinne ich Patienten für meine Praxis? Im elften Teil erklärt er, worauf es bei einer ansprechenden Praxiswebsite ankommt.

Daniel Izquierdo-Hänni berät Praxisgründer rund um die Themen Praxismarketing und Patientenkommunikation.

Gerade bei jungen Medizinern ist die Frage nach Sinn oder Unsinn einer Praxishomepage absolut überflüssig. Ohne Präsenz im Internet existiert man heute ganz einfach nicht! In diesem Sinne lediglich ein paar Gedanken und Inputs für all jene, die eine Website planen oder bereits betreiben.

Drei Gründe für einen Webauftritt

Es gibt unter den niedergelassenen Ärzten (besonders bei älteren Medizinern) immer noch solche, die ohne Website auskommen, oft auch gar nichts davon wissen wollen. Für solche jedoch, die sich ihren Platz im Gesundheitswesen erst noch erstreiten müssen, ist eine Homepage zwingend – und zwar aus drei Gründen. Erstens: Die Mund-zu-Mund Propaganda ist zweifelsohne die beste Art der Werbung. Doch genauso, wie wenn man ein gutes Restaurant empfohlen bekommt und dieses daraufhin im Internet sucht, dient auch die eigene Website dazu, die Mund-zu-Mund Propaganda zu unterstützen.  Gefällt einem, was man sieht, so verstärkt dies das Empfehlungsmarketing; wird man im Internet gar nicht gefunden, so verpufft die persönliche Weiterempfehlung mit großer Wahrscheinlichkeit.

Zweitens gibt es vor allem in Großstädten immer mehr Zugezogene und andere Menschen, die über Google auch einen Arzt oder ein Krankenaus suchen. Hinzu kommen die Internetvergleichsportale, die ebenfalls immer beliebter werden, und bei denen eine Verlinkung zwingend ist. Last but not least hat eine attraktive Homepage auch den Zweck, die bestehenden Patienten an sich zu binden. Sie sollen, wenn sie einen Blick auf die entsprechende Site werfen, im Stillen zu sich sagen: „Ja, das ist mein Arzt!“

Online- versus Content-Marketing

Bei Kongressen und Seminaren für junge Ärzte dreht sich heute alles um das Schlagwort „SEO – Search Engine Optimization“: Was kann man tun, damit die eigene Website auf Google so weit oben wie nur möglich gelistet wird? Die Suchmaschinenoptimierung ist zweifelsohne wichtig, doch gibt es ein paar Dinge, die man sich schon bei der Gestaltung des eigenen Internetauftrittes gut überlegen muss.

Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit, nachfolgend ein paar Beobachtungen und Überlegungen zu diesem Thema:

Eins: Es gibt eine Vielzahl an Angeboten und Programmen, über die man seine eigene Homepage relativ einfach selber gestalten kann – beispielsweise 1&1 oder Wordpress. Da diese mit Standard-Vorlagen und Masken arbeiten, sollte man sich zwingend die Mühe machen, die eigene Positionierung und die Persönlichkeit seiner Praxis trotzdem einfließen zu lassen. So lohnt es sich zweifelsohne, wirklich gute Fotos machen zu lassen, und zwar nicht nur von sich selbst, sondern auch vom Team, der Praxis sowie den Patienten. Nicht selten werden Fotos aus (kostenlosen) Bilddateien ausgewählt, die von X anderen Kolleginnen und Kollegen ebenfalls verwendet werden. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Internetseiten sich wie ein Ei dem anderen gleichen können.

Daniel Izquierdo-Hänni ist Referent für Medical Marketing und Patientenkommunikation. Im Frühjahr 2018 gründete er die Werbeplattform swissmedicalmarketing.com. Der schweiz-spanische Doppelbürger wurde 1965 in Basel geboren und lebt seit 2005 in Valencia, Spanien.

Zwei: Apropos Fotos… Es gibt nichts Langweiligeres und Belangloseres als die typische Fotogalerie, in denen nur die Räumlichkeiten, die Möbel und die (medizinischen) Apparaturen einer Praxis zu sehen sind – ohne eine Menschenseele weit und breit. Um solch blutleere Fotos zu vermeiden, fragen Sie doch Ihre Familie und Freunde, ob sie bereit wären, bei einer Fotosession als Statisten Leben in die Aufnahmen zu bringen.

Drei: Wie in der Werbung gilt auch bei der Website in Sachen Text die vielleicht etwas politisch unkorrekte Formel „KISS – keep it simple and stupid“. Verfassen Sie die Texte so, dass sie von medizinischen Laien auch gut verstanden werden – einfach und klar, ohne medizinische Fachbegriffe. Halten Sie die Texte auch hier knapp, bringen Sie das, was Sie sagen wollen, auf den Punkt. Wobei gerade das Internet als interaktives Medium hier die Möglichkeit bietet, auf mehreren Ebenen zu arbeiten.

Vier: Genau diese Interaktivität sollte bei der Gestaltung des Webauftrittes voll genutzt werden – nicht nur, weil sie die Verweildauer auf der Homepage verlängert. Nehmen wir das Beispiel der Vorstellung des Praxisteams. In einer Broschüre etwa geht es nicht anders, als alles auf die gleiche Seite zu nehmen, im Internet kann man die Informationen über mehrere Ebenen dosieren. Zuerst Portrait-Foto, Name und Berufsbezeichnung, mit einem Klick öffnet sich dann die Untersite mit ausführlicheren Informationen zur Person, zum Werdegang und zu den Aufgaben. Und mit einem weiteren Klick öffnet man entweder das Profil auf Xing oder die persönliche E-Mail etwa in Outlook. Nicht wenige versuchen all diese Informationen gleich auf die erste Web-Ebene zu quetschen – unnötigerweise.

Fünf: Wenn Sie keinen professionellen Content-Manager engagiert haben, sollten Sie auf aktualitätsbezogene Formate (Blog, News, Integration Facebook) verzichten. Mag sein, dass Sie sich zu Beginn den guten Vorsatz nehmen, sich regelmäßig um ein Update zu kümmern. Mit der Zeit wird Sie jedoch das Daily Business immer mehr in Beschlag nehmen, so dass Sie weder Zeit noch Lust haben werden, sich nach Feierabend hinzusetzen, um sich einen neuen Blog-Eintrag aus dem Finger zu saugen. Und wie interpretieren es die User, wenn sie einen Newsbeitrag lesen, der schon sechs Monate alt ist? Entweder, dass die Praxis nicht läuft, oder dass sie ganz eingegangen ist.