Mitten in der Karriere

Dr. Peter Niemann schreibt über seine Ausbildung zum Internisten sowie der Zeit danach, aber auch über die Skurrilität eines Arztlebens in den USA. In diesem Beitrag reflektiert er seine berufliche Laufbahn zwölf Jahre nach seinem Abschluss.

Arzt in Amerika Studiengebühren

Nicht nur zu Beginn der Karriere, auch später fragt man sich immer wieder, wo es hingehen soll. | CCO Creative Commons

In wenigen Wochen, Ende 2018, jährt sich bei mir zum zwölften Mal der Tag meines Medizinstudiumabschlusses. Mittlerweile habe ich nicht nur einen, sondern zwei Fachärzte, arbeite und studiere nebenbei an weiteren Fachabschlüssen. Ich habe zwei Bücher veröffentlicht, diverse Interviews gegeben und arbeite an weiteren Projekten. Ich war verheiratet, dann geschieden, habe Kinder, die immer älter werden und von denen zwei mittlerweile schon in der Schule sind und ihre eigenen Lorbeeren versuchen zu ergattern. Das Leben schreitet also voran.

Die Rente ist viel zu weit entfernt, als dass ich überhaupt an sie denken möchte und darf, abgesehen davon, dass ich mich gedanklich darauf einstelle, noch viele Jahre jenseits der 65 zu arbeiten – oder glaubt wirklich jemand da draußen daran, dass die Rente auch noch im Jahr 2045 so sicher wie heute sein wird (falls ja: Was veranlasst Sie zu diesem Glauben)?

Was also macht ein mittelalter (von mir aus beschönigt: mitteljunger) Arzt mit seiner Karriere? Eine Professur zu erreichen mittels Forschung in einem kleinen Unter­bereich der Medizinwissenschaft, erscheint mir nicht besonders erstrebenswert, und Chef- und Oberärzte müssen die Fehler nicht nur der Politik, sondern auch die eines scheinbar schwieriger werdenden Gesundheitswesens ausbaden.

Einen anderen Beruf möchte ich ebenfalls nicht ergreifen, weil mir dafür das Arztsein einfach zu viel Spaß macht, ich viel zu gerne Menschen helfe und mit ihnen Umgang habe. In die Selbstständigkeit gehen könnte ich, doch sind die Hürden hierfür einfach sehr groß, und das Gesundheitswesen bietet auch hier immer weniger Flexibilität. Bleibe ich einfach Krankenhausarzt, einfach weil sich hier Helfenkönnen mit Freizeit und gutem Verdienst gut zu kombinieren scheinen?

Es ist nicht leicht, mitten in der Arztkarriere zu stecken und mehr Fragen als Antworten zu haben. Vor allem, wenn das Gesundheitswesen nicht gerade rosig aussieht und auch der gesellschaftliche Halt weniger stethaft zu werden scheint.

Alle Blog-Beiträge von Dr. Peter Niemann "Vom Arztdasein in Amerika" können hier nachgelesen werden.

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