Medizinstudenten engagieren sich: Student plant Krankenhaus für Nepal

Pradip Kumar Yadav hat einen ganz großen Traum: Der Medizinstudent, der derzeit am Klinikum Frankfurt Höchst sein PJ absolviert, will in seinem nepalesischen Heimatort ein Krankenhaus nach deutschem Standard bauen – 2025 sollen die ersten Patienten behandelt werden.

Pradip Kumar Yadav hat seine Krankenhauspläne den Menschen im nepalesischen Dorf Sapahi bereits vorgestellt. Die Menschen dort unterstützen das Projekt. | Nepalese German Hospital Project

„Unser Krankenhaus soll die Medizin in der Region vom 19. Jahrhundert auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringen“, erklärt Yadav, der Gründer des „Nepalese-German Hospital Projects“, seine Vision. Bisher gibt es kaum moderne Krankenhäuser in Nepal – das Land hat die schlechteste medizinische Versorgung in ganz Asien. In der Hauptstadt Kathmandu gebe es zwar mehr als 50 Krankenhäuser mit guten bis sehr guten Behandlungsmöglichkeiten – Menschen in anderen Regionen des Landes können davon aber nicht profitieren. So gibt es in der Region Janakpur-Sapahi im Süden des Landes, aus der Yadav stammt, bisher nur ein einziges ungenügend ausgestattetes Krankenhaus: Moderne CT- und MRT-Geräte sind überhaupt nicht vorhanden – wenn überhaupt gibt es nur veraltete Geräte. „Eine Trauma-Behandlung mit Kopf- oder Wirbelsäulenverletzung ist aber ohne CT-Bildgebung unvorstellbar“, beschreibt Yadav die Situation. „Wenn jemand einen Verkehrsunfall hat oder sich bei einem Sturz am Kopf verletzt, muss er nach Kathmandu gebracht werden. Das ist 350 Kilometer weit weg – aber wegen der schlechten Straßen dauert die Fahrt bis zu zehn Stunden. Die meisten Patienten mit größeren Verletzungen sterben unterwegs."

Die Idee: Ein modernes Krankenhaus für die Region

Um den Menschen im Südosten Nepals zu helfen, will Yadav in seinem Heimatort Sapahi nun ein eigenes Krankenhaus bauen: Schwerpunkt der Versorgung soll die Allgemein-, Neuro-, Endokrine-, Frauen- und Kinderheilkunde sein. Hier soll es auch ein modernes Traumazentrum geben – außerdem soll vor allem die chirurgische Behandlung der Patienten im Mittelpunkt stehen.

Der Plan: 2020 soll mit dem Bau des Krankenhauses begonnen werden, 2025 sollen die ersten zwei Stationen eröffnen. Danach soll zunächst in die Ausstattung investiert werden: Benötigt werden moderne High-Tech-Geräte z.B. für die Radiologie und den OP. Yadav will nach seiner geplanten Facharztweiterbildung im Bereich Neurochirurgie selbst als einer der ersten Ärzte im Krankenhaus arbeiten, einige seiner Kommilitonen von der Uni Frankfurt wollen ihn begleiten. „Es gibt einige nepalesische Ärzte, die im Ausland studiert haben. Zu Hause finden sie aber keine passenden Arbeitsplätze – deshalb bleiben sie im Ausland und Nepal kann bisher kaum von ihren Fähigkeiten profitieren“, erklärt Yadav, „mit unserem Krankenhaus geben wir diesen Ärzten die Möglichkeit, auch in Nepal auf hohem Niveau zu arbeiten“. Anderes medizinisches Personal wie Krankenschwestern oder Pfleger gebe es in Nepal reichlich: „Für diese Menschen wollen wir Arbeitsplätze schaffen – vor allem für die Frauen“, so Yadavs Idee.

Der Frankfurter Medizinstudent Pradip Kumar Yadav will in Nepal ein modernes Krankenhaus bauen. Wir von Operation Karriere begleiten Yadav bei der Umsetzung seiner Idee. Deshalb haben wir auch mit seinem Unterstützer und Mentor, Prof. Dr. Johannes Schulze vom Uniklinikum Frankfurt, gesprochen – und ihn gefragt, ob er diese großen Pläne überhaupt für realisierbar hält.

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Insgesamt soll die Region auf vielfältige Weise von dem neuen Krankenhaus profitieren: Neben einer grundsätzlichen Verbesserung der Gesundheit und der Schaffung neuer Arbeitsplätze soll die Mortalitäts- und Morbiditätsrate der Bevölkerung deutlich sinken. Außerdem erhofft sich Yadav von seinem Krankenhaus eine Vorbildfunktion für andere Krankenhäuser: „Es ist eine Art Wettbewerb – wenn andere Kliniken sehen, dass wir mit unserem Krankenhaus erfolgreich sind, haben sie einen Anreiz, ihr Niveau anzupassen.“ Insgesamt soll durch die Verbesserung der medizinischen Versorgung und durch die neuen Jobs die Lebensqualität in der Region deutlich steigen. „Junge Leute haben dann eine Perspektive und eine größere Motivation, sich um ihre Ausbildung zu kümmern und etwas aus ihrem Leben zu machen“, verspricht sich Yadav langfristig von dem Projekt.

Langfristig: 350 Betten, eigene Facharztausbildung, Medical College

Auch für das Krankenhaus selbst hat Yadav langfristig große Pläne: Er will nicht nur ein kleines Krankenhaus mit zwei Stationen bauen – er hat weitere Ziele: Je nach finanzieller Situation können nach und nach weitere Trakte an das Gebäude angebaut werden – so kann das Krankenhaus langsam wachsen. Am Ende sollen insgesamt 350 Betten für die Patienten zur Verfügung stehen. Ab 2029 sollen vor Ort eigene Fachärzte ausgebildet werden, ab 2032 sollen in einem angeschlossenen Medical College auch Nachwuchsmediziner ein Studium beginnen können.

Die ersten Schritte der Umsetzung sollen in den nächsten Monaten gemacht werden: Im September will Yadav mit seinen Unterstützern aus Frankfurt nach Nepal reisen. Zu den insgesamt 23 Teilnehmern der Reise gehören Professoren, Ärzte und Studenten der Uni Frankfurt, der Uniklinik und des Frankfurter Bürgerhospitals. Aber auch der Architekturprofessor Heinrich Lessing von der FH Frankfurt und eine Gruppe seiner Studenten nehmen an der Reise teil. Die angehenden Architekten haben für ihre Bachelor-Arbeiten bereits Modelle für das geplante Krankenhaus in Sapahi entworfen – die drei besten Entwürfe sollen nun den Verantwortlichen vor Ort präsentiert werden. Außerdem wollen die Architekten sich mit klassischer nepalesischer Architektur beschäftigen und prüfen, ob die Entwürfe vor Ort wie geplant umsetzbar sind.

Der nächste Schritt ist dann, das Grundstück für das Krankenhaus zu kaufen. Yadav und sein Team haben schon zwei mögliche Baugrundstücke in Sapahi identifiziert, die für den Bau in Frage kommen. Beide liegen an einer größeren Straße und haben bereits Zugang zu Strom und Wasser. Die bisherigen Eigentümer sind über das Bauprojekt informiert und wollen gern an das Krankenhaus-Projekt verkaufen. „Wir brauchen ein Grundstück von insgesamt vier Hektar Größe“, erklärt Yadav, „das ist wichtig, damit das Grundstück bei den geplanten Erweiterungen der nächsten Jahrzehnte nicht irgendwann zu klein wird.“ Für sein Projekt ist es derzeit am wichtigsten, Sponsoren zu finden, die den Krankenhausbau finanziell unterstützen: „Für das Grundstück brauchen wir 300.000 Euro, für die erste Bauphase weitere 2 Millionen.“ Später soll sich das Krankenhaus selbst tragen: Einnahmen sollen vor allem aus Beiträgen der Patienten, aber auch von externen Ärzten kommen, die z.B. die modernen Diagnosemöglichkeiten des Krankenhauses gegen eine Gebühr mitbenutzen können. Außerdem sollen durch die Nutzung als Lehrkrankenhaus für Universitäten und durch die Facharztausbildung Gelder fließen.

Patientenkreditsystem statt Krankenversicherung

Eine Krankenversicherung, wie wir sie kennen, gibt es in Nepal nicht. Damit die Patienten ihre Behandlungskosten trotzdem sofort begleichen können, ist ein Mikro-Kreditsystem vorgesehen. Das Modell lehnt sich an das Konzept des bengalischen Wirtschaftswissenschaftlers Muhammad Yunus an, der dafür 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Im Krankenhaus selbst soll es dafür eine eigene Bankfiliale geben, die mit verschiedenen nepalesischen Banken kooperiert. Der Patientenkredit wird nach der Behandlung von lokalen Banken in den Wohnorten der Patienten verwaltet. So können die Patienten im Notfall schnell sicherstellen, dass ihre Behandlung auch bezahlt wird, ohne durch die Verhandlungen mit ihrer Hausbank wertvolle Zeit zu verlieren. Die Rückzahlung können sie dann wiederum nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause klären.

Noch ist das alles Zukunftsmusik: Bis das Krankenhaus seine Arbeit aufnehmen kann, ist Yadav vor allem auf Sponsoren und Unterstützer angewiesen. Um die Arbeit des Projekts besser bündeln und organisieren zu können, soll jetzt als nächstes eine Stiftung gegründet werden. „Dabei geht es natürlich einerseits um die finanzielle Unterstützung – aber wir brauchen auch Menschen, die Kontakte zu medizinischen Firmen, Krankenhäusern, Stiftungen oder Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit einbringen können. Toll wären auch Sachspenden wie gebrauchte medizinische Geräte.“

Zweifel, ob dieses riesige Projekt wirklich gelingen kann, zeigt Yadav nicht: Er ist überzeugt, dass seine Ideen in einigen Jahren das Leben vieler Menschen in Nepal verbessern werden.

Nepalese-German Hospital Project

Kontakt:

Pradip K. Yadav

Telefon: 0176-56 98 28 83
E-Mail: pradip.tsph@gmail.com

Ein Link zur Website und die Daten des Spendenkontos werden hier nach der Stiftungsgründung bekannt gegeben.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich schon während des Studiums für andere einzusetzen – das beweisen die sozialen Initiativen und Vereine, die von Medizinstudenten ins Leben gerufen werden. In dieser Rubrik stellen wir einige davon vor.