Empathie setzt sich aus vielen Einzelfaktoren zusammen

Bei empathischen Menschen arbeiten bestimmte "Hauptnetzwerke" im Gehirn besonders gut. Dies haben Forscher des Leipziger Max-Planck-Insituts (MPI) in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Kollegen aus Oxford herausgefunden.

samuel - stock.adobe.com

Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ist neurowissenschaftlich betrachtet keine Einzelfähigkeit, sondern setzt sich aus vielen Faktoren zusammen, die sich je nach Situation unterscheiden.

Das berichten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig gemeinsam mit Forschern der Universität Oxford im Fachmagazin Psychological Bulletin.

Die Wissenschaftler unterscheiden zunächst zwischen „Empathie“ und der Fähigkeit zur Perspektiv­übernahme. „Das Gehirn besitzt zwei allgemeine Fähigkeiten für das Manövrieren in der sozialen Welt. Die Empathie ist gefühlsbasiert und hilft uns, an den Emotionen des anderen teilzunehmen.

Die zweite, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, ist ein komplexer Denkprozess, der dazu dient, sich die Umstände des anderen vorzustellen und darüber nachzudenken, was diese Person denken könnte“, erklärt Philipp Kanske, früher Forschungsgruppenleiter vom MPI und der Technischen Universität Dresden. Diese beiden abstrakten Fähigkeiten zum Eindenken und Einfühlen in Andere setzten sich wiederum aus verschiedenen Bausteinen zusammen, so der Neurowissenschaftler.

Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie diagnostizieren und behandeln Erkrankungen des Nervensystems. Wie die Facharzt-Weiterbildung in diesem Bereich abläuft und wie lange sie dauert, erfährst Du im Beitrag.

weiterlesen

Die Forscher haben die Zusammenhänge dieser Faktoren durch eine großangelegte Metaanalyse untersucht. Darin identifizierten sie zum einen, welche Gemeinsamkeiten sich bei 188 untersuchten Einzelstudien in der Magnetresonanztomografie (MRT) zeigten, wenn sich die Teilnehmer ihrer Empathie oder Perspektivübernahme bedienten – um so für jede der beiden sozialen Kompetenzen die Kernre­gionen im Gehirn zu lokalisieren.

Sie erfassten zudem, worin sich die MRT-Muster je nach konkreter Aufgabe unterschieden und welche demzufolge jeweils zusätzlich herangezogene Hirnregionen sind. „Beide Gesamtkompetenzen werden jeweils von einem auf Empathie oder Perspektivwechsel spezialisierten ‚Hauptnetzwerk‘ im Gehirn verarbeitet, die in jeder sozialen Situation aktiviert werden, ziehen aber je nach Situation zusätzliche Netzwerke hinzu“, so Kanske.

Lesen wir die Gedanken und Gefühle anderer Menschen beispielsweise von deren Augen ab, seien andere Zusatzregionen beteiligt, als wenn wir sie aus deren Handlungen oder aus einer Erzählung erschließen müssen. „Das Gehirn kann so sehr flexibel auf die einzelnen Anforderungen reagieren“, berichten die Forscher.

Sozialen Probleme erfordern laut den Forschern oft eine Kombination aus Empathie und Perspektiv­wechsel. Personen, die besonders sozial kompetent sind, scheinen demnach andere Menschen auf beide Arten zu betrachten, also auf der Grundlage von Gefühlen und auf der von Gedanken.

„Unsere Analyse zeigt aber auch, dass Mangel an einer der beiden Sozialkompetenzen auch bedeuten kann, dass nicht die Kompetenz als Ganzes begrenzt ist. Womöglich ist nur ein bestimmter Teilfaktor betroffen, etwa das Verständnis von Mimik oder Sprachmelodie“, so Kanske. Ein einzelner Test reiche daher nicht aus, um einer Person mangelnde soziale Fähigkeiten zu bescheinigen. 

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von
Arbeitgeberprofile - ccc Creative Commons

Die Operation Karriere Arbeitgeberprofile

Informiere dich über deinen zukünftigen Arbeitgeber oder über weitere Unternehmen, die sich speziell für dich präsentieren.
 Alle Profile findest du hier.