Der eArztbrief macht vieles einfacher

Die Kommunikation zwischen dem Klinikum und dem weiterbehandelnden Arzt läuft derzeit noch meistens postalisch. Dabei könnte mit dem eArztbrief viel Zeit eingespart werden.

eArztbrief

Der eArztbrief bringt Ärzte zunächst vor allem eines: Mehr Zeit. | Coloures-pic/Fotolia

Mit dem Arztbrief informiert der Arzt andere Heilberufler, die an der Therapie des Patienten beteiligt sind. Der Arztbrief enthält Angaben zur Anamnese,  zum Verlauf, zur Diagnostik, zur Therapie des Patienten und Empfehlungen, wie die Behandlung fortzuführen ist. Mit ihm kommen Ärzte ihrer Dokumentationspflicht nach, der sie laut der Berufsordnung für Ärzte (MBO-Ä), gemäß des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V) verpflichtet sind.

Mehr Austausch, mehr Kooperation

Der Arztbrief ist damit ein wichtiges Kommunikationsmittel zwischen Krankenhausärzten und niedergelassenen Ärzten. Denn nur, wenn dem niedergelassenen Arzt ein ausführlicher Bericht vorliegt, kann er den Patienten angemessen weiterbehandeln. Nehmen sich Klinikärzte die Zeit, um den Brief sorgfältig zu verfassen und ihn möglichst noch vor dem Verlassen des Patienten an den weiterbehandelnen Arzt zu verschicken, ist dies auch Ausdruck einer Kooperationsbereitschaft mit den niedergelassenen Kollegen. Damit ist der Arztbrief ein wichtiges Instrument, um Vertrauen zu schaffen und niedergelassene Ärzte an ein Klinikum zu binden.

Kommunikation funktioniert noch nicht

In einer Umfrage unter 516 Hausärzten hat Dr. med. Gisela Schott von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in Berlin jedoch nachweisen können, dass der Klinikum-Praxis-Austausch häufig noch nicht gut funktioniert. So gab eine Mehrheit der befragten Hausärzte an, dass Informationen zur Entlassmedikation erst an dem Tag, an dem der Patient  in der Praxis vorstellig wurde, bei ihnen eintrafen. Ein Drittel der Befragten gab an, dass die Arztbriefe sogar noch später als die Patienten bei ihnen ankamen, was die Weiterbehandlung verzögerte.

Auch der Informationsgehalt der Briefe war vielen Hausärzten zu niedrig. So gaben nur etwa die Hälfte an, dass der Wirkstoff im Medikationsplan häufig oder sehr häufig genannt wird. Nahezu 50 Prozent der Befragten bedauerten, dass nur selten oder nie Gründe für eine Medikationsänderungen angegeben wurden. Des Weiteren sahen sich ein Drittel der befragten Hausärzte gezwungen, Medikationspläne aus Kostengründen häufig wieder umzustellen. Klinikärzte wüssten oft nicht, wie das Arzneimittelbudget von Hausärzten aussieht und würden deshalb zu teure Medikamente verschreiben.

eArztbrief spart Zeit

Der Grund  für die unvollständigen Arztbriefe ist leicht zu benennen: Es fehlt an Zeit! Die meisten Arztbriefe werden elektronisch erstellt, dann auf Papier ausgedruckt und vom Empfänger mittels Scanner wieder digitalisiert. Dieser Medienbruch behindert die Zusammenarbeit zwischen stationärer und ambulanter medizinischer Versorgung. Deshalb sind die Vorgaben, die im E-Health-Gesetz geregelt werden, sinnvoll. Künftig soll der Arzt den Arztbrief per Knopfdruck elektronisch übermitteln (eArztbrief). Dadurch erhält der Empfänger den Brief schneller und kann zeitnah Rückfragen stellen.

Arztbrief

Der Arztbrief ist das wichtigste Transferdokument zwischen zwei Behandlern. In der Ausbildung wird dieses Kommunikationsmittel jedoch nicht in ausreichender Breite behandelt. Diese kurze Übersicht führt die bedeutendsten Eckpunkte des Arztbriefes auf.

weiterlesen

Allerdings müssen bei der digitalen Kommunikation bestimmte Kriterien berücksichtigt werden. Die Daten müssen über einen sicheren Kanal übertragen und die Dokumente verschlüsselt übermittelt werden.  Vorteilhaft ist, dass der Aufbau und Inhalt eines eArztbriefs standardisiert werden kann. Relevante Informationen zu Medikation, Laborwerten und Diagnostik müssen dann nicht jedes Mal neu eingetragen werden, weil sie bereits digital und strukturiert vorliegen. Mit vorkonfigurierte Textbausteine können häufig vorkommende komplexe Befunddokumentationen erstellt werden, was ebenfalls viel Zeit spart.

Seit dem 01.01.2016 wird der Versand und Empfang von eArztbriefen mit insgesamt 55 Cent gefördert. Diese Förderung ist auch noch im Jahr 2017 gegeben. Wie sie im Jahr 2018 aussieht, muss erst wieder neu verhandelt werden. 

Quelle: Ärzteblatt.de; Der Allgemeinarzt, 2015, 37 (13)