Blutgerinnungshemmer: OP-Vorbereitung per App

Wann müssen vor einer Operation Medikamente abgesetzt werden, die die Blutgerinnung hemmen? So pauschal lässt sich das meistens nicht sagen. Am Uniklinikum Freiburg wird deshalb jetzt eine App entwickelt, die Ärzten und Patienten bei der OP-Vorbereitung helfen soll.

Apps sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und erleichtern auch Medizinern immer stärker das Leben: zum Beispiel bei der Vorbereitung von Operationen. | Rawpixel.com / stock.adobe.com

Operationsvorbereitung per App: Das soll dank eines Projekts der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Freiburg möglich werden. Die App soll die Frage klären, ob und wann Blutgerinnunshemmer abgesetzt werden müssen. Diese Entscheidung sei aufgrund neuer Wirkstoffe, sich kontinuierlich ändernder wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie unterschiedlicher Blutungsrisikogruppen der Eingriffe sehr komplex geworden, heißt es von der Klinik.

Gemeinsam mit Forschern der Klinik für Kardiologie der Medizinischen Universität Warschau (WUM) und Industriepartnern aus den Bereichen Computer-Design und IT entwickeln die Freiburger Ärzte und Forscher nun eine neue App, die Mediziner bei der Therapieentscheidung unterstützen und Patienten aufklären soll. Die Entwicklung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der „Deutsch-Polnischen Kooperation zum Technologietransfer in der Digitalen Wirtschaft“ (DPT) mit 300.000 Euro gefördert.

Risiko Blutgerinnunshemmer

Rund 65 Millionen Menschen in Europa nehmen regelmäßig Blutgerinnungshemmer, um beispielsweise ihr Schlaganfall- oder Herzinfarktrisiko zu senken. Bei einer Operation kann durch diese Medikamente allerdings das Blutungsrisiko steigen. Anders als früher müssen moderne Gerinnungshemmer oft erst kurz vor dem Eingriff abgesetzt werden, manche sogar gar nicht. „Aktuell wird die gerinnungshemmende Therapie oft zu früh vor dem Eingriff beendet und die Medikamente mit zum Teil falschen Präparaten ersetzt. Das kann zum Schaden der Patienten sein“, sagt Prof. Dr. Arkadiusz Miernik, Geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Sektion Urotechnologie der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Freiburg.

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Die meisten Menschen in Deutschland befürworten Forschung zu digitalen Medizinprodukten. Das ergab eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Auftrag gegebene Studie.

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In der geplanten App, die Miernik und sein Team entwickeln, soll es einen Ärzte- und einen Patientenmodus geben. „Den Patienten möchten wir allgemeine Informationen rund um das Thema medikamentöse Gerinnungshemmung und Operation zur Verfügung stellen, eventuell auch als Video. Die Ärzte sollen konkrete, evidenzbasierte Informationen zu den geläufigen Standards und eine Behandlungsempfehlung erhalten“, erklärt Miernik.

Alle Bedürfnisse berücksichtigen

Aber was wünschen sich die künftigen User für die App? Um das zu klären, gab es vor einigen Wochen einen Workshop in Freiburg. Daran nahmen neben den Projektpartnern auch Klinik- und niedergelassene Ärzte, Pflegekräfte und Patienten teil. „Die Rückmeldung der Beteiligten war sehr positiv. Insgesamt zeigte sich, dass derartige Info-Apps heute besser angenommen werden als normale Websites“, sagt Projektkoordinatorin Friederike Praus, Wissenschaftlerin und Medizinerin in der Sektion für Urotechnologie der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Insgesamt gingen für das DPT-Förderprogramm rund 100 Anträge ein, neun wurden zur Förderung ausgewählt. Davon wurde das Freiburger App-Projekt CHASER (antiCoagulation Help App for SurgERy) von der Jury am besten bewertet. „Besonders positiv wurde bewertet, dass unser Projekt von Anfang an Medizin-Fachleute, Programmierer und Experten für digitale Nutzer-Computer-Interaktion zusammenbringt. Das ist eine hervorragende Grundlage für ein erfolgreiches Projekt“, so Dr. Philippe-Fabian Müller, verantwortlicher Projektleiter der Sektion für Urotechnologie der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg