Arztzahlprognosen: Immer mehr Praxen ohne Nachfolger

In vielen Regionen in Deutschland wird es immer schwieriger für Praxisinhaber, einen Nachfolger zu finden. Das geht aus einer neuen Arztzahlprognose für Niedersachsen und einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ hervor.

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Im vergangenen Jahr sind demnach vor allem in den deutschen Flächenländern viele Stellen für Hausärzte unbesetzt geblieben. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Bundesweit konnten danach 5,9 Prozent der geplanten Plätze für Niederlassungen nicht vergeben werden, Spitzenreiter war das Saarland, wo 12,3 Prozent der Stellen unbesetzt blieben. In Sachsen-Anhalt waren es 10,4 Prozent. Auch in Rheinland-Pfalz (9,5 Prozent) sowie in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 8,9 Prozent) ließen sich deutlich weniger Hausärzte nieder, als für den Bedarf der Länder geplant.

Stadtstaaten wie Hamburg (null Prozent) und Berlin (0,7 Prozent) waren dagegen deutlich besser mit Allgemeinmedizinern versorgt. Bundesweit blieben laut der Antwort insgesamt 3.280 Niederlassungen für Hausärzte frei, bei Fachärzten waren es 1.933.

Laut einer neuen Arztzahlprognose der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) wird die Zahl der Hausärzte in Niedersachsen bis zum Jahr 2035 von jetzt 5.044 auf rund 3.750 sinken. Auch bei der fachärztlichen Versorgung werde es „starke Tendenzen in Richtung Unterversorgung in den ländlichen Planungsbereichen geben“. Betroffen sind die Fachgruppen der Augenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Nervenärzte und Urologen.

„Die Sicherstellung der flächendeckenden Vertragsärztlichen Versorgung wird immer schwerer werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KV, Mark Barjenbruch, bei der Vorstellung der Arztzahlprognose in Hannover.

Die Studie haben Wissenschaftler der Leibniz Universität Hannover durchgeführt. Danach wird im Jahr 2035 der Großteil der ländlichen hausärztlichen Planungsbereiche einen Versorgungsgrad unter 75 Prozent aufweisen. Die ländlichen Planungsbereiche werden zunehmend deutlich schlechter versorgt sein als die städtischen. Gleichzeitig werde die Bevölkerung in den meisten Bereichen Niedersachsens deutlicher älter und damit morbider sein als im Augenblick.

Die KV hat der Universität Hannover zusätzlich den Auftrag gegeben zu simulieren, wie sich die seitens der Landesregierung geplante Erhöhung der Zahl der Studienplätze für Medizinstudierende an den drei niedersächsischen Fakultäten in Göttingen, Hannover und Oldenburg auf die mittelfristige Versorgung auswirken könnte. „Hier wurde leider zu viel Zeit verschwendet und eine Gelegenheit vertan, dem drohenden und teils bereits realen Ärztemangel zu begegnen und die vertragsärztliche Versorgung mittel- und vor allem langfristig zu stärken.“

Selbst wenn ab sofort alle mehr oder minder konkret angekündigten Maßnahmen – mehr Studienplätze und eine Landarztquote – vollständig umgesetzt würden, werde dies bis 2035 keine nennenswerten positiven Effekte auf die Versorgung haben. Erst nach 2035 wäre langsam mit spürbaren Effekten zu rechnen, sagte der stellvertretende KV-Vorstands­vorsitzende Jörg Berling.

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