Work-Life-Balance: Es wird Zeit für einen Paradigmenwechsel!

Wie unterstützt Ihr Studierende bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Julia: Wir sind ja Teil der bvmd und repräsentieren die ca. sechs bis acht Prozent der Medizinstudierenden mit Kind – zum Beispiel in Ministerien, auf Tagungen, in anderen Verbänden und gegenüber der Presse. Außerdem arbeiten wir mit den Fachschaften vor Ort zusammen. Wir beraten Multiplikatoren und helfen, die Umsetzung familienfreundlicher Strukturen voranzutreiben. Gerade haben wir zum ersten Mal ein Workshop zur Vernetzung abgehalten, der ein voller Erfolg war. Wir hatten Vertreterinnen und Vertreter von zehn verschiedenen Standorten zu Gast in Hamburg und konnten digital und vor Ort die Basis für ein Netzwerk legen. Das machen wir im nächsten Jahr sicher wieder, diesmal mit den gesammelten Erfahrungen des ersten Workshops. Wir finden das super aufregend.

Katja: Der Großteil meiner Arbeit ist Beratung: Was findet man wo? Wer ist Ansprechpartner? Welche Möglichkeiten habe ich? Wie finanziere ich mich zukünftig? Die Vernetzung untereinander und innerhalb eines Semesters ist meist der Start.

Anne: Am UKE machen wir zusätzlich zur Beratung immer wieder darauf aufmerksam, dass sich was ändern muss. Viele Jahrgänge vor uns hatten dafür nicht auch noch die Kraft. Das ist der Grund, warum viele medizinische Fakultäten weit hinterher sind mit Hilfsangeboten bzw.
Unterstützungsangeboten für Studierende mit Familie.

Die Balance zwischen Beruf und Privatleben scheint jungen Medizinern heute wichtiger zu sein als früheren Generationen. Was glaubt Ihr – warum ist das so?

Julia: Ich würde sagen, die Generation der jetzt 20-30-Jährigen kann ihre Bedürfnisse einfach besser artikulieren als ihre Eltern und Großeltern, weil sie gelernt haben, dass ihre Bedürfnisse
zählen.

Natalja Ostankov ist 28, zweifache Mutter und studiert Medizin in München. Kann man das alles unter einen Hut bringen? Sie sagt ja und schildert in diesem Blog, wie der Alltag zwischen Kindern und Klinik aussieht. Teil 7: Ich bin wieder zurück!

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Katja: Außerdem ermöglicht es der Stellenmarkt inzwischen tatsächlich allen Beschäftigten im Gesundheitswesen, ihre Wünsche nicht nur zu denken, sondern konkret einzufordern. Unsere
Generation ist viel mobiler und hat dadurch mehr Auswahl: Ein Umzug in eine andere Stadt und somit auch der Wechsel in ein anderes Haus ist für viele kein Problem.

Ein Engagement gibt auch den Ehrenamtlichen immer etwas zurück. Warum engagiert Ihr Euch in diesem Bereich und was nehmt Ihr für Euch persönlich aus diesem Engagement mit?


Julia: Ich bin Zweitstudentin und habe als kinderlose Studierende viel klarer gesehen, dass es eine unsichtbare Grenze zwischen den Studierenden mit Kind und denen ohne Kind gibt. Als ich dann mit Kind anfing, Medizin zu studieren, habe ich die Grenze selbst gespürt. Die ist übrigens nicht
absichtlich da! Das Leben ist einfach ein ganz anderes mit Kind und Studium und vielleicht noch Job gegenüber kinderlos, jung und vielleicht das erste Mal auf eigenen Füßen. Ich habe die tollsten Kommilitoninnen und Kommilitonen des Landes gefunden unter den anderen Studierenden mit Kind
und teile meine Erfahrungen gerne, um anderen wie mir bzw. uns zu helfen.

Katja:
Ich ziehe aus dem Ehrenamt vor allem Motivation an schlechten Tagen, alle sitzen im selben Boot und viele haben ihr Studium erfolgreich hinter sich gebracht – also kein Grund, es nicht auch zu schaffen.

Anne: Mir ist es wichtig, dass jeder Medizin studieren kann, auch wenn man schon Kinder hat. Und vor allem, auch wenn man keine Unterstützung durch die eigene Familie bekommt. Wenn sich etwas durch mein Engagement ändert, so dass dieser Wunsch eine Zukunft hat, macht mich dies zufrieden und glücklich.

Mit dem Projekt freundilie setzt sich die bvmd für ein familienfreundliches, gesundes, und menschliches Arbeiten als Arzt und Ärztin ein. Im Mittelpunkt steht der Anspruch, trotz Studien- und Berufsalltag Zeit mit Freunden und Familie (= freundilie) verbringen zu können.

Mehr Infos: www.bvmd.de/unsere-arbeit/projekte/freundilie/
Kontakt: freundilie@bvmd.de

Es gibt viele Möglichkeiten, sich schon während des Studiums für andere einzusetzen – das beweisen die sozialen Initiativen und Vereine, die von Medizinstudenten ins Leben gerufen werden. In dieser Rubrik stellen wir einige davon vor.