Wenn aus dem OP gute Nachrichten kommen: Das Wunder des Lebens

Operation Karriere-Bloggerin Eileithyia möchte Gynäkologin werden. Vor allem die Geburtshilfe fasziniert sie – der Moment, wenn im Kreißsaal ein neues Leben beginnt. Warum diese Erfahrung für sie der schönste Bereich der Medizin ist, beschreibt sie im Beitrag.

In der griechischen Mythologie ist Eileithyia die Göttin der Geburt und Beschützerin gebärender Frauen. Unsere Autorin möchte Gynäkologin werden. Da es in ihrem Blog um sehr persönliche Themen geht, schreibt sie unter einem Pseudonym. | privat / DÄV

Team Time Out – Schmerzempfindlichkeit testen – Schnitt.
Und keine fünf Minuten später ist – sofern es keine Komplikationen gibt – das Baby da.

Ich habe seit dem Beginn meiner medizinischen Laufbahn schon viele Operationen gesehen, stand bei kardiochirurgischen Eingriffen mit am Tisch und habe geholfen, Herzklappen zu ersetzen, durfte an Carotis-OPs teilnehmen und bei laparaskopischen Eingriffen assistieren. Aber nichts von alledem hat mich je so beeindruckt wie ein Kaiserschnitt.

Ich erinnere mich noch an den ersten Tag meiner Famulatur im Kreißsaal vor drei Jahren. Ich bin angekommen und sollte direkt im OP assistieren.
Ich hatte noch nicht einmal Zeit, in den üblichen Teufelskreis reinzurutschen: Mir ist langweilig – Ich bin im OP, da wird mir doch immer schwindelig – lieber mit den Füßen wippen – Konzentrier dich auf irgendwas – und zu spät: Abtreten – Mal wieder.
Denn kaum stand ich am Tisch, da lag auch schon ein Neugeborenes im OP-Feld und ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper.

„Herzlichen Glückwunsch“ statt „Mein Beileid"

Für mich war das der Moment, in dem ich wusste, ich möchte in der Geburtshilfe arbeiten – natürlich nicht ohne diesen Entschluss immer wieder anzuzweifeln.
Und gerade jetzt, da ich als PJ-lerin im Kreißsaal bin, fühle ich mich Tag für Tag bestätigt. Das Gefühl, nicht ständig eine ernste Miene zur Schau stellen zu müssen – das tut besonders in dieser momentan so verrückten und von Corona regierten Welt gut. Im Kreißsaal läuft die Zeit normal weiter, Kinder werden trotz allem geboren.
In unserem Beruf beschäftigt man sich ständig mit schrecklichen Schicksalen. Da ist es schön, mal nicht der Überbringer schlechter, sondern guter Nachrichten sein zu dürfen. „Herzlichen Glückwunsch“ statt „Mein Beileid“.

Dr. Ralph Kästner ist Oberarzt am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München in der Abteilung für Geburtshilfe. Im Interview spricht er über seine komplizierteste Entbindung in diesem Jahr, die Zukunft der Frauenheilkunde und worauf er bei der Bewerbung für die Assistenzarztausbildung Wert legt.

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Natürlich hat man als Arzt dennoch insbesondere mit den Frauen intensiv zu tun, bei denen es gerade nicht perfekt läuft. Umso mehr genieße ich meine Luxus-Position als Studentin im Moment. Die Möglichkeit, tagtäglich Geburten zu begleiten, einfach im Raum zu sein, den Frauen vielleicht etwas gut zureden oder ihre Hand halten zu können – und so ganz nebenbei das Wunder des Lebens zu sehen.

Große Emotionen

Die Gynäkologie hilft mir, mein Vertrauen in die Arbeit im Krankenhaus zurückzuerlangen. Nicht zuletzt deshalb, weil Emotionen insbesondere in der Geburtshilfe einen unheimlich hohen Stellenwert einnehmen. Sicher, wenn man für diese Themen einen Blick hat, weiß man, dass Psychologie und der Umgang mit den Patienten in egal welchem Fachbereich unheimlich wichtig sind. Das ist jedoch zum einen oft vom Eigenengagement abhängig und wird in den seltensten Fällen so selbstverständlich umgesetzt wie in der Gynäkologie. Das bedeutet nicht, dass man nur am Händchen halten und gut zureden ist – in der Geburtshilfe kommt es auf schnelle Entscheidungen und bestimmtes Handeln an – aber ein empathischer Umgang mit den Patientinnen wird sehr großgeschrieben. Für diesen Umstand mag es verschiedene Gründe geben – seien es die oft sehr intimen Gesprächsinhalte, die Notwendigkeit der Mitarbeit der Patientinnen während der Geburt oder nicht zuletzt die großen Emotionen aller Beteiligten. Mit Sicherheit ist auch das etwas, wofür man gemacht sein muss, wie in jedem anderen Fach auch.

Ich habe für mich festgestellt, dass es genau die Menge an psychologischer Unterstützung ist, die ich bieten kann und auch möchte. Weil für mich der emotional-psychische Teil eine so wichtige Rolle spielt beim Umgang mit Patienten. Er eröffnet einen völlig anderen Zugang zu eigentlich fremden Menschen.

Die schönste Zeit meines Studiums

Und so kann ich sagen, dass die letzten acht Wochen im Kreißsaal die mit Abstand schönsten in meinem bisherigen Studium waren und ich – zumindest für den Moment – sehr sicher bin, wie meine berufliche Zukunft aussehen wird.

In unserer Blogger Zone finden sich unsere Bloggerinnen und Blogger, die regelmäßig auf Operation Karriere von ihren Erfahrungen aus Studium und Praxis berichten.

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