RWTH Aachen: Neues Modellprojekt zur Palliativmedizin

Welche Betreuung brauchen unheilbar kranke Patienten am Ende ihres Lebens? An der Uniklinik RWTH Aachen lernen Medizinstudierende und Pflege-Auszubildende künftig gemeinsam, wie sie diese Herausforderung am besten meistern.

Der Umgang mit sterbenden Patienten fällt vielen Nachwuchsmedizinern und -pflegekräften schwer. In Aachen sollen sie jetzt lernen, wie sie empathisch bleiben, dabei aber auch gut für sich selbst sorgen. | Photographee.eu - stock.adobe.com

Das Aachener Modellprojekt trägt den Namen "OpTEAMal". Ziel ist es, den angehenden Ärzten und Pflegekräften ein gemeinsames, interprofessionelles Lernen zum Thema Palliativmedizin schon während ihrer Ausbildung zu ermöglichen. In einer Pilot- und Implementierungsphase sollen zunächst knapp 30 Personen – je zur Hälfte Medizinstudierende der RWTH Aachen und Pflegeschülerinnen und -schüler der Berufs- und Bildungsakademie der Aachener Uniklinik. Sie sollen sich in sechs Modulen gemeinsam mit der Palliativmedizin auseinandersetzen.

Wichtig sind dabei vor allem kommunikative Fähigkeiten: Schließlich belastet eine unheilbare Erkrankung nicht nur die Patienten selbst, sondern auch ihre Angehörigen. In professionsübergreifenden Gruppen wird daher vor allem die Kommunikation trainiert. Außerdem auf dem Lehrplan: Aspekte der Selbstfürsorge und der interkulturellen Öffnung. Dabei soll es immer wieder Übungen und Rollenspiele geben, die sich auf konkrete Fallbeispiele aus dem klinischen Alltag beziehen. Das Modellprojekt wird von der Klinik für Palliativmedizin der Uniklinik RWTH Aachen unter Leitung von Klinikdirektor Univ.-Prof. Dr. med. Roman Rolke evaluiert.

Interaktives Lernen im Team

Rolke ist zugleich auch Projektleiter von OpTEAMal, der sich freut, dass palliative Themen wie der Umgang mit unheilbarer Erkrankung oder die Kommunikation mit Schwerstkranken über Trauer mit dem Projekt in den Fokus gerückt werden: "Diese Themen sind die Grundlage für interaktives Lernen im Team, mit dem das Projekt OpTEAMal in Sachen Teaching neue Wege an der Uniklinik RWTH Aachen geht.“

Es ist für viele Medizinstudierende nicht leicht, im Arztberuf empathisch zu bleiben ohne auszubrennen. Doch eine gute Medizin braucht mitfühlende Ärztinnen und Ärzte, die den Spagat zwischen Nähe und Distanz meistern.

weiterlesen

Für Univ.-Prof. Dr. Stefan Uhlig, den Dekan der Medizinischen Fakultät, ist das Projekt auch ein Weg, den Aachener Modellstudiengang zukunftssicher zu machen: "Mit dem aktuellen Entwurf für eine neue Approbationsordnung (Ausbildungsordnung für das Medizinstudium) wird der erfolgreiche Aachener Modellstudiengang in seiner bisherigen Form infrage gestellt. Dennoch unternehmen wir jetzt schon mit OpTEAMal vorausschauend die nächsten Schritte, um mehr interprofessionelle Kompetenzen aufzubauen – eines der Ziele der neuen Approbationsordnung, die ab 2025 greifen soll. Als Dekan unterstütze ich gerne Initiativen wie OpTEAMal, die sehr gut in unseren Modellstudiengang hineinpassen."

Und auch Rudolf Henke, der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, lobt das neue Projekt: "Schwerstkranke und sterbende Menschen gut zu begleiten und ihre Würde und Selbstbestimmung zu achten – das gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Gesundheitsberufe. Durch das Schulungsangebot werden palliative Kernkompetenzen wie Respekt vor den Wünschen der Erkrankten, kommunikative Fähigkeiten im Umgang mit schwersterkrankten Patienten und ihren Zugehörigen, aber auch die Stärkung der eigenen Resilienz thematisiert. Wichtig ist mir auch, dass bei diesem Schulungskonzept die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für einen kultursensiblen Umgang im Gesundheitswesen sensibilisiert werden.“

Modellprojekt für NRW und ganz Deutschland

Das Konzept soll künftig fest als interprofessionelles Lehrangebot in der Aachener Uniklinik und der medizinischen Fakultät eingeführt werden. Darauf aufbauend sollen die Module auch an anderen Standorten in NRW und bundesweit angeboten werden.

Quelle: Uniklinik RWTH Aachen (25.2.2020)