Neuer Lockdown – wie geht es mit dem Medizinstudium weiter?

Ab Montag wird der Alltag bundesweit wieder eingeschränkt. Wie sieht es mit der universitären Lehre aus? Werden die Seminare am Patientenbett wieder abgesagt, so wie im vergangenen Semester? Wir haben uns an einigen großen Fakultäten umgehört.

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An der Charité in Berlin findet der Unterricht am Krankenbett statt, zumindest für ältere Semester. Martin Gavrysh studiert dort im neunten Semester Humanmedizin, am kommenden Mittwoch hat er im neuen Wintersemester sein erstes Praxisseminar – eine Patientin mit Schwangerschaftskomplikationen stellt sich vor. Allerdings muss er vor dem Seminar ein Sars-CoV-2-Test machen und darf nur teilnehmen, wenn er negativ getestet wurde. 

Für Erst- oder Zweitsemester, die an der Charité vor Corona direkt in die Patientenbehandlung miteinbezogen wurden, heißt es weiterhin erst einmal: Die Untersuchungen an Patienten fallen aus. Stattdessen erproben sie die Grundlagen der Untersuchungstechniken an sich gegenseitig. „Es ist toll, das gesunde Herz bei der nierenkranken Patientin abzuhören, beim gesunden Kommilitonen kann ich die Untersuchungstechnik aber genauso gut erlernen“, sagt Gavrysh. Die Theorieveranstaltungen werden – wie schon im Sommersemester – vorwiegend gestreamt. 

Praxisseminare in Heidelberg und München

Auch an der Uni Heidelberg sieht es so aus, als ob die Seminare am Krankenbett erst einmal nicht ausfallen: „Es ist klar, dass die praktische Ausbildung wichtig ist, deshalb werden derzeit Lösungen erarbeitet, die eine Tätigkeit am Krankenbett möglich machen“, sagt die Pressesprecherin der Uniklinik Doris Rübsam-Brodkorb. 

Und wie verfährt man an der größten Mediziner-Uni Deutschlands, der LMU München mit fast 6.000 Medizin-Studierenden? Auch hier können die üblichen Kurse und Praktika vor Ort an der Uni absolviert werden, allerdings in kleineren Gruppen und mit reduziertem Inhalt. "Wie auch immer die Pandemie und die Reaktionen darauf sich entwickeln, man kann dieses Semester erfolgreich abschließen. Das hat erste Priorität", heißt es von der Medizinischen Fakultät der LMU. 

Das vergangene Sommersemester war turbulent: Wegen der COVID-19-Pandemie musste schnell auf digitale Lehrmethoden umgestellt werden. Die Bundesvereinigung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) zieht nun Bilanz und schlägt Verbesserungen vor.

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Philip Simon, Vorsitzender des Studierendenausschusses vom Hartmannbund, findet es gut, dass der Patientenkontakt nicht komplett eingestellt wird: „Im letzten Sommersemester sind viele Praxis-Seminare ausgefallen, die Therapie am Patientenbett ist aber ein wichtiger Bestandteil unserer Lehre.“

Staatsexamenprüfungen im Frühjahr 

Simon mahnt an, dass sich ein Chaos, wie im vergangenen Sommersemester, nicht wiederholen dürfe. Die Qualität und der zeitliche Umfang der Lehre sollten durch digital stattfindende Lehrveranstaltungen nicht abnehmen. Auch die Examensprüfungen im März und April sollten nicht so chaotisch verlaufen wie in diesem Jahr. Im April waren die M2-Prüfungen in Baden-Württemberg und Bayern abgesagt worden, in allen anderen Bundesländern wurden sie durchgeführt. Das war für Medizinstudierende aus den betroffenen Bundesländern ein Schock. So auch für unsere Bloggerin Natalja Ostankov. Bislang sieht es so aus, als ob die Prüfungen im kommenden März (Physikum) und April (M2) regulär stattfinden.

Lehre ist Ländersache; wie sie an deiner Uni weiterläuft, erfragst du deshalb am besten bei der zuständigen Stelle. Zumindest an den drei größten Medizinerunis Deutschlands – der Charité, der LMU und der Uni Heidelberg – finden Patientenseminare aber weiterhin statt.  

Hier findest Du alles zur COVID-19-Pandemie: Wie kannst Du helfen? Was wird aus den Staatsexamens-Prüfungen? Und wie erleben andere junge Mediziner die aktuelle Situation?