"MiLaMed": Ostdeutsche Unis wollen ärztlichen Nachwuchs fürs Land begeistern

In den ländlichen Regionen von Sachsen und Sachsen-Anhalt wird händeringend ärztlicher Nachwuchs gesucht. Mit einem neuen Lehrkonzept wollen die Unis Halle und Leipzig jetzt Medizinstudierende für eine Tätigkeit außerhalb der Großstädte gewinnen.

Mit dem Slogan "Lernen, wo andere Urlaub machen" werben die Unis Leipzig und Halle für das MiLaMed-Projekt. | Universität Leipzig / Dr. Stefan Lippmann

"MiLaMed" heißt das neue Konzept, das zunächst in den vier Modellregionen Nordsachsen, Vogtlandkreis und Anhalt-Bitterfeld, Mansfeld-Südharz startet. Das Kürzel steht für den etwas sperrigen Begriff „Mitteldeutsches Konzept zur longitudinalen Integration landärztlicher Ausbildungsinhalte und Erfahrungen in das Medizinstudium“. Geplant sind neue Lehrinhalte an den Unis und Praktika in ländlichen Regionen, die Medizinstudierende für die Arbeit außerhalb der Großstädte begeistern sollen. Neben Hausärzten werden in Zukunft in den Modellregionen auch Dermatologen, Augenärzte und Kinderärzte gebraucht.

„Entsprechende Praktika geben Medizinstudierenden die Gelegenheit, Land, Leute und die medizinische Versorgung vor Ort kennen und schätzen zu lernen, eventuelle Vorurteile abzubauen und letztlich die Vielfalt ihrer Perspektiven im Hinblick auf Beruf und Lebensplanung zu erweitern“, erklärt MiLaMed-Projektleiter Dr. Tobias Deutsch. Im MiLaMed-Verbund sind aktuell insgesamt 95 Hausärzte, 81 Fachärzte und 20 Kliniken vertreten.

Ein Jahr hat es gedauert, das Konzept auf den Weg zu bringen. In dieser Zeit wurden Studierende und Ärzte befragt, viele Gespräche mit Landratsämtern und Bürgermeistern geführt, Rahmenbedingungen für Praktika verhandelt, Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung ausgekundschaftet sowie Arztpraxen und Krankenhäuser als Praktikumsanbieter angeworben.

Lehrinhalte rund um den ländlichen Raum

Mit dem Sommersemester 2020 kann es nun losgehen: Die Studierenden begegnen während ihres gesamten Studiums neuen Lehrinhalten, beispielsweise Themen wie:

  • die strukturellen Besonderheiten ländlicher Versorgung,
  • telemedizinische Ansätze,
  • die wichtigen Schwerpunkte an der Schnittstelle zwischen haus- und fachärztlicher Versorgung.

Ein wichtiger Bestandteil des neuen Lehrkonzepts sind die Praktika, die in den jeweils zwei Modellregionen in Sachsen (Vogtlandkreis und Nordsachsen) und Sachsen-Anhalt (Mansfeld-Südharz und Anhalt-Bitterfeld) angeboten werden. „Das Besondere an unserem Projekt ist, dass jede Art von Praktikum im Studienverlauf gefördert wird, vom Pflegepraktikum bis zum Praktischen Jahr. Und das unabhängig von der Fachrichtung, denn Bedarf gibt es nicht nur in der Allgemeinmedizin und Karriereentscheidungen sind im Studium ja häufig auch noch nicht in Stein gemeißelt“, betont Deutsch.

Über MiLaMed können den Studierenden die Kosten für Fahrt und Unterkunft vor Ort erstattet werden. Die beteiligten Landkreise bieten darüber hinaus auch Unterstützung bei der Suche nach einer Unterkunft, der Mobilität vor Ort und der Finanzierung von Freizeitaktivitäten an. „Ich kann den Studierenden ein Praktikum in den Modellregionen nur wärmstens empfehlen, sie werden dort mit offenen Armen empfangen und sicherlich sehr gut betreut“, lobt Deutsch.

Corona zwingt zu kreativen Lösungen

Allerdings: Auch bei diesem Projekt gibt es Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. „Wir bemühen uns aber um kreative Lösungen", erklärt  Prof. Dr. Markus Bleckwenn, Lehrstuhlinhaber für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. „Zum Beispiel haben wir unser Blockpraktikum Allgemeinmedizin virtuell umgesetzt und bringen Studierende und Landarztpraxen nun via Video-Sprechstunde miteinander in Kontakt. Vielleicht ergibt sich darüber ja ein späteres Praktikum.“

Der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Thomas Frese, erklärt: „Das Interesse der Öffentlichkeit, der Politik vor Ort, aber auch der Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten in den Pilotregionen war sehr hoch. Bereits im Rahmen der Antragstellung haben wir exzellente Unterstützung erfahren. Die notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor Corona haben den Projektstart natürlich verändert. Im Rahmen von zügig entwickelten und von den Studierenden gut angenommenen Online-Formaten für Vorlesungen und Seminare werden die Lehrinhalte des MiLaMed-Projektes aber dennoch transportiert."

Das MiLaMed-Projekt wird nun zunächst zwei Jahre lang erprobt und wissenschaftlich evaluiert. Danach könnte es auch auf weitere Landkreise ausgeweitet werden. MiLaMed wird vom Bundesgesundheitsministerium und Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus gefördert.

Mehr Infos zum Projekt findest Du unter www.milamed.de.

Quelle: Universität Leipzig (15.5.2020)