Mehr als 100.000 Unterschriften: Petition für faires PJ übergeben

In Berlin ist am vergangenen Freitag die Petition für ein faires PJ an das Bundesministerium der Gesundheit übergeben worden. Insgesamt 108.654 Unterstützer hatten die Petition der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) unterschrieben.

Von links nach rechts: Joachim Pankert, Theresa Wilhelm, Peter Jan Chabiera, Ralf Suhr, Referat 314 (Ausbildung und Berufszugang zu den Heilberufen I), Markus Algermissen, Leiter der Unterabteilung 31 (Medizin- und Berufsrecht), Susanne Wald, Leiterin der Abteilung 3 (Gesundheitsschutz, Medizin und Berufsrecht), Carolin Siech, Louise Hegge, Martin Jonathan Gavrysh. | bvmd

Die bvmd bezeichnet die Petitionsübergabe in einer Pressemitteilung als "wesentlichen Meilenstein" auf dem Weg zu einem fairen PJ. Den Termin nutzten die Vertreter der Medizinstudierenden dazu, die Vorschläge mit den Verfassern der Approbationsordnung zu diskutieren.

bvmd-Präsident Peter Jan Chabiera ruft die Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene nun dazu auf, mehrdimensionale Lösungen zu finden, um die Forderungen der Petition umzusetzen: „Das Praktische Jahr ist Dreh- und Angelpunkt des Medizinstudiums. Dies muss sich auch in den politischen Prozessen rund um den Masterplan Medizinstudium 2020 widerspiegeln.”

Die Petition war am 6. Dezember 2018 als Startschuss der Kampagne "Nur Liebe für ein Faires PJ" gestartet. Bisheriger Höhepunkt war der bundesweite Aktionstag am 16. Januar. In diesem Rahmen riefen deutschlandweit Studierendenvertretungen medizinischer Fakultäten, Hochschulen und Fachbereiche zu Demonstrationen, Informations- sowie Diskussionsveranstaltungen auf. Es folgten Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern auf Bundes- und Landesebene, wie der sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange (SPD), Stephan Pilsinger (CSU, MdB und Mitglied des Gesundheitsausschusses) und Ruth Waldmann (SPD, Landtagsabgeordnete am Bayerischen Landtag).

"Das PJ steckt in der Krise", heißt es in einer Petition der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, findet am 16. Januar ein bundesweiter Aktionstag an 36 Fakultäten statt. Was es damit auf sich hat, erklärt Projektleiter Eric Twomey im Interview.

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„Wir fordern faire Bedingungen im Praktischen Jahr des Medizinstudiums. Wir sind keine kostenlosen Stationshilfen. Blutabnahmen und körperliche Untersuchungen allein genügen nicht als Vorbereitung auf die ärztliche Tätigkeit!”, appelliert Eric Twomey, Initiator der Petition und Leiter der PJ-Kampagne an die Entscheidungsträgerinnen und -träger der Hochschulen und Universitätsklinika.

Konkret besteht die Petition aus fünf Forderungen:

  1. BAföG-Höchstsatz als Aufwandsentschädigung und für alle über 25-jährigen zusätzlich den Krankenkassenbeitrag
  2. Das Gewähren von Krankheitstagen in gesplitteten Tertialen
  3. Mindestens vier Stunden Lehrveranstaltungen und mindestens acht Stunden Selbststudium pro Woche
  4. Persönlicher Zugang zum Patientenverwaltungssystem
  5. Eigene Arbeitskleidung und eigene Aufbewahrungsmöglichkeit für Kleidung und persönliche Gegenstände

Bundesweite Umfragen der bvmd zeigen, dass bis zu 40 Prozent der Medizinstudierenden im PJ auf ihr Erspartes zurückgreifen müssen. Rund 28 Prozent sind neben der emotional und körperlich belastenden Vollzeittätigkeit am Krankenbett zudem auf Nebenjobs angewiesen.

Da die Petition mehr als die nötigen 50.000 Unterstützer gefunden hat, muss sich nun die Politik mit den Forderungen befassen.

Quelle: Pressemitteilung der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (19.7.2019)

Welche Möglichkeiten bietet das PJ? Wird ein Auslandsaufenthalt anerkannt? Wie ist die rechtliche Situation, welche Tätigkeiten dürfen ausgeübt werden, welche nicht? Gibt es einen Anspruch auf Vergütung und Urlaub? Erfahre es hier.