Medizinstudent veröffentlicht Lehrbuch: Wie sehen Symptome auf dunkler Haut aus?

"Wie sieht das auf dunkler Haut aus?" Diese Frage hat der Londoner Medizinstudent Malone Mukwende schon oft gestellt, wenn es im Studium um bestimmte Symptome ging. Mit "Mind the gap" hat er nun ein Lehrbuch zum Thema veröffentlicht.

Obwohl ein Großteil der Weltbevölkerung dunkelhäutig ist, kommen schwarze Patienten in medizinischen Lehrbüchern kaum vor. | Monkey Business - stock.adobe.com

Manche Symptome sehen bei dunkelhäutigen Menschen einfach anders aus – beispielsweise Hämatome oder Ausschläge. Allerdings: In medizinischen Lehrbüchern werden in der Regel nur hellhäutige Menschen als Fallbeispiele abgebildet. Der Londononer Medizinstudent Malone Mukwende suchte lange nach einem Buch zu dem Thema. Er fand keines – also machte er sich selbst ans Werk. Denn: Auch wenn es im Medizinstudium meistens um weiße Menschen geht, hat ein Großteil der Weltbevölkerung dunkle Haut.

Das Thema spiele auch eine Rolle während der aktuellen COVID-19-Pandemie, erklärt der 20-Jährige. Denn wenn ein Angehöriger eines möglichen COVID-Patienten beispielsweise bei einer telefonischen Beratung gefragt werde, ob die Haut des Patienten blass und die Lippen bläulich seien, seien diese Fragen bei dunkelhäutigen Menschen für eine Anamnese nicht sehr hilfreich, so der Student. Die Symptome sehen bei schwarzer oder brauner Haut einfach anders aus. Das könne auch die Chance auf eine angemessene Behandlung verschlechtern.

Was ist eigentlich gerade in den USA los? Unsere Gastautorin Aria hat lange dort gelebt. Der Tod von George Floyd und die Demonstrationen der "Black Lives Matter"-Bewegung beschäftigen sie daher sehr. Im Beitrag schildert sie ihre Gedanken und Gefühle in der aktuellen Situation.

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"Das Buch 'Mind the gap' hat eine Diskussion darüber angeregt, wie stark verschiedene Patientengruppen in der medizinischen Lehre repräsentiert sind", erklärt Mukwende, "ich hoffe, dass der Inhalt des Buches und ähnlicher Stoff in Zukunft auch Bestandteil des Medizinstudiums sein werden". Mukwende, der an der University of London studiert, ist vor Kurzem in sein drittes Studienjahr gestartet. Er stammt aus Simbabwe, lebt aber seit seiner frühen Kindheit in Großbritannien. Bei seinem Projekt bekommt er auch viel Unterstützung von Seiten seiner Dozenten. So werden an seiner Universität beispielsweise Projekte gefördert, für die Studierende und Mitglieder des Lehrpersonals zusammenarbeiten.

Das Buch steht kostenlos auf der Webseite Black & Brown Skin zum Download zur Verfügung. Dort können Ärzte und Patienten auch eigene Bildbeispiele von verschiedenen Symptomen hochladen. So will Mukwende eine große Datenbank an Beispielfotos zusammentragen und auch dafür sorgen, dass andere Mediziner dem Thema mehr Aufmerksamkeit widmen. Seit das Buch im Juni 2020 erschienen ist, ist es immerhin schon auf den Leselisten von acht britischen Medizinfakultäten gelandet.

Quellen: St. George's University of London, Black and Brown Skin