Medizinische Forschung ohne Tierversuche: Neue Professur in Hamburg

Wie können Tierversuche in der medizinischen Forschung vermieden und durch andere Methoden ersetzt werden? Um das zu erforschen, wird am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eine neue Professur eingerichtet.

Mehr Tierschutz in der Forschung: In Hamburg sollen künftig neue Methoden entwickelt werden, wie sich Tierversuche vermeiden lassen. | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Im Zentrum für Experimentelle Medizin wird es künftig eine neue Professur für das Fachgebiet "Refinement, Reduction, Replacement" (3R-Verfahren) geben, teilte das UKE mit. Hier sollen alternative Forschungsmethoden entwickelt werden, mit denen künftig so weit wie möglich auf Tierversuche verzichtet werden kann.

Dabei sollen vor allem Methoden wie Computersimulationen, Bildgebungsverfahren, Organoide oder permanente Zellkulturen weiterentwickelt werden, um Tierversuche ersetzen zu können. Dadurch soll nicht nur etwas für den Tierschutz getan werden: Die Forschungsergebnisse sollen so auch leichter auf Menschen übertragbar sein. Außerdem sollen die Themen Tiergesundheit und Tierschutz so stärker in das Medizinstudium eingebunden werden – das UKE verspricht sich davon auch eine größere Sensibilisierung der Studierenden.

Blutproben

Ärztinnen und Ärzte werden künftig eine Rarität in der klinischen Forschung sein! Eine solche Hypothese mag (noch) provokant klingen – sie beruht aber auf Tatsachen, denen es jetzt entgegenzusteuern gilt. Ein Kommentar von Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Politische Redaktion Deutsches Ärzteblatt.

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„Die neue Professur zur Erforschung von Ersatzmethoden für Tierversuche am UKE ist ein wichtiges Signal: Mit der Professur wollen wir den Fortschritt in der Medizin und gleichzeitig den Tierschutz vorantreiben. Hamburg kann einen wertvollen Beitrag dazu leisten, alternative Forschungsmethoden zu fördern und weiterzuentwickeln. In Zukunft wollen wir über Heilmethoden für schwere und tödliche Erkrankungen verfügen, die ohne Tierversuche entwickelt wurden. Unser Ziel ist es, die Anzahl an Tierversuchen am UKE und in der Medizin insgesamt zu reduzieren und perspektivisch ganz abschaffen zu können“, erklärte Senatorin Katharina Fegebank von der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, die die neue Professur finanziert.

Gründliches Abwägen im Einzelfall

Allerdings: Ganz abschaffen kann man Tierversuche wohl vorerst nicht. Für die Identifizierung von Krankheitsursachen und die Entwicklung neuer Therapieansätze sei die Wissenschaft vorerst weiterhin auf Tierversuche angewiesen, heißt es vom UKE. Vor allem Fragestellungen zu komplexen Prozessen, an denen viele verschiedene Organe beteiligt sind, können nur an lebenden Organismen erforscht werden. Das gelte unter anderem für die Forschung zu Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Stoffwechselstörungen. Im Einzelfall müsse hier abgewägt werden, ob ein Tierversuch wirklich notwendig sei oder ob er durch eine andere Methode ersetzt werden könne.

„Wir verfolgen seit Langem das Ziel, Tierversuche auch in der wissenschaftlichen Forschung zu reduzieren. Allein in diesem Jahr werden innerhalb der Medizinischen Fakultät drei größere Forschungsvorhaben unter dieser Prämisse finanziell gefördert. Mit der Einrichtung der Professur gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter, um den verantwortungsvollen Umgang mit Versuchstieren zu stärken“, erklärte Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät und Mitglied im Vorstand des UKE.

Die neue Professur soll zum Herbst 2020 besetzt werden.

Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (12.12.2019)