M2-Prüfungen in Hessen: „Wir wissen immer noch nicht, ob wir in zwei Wochen schreiben“

Sophia Tolle bereitet sich derzeit an der Uni Frankfurt auf das M2-Staatsexamen vor, das eigentlich in zwei Wochen geschrieben werden soll. Anders als in anderen Bundesländern ist in Hessen aber noch nicht klar, ob die Prüfung stattfindet – oder es nächstes Jahr ein Hammerexamen gibt.

Sophia Tolle studiert Medizin an der Uni Frankfurt und bereitet sich aktuell auf das M2 vor. | privat

Sophia, Du lernst gerade für die M2-Prüfung. Wie ist die Lage gerade bei Dir?

Sophia Tolle: Grundsätzlich bin ich im Moment einfach angespannt. Meine Kommilitonen und ich lernen jetzt seit fast einem halben Jahr für diese Prüfung. Und im Endeffekt wissen wir nicht, ob wir umsonst gelernt haben. Hessen hat sich von den großen Bundesländern als einziges noch nicht entschieden, wie das M2 in diesem Jahr gehandhabt wird – das betrifft drei Universitäten: Marburg, Gießen und Frankfurt. Ähnlich schlimm ist für uns, dass auch unsere Mobilität eingeschränkt wird: Wir wissen nicht, ob wir die PJ-Tertiale, die wir zum Teil auch in anderen Bundesländern machen wollen, überhaupt wahrnehmen können. Bayern und Baden-Württemberg haben sich jetzt für das Hammerexamen entschieden. Das bedeutet, in diesen Ländern startet das PJ schon am 20. April. Wenn Hessen sich dieser Lösung anschließt, können wir das PJ in Bayern und Baden-Württemberg machen, woanders aber nicht. Die anderen Länder lassen das M2 ja normal stattfinden. Für uns wird diese Frage auch immer zeitkritischer, weil wir ja immer noch nicht wissen, wie wir planen können.

Bist Du davon auch betroffen? Wo hast Du denn Dein PJ geplant?

Sophia Tolle: Ich will mein PJ eigentlich in Niedersachsen machen. Grundsätzlich wäre das kein Problem: Es gibt ja die Möglichkeit, nach dem M2 die Uni zu wechseln oder unsere Tertiale generell auch an externen Universitäten zu machen. In Niedersachsen wird das M2 allerdings jetzt ganz normal geschrieben. Dort heißt es, dass es ohne M2 nicht ohne Weiteres möglich ist, nach Niedersachsen zu gehen. Das wäre blöd für mich. Ich habe dort schon eine Wohnung gemietet und mein Mietvertrag hier in Frankfurt läuft Ende April aus.

Lernst du im Moment noch ganz normal?

Sophia Tolle: Ich lerne noch, auch wenn das von Tag zu Tag unterschiedlich schwierig ist – je nachdem, wie die Nachrichtenlage gerade ist. Vor vier Wochen habe ich noch mit einer Freundin rumgeflachst, dass wir vielleicht ein Hammerexamen bekommen könnten. Als es dann vor zwei Wochen hieß, dass das durchaus so kommen kann, ging bei mir erstmal zwei Tage gar nichts mit dem Lernen. Da konnte ich mich einfach nicht konzentrieren. Inzwischen folge ich aber wieder meinem Lernplan und versuche, so viel zu lesen und zu kreuzen, wie es geht. Das klappt unterschiedlich gut, weil die Konzentration doch extrem schwankt.

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Wie geht es Dir denn insgesamt? Macht Dir die Situation sehr zu schaffen?

Sophia Tolle: Es ist eine gewisse Grundspannung. Zum einen ist die Vorbereitung aufs Examen ja sowieso keine angenehme Zeit. Man hat weniger Sozialkontakte und verbringt den ganzen Tag damit, Dinge zu lesen, die einen mal mehr, mal weniger interessieren. Und jetzt kommt noch dazu, dass wir erstens nicht wissen, ob wir überhaupt schreiben, und zweitens wissen wir nicht, ob wir das nicht in einem Jahr nochmal alles lernen müssen. Oder auch in einem halben Jahr – es gibt ja auch noch die Möglichkeit, das Examen zu schieben. Diese Unsicherheit macht das alles gerade extrem unangenehm. Man steht irgendwie den ganzen Tag unter Strom. Die letzten fünf Tage haben wir immer auf Nachrichten gewartet, werden aber immer weiter hingehalten. Aber bisher gab es noch keine Information, die uns tatsächlich weiterhilft.

Was wünschst Du Dir aktuell von der Politik?

Sophia Tolle: Vor zwei Tagen hätte ich gesagt, ich wünsche mir einfach eine Entscheidung. Da war es mir fast egal, ob ich dann nochmal lernen muss oder nicht. Da müssen wir einfach durch – das ist allen klar. Aber inzwischen möchte ich natürlich, dass wir auf jeden Fall jetzt das Examen schreiben können. Die Abiturprüfungen wurden ja schließlich auch geschrieben. Und wir Examenskandidaten sind eine deutlich kleinere Gruppe – das sind bei drei Universitäten maximal 250 Schreibende, die man gut verteilen könnte. Ich wünsche mir gerade, dass wir das M2 normal schreiben und uns damit der Mehrheit mit den zehn anderen Bundesländern anpassen, bei denen das auch so ist.

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