Lerntypen: Mediziner sind Meister

Lernpsychologen sind sich sicher, dass es verschiedene „Lerntypen“ gibt. Medizinstudierende können das Lernen mithilfe der Stärken ihres jeweiligen Lerntyps optimieren. Einige sind bereits „Meister ihres Fachs“.

Es gibt da einen Witz: Zeigt man dem Ingenieur ein Telefonbuch, sagt er, nachdem er es genau inspiziert hat: „Ich sehe nur Namen und Zahlen, ohne Zusammenhang. Ich kann keine Formel ableiten, sehe keine Logik dahinter … Was soll ich damit?” Der Mediziner wirft einen schnellen Blick rein, klopft drauf und fragt: „Bis wann?“

Fakt ist, Medizinstudierende sind Meister des Lernens – vor allem des Auswendiglernens. Oder werden es spätestens nach einem Jahr Studium.

Doch wie machen sie das? Der eine verpasst keine einzige Vorlesung und schreibt fleißig mit. Zu Hause macht er sich dann Zusammenfassungen und prägt sich seine Notizen ein. Der andere schläft morgens aus und liest sich dann mal schnell die Vorlesungsfolien durch, die die Dozenten hochgeladen haben. Der nächste klickt sich bei Youtube durch verschiedenste Lernvideos. Dann gibt es noch die, die sich in Lerngruppen treffen, um über den Stoff zu diskutieren oder sich gegenseitig auszufragen. Jeder hat da so seine Strategie und für manch einen scheint die Strategie des anderen völlige Zeitverschwendung zu sein.

In der Lernpsychologie zerbricht man sich schon lange die Köpfe darüber, ob es sogenannte „Lerntypen“ gibt und wie das Lernen mithilfe jener eventuell optimiert werden kann. Der bekannteste – womöglich weil stark kritisierte – Ansatz ist von Frederic Vester, einem Biochemiker und Universitätsprofessor des letzten Jahrhunderts. Er unterteilte die Lerntypen in den optisch/visuellen, auditiven, haptischen und kognitiven Typ. Kritisiert wird diese Einteilung deswegen, weil er drei von seinen Kategorien nach der Art der Wahrnehmung definiert und den letzten als „kognitiv“ bezeichnet. Wie aber verarbeiten die visuellen, auditiven und haptischen Typen die Information, wenn nicht kognitiv? Über welchen Wahrnehmungskanal bekommt der kognitive Typ seine Informationen – über den Geschmackssinn?

Wie schafft man es, sich komplexe medizinische Begriffe zu merken? Ein Trick ist, sich die Inhalte möglichst bildlich vorzustellen. So arbeitet zum Beispiel die Lernplattform „Meditricks“. Im Interview erklärt Unternehmensgründer Dr. Michael Seifert, wie das genau funktioniert.

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Bis jetzt gibt es zwar keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass verschiedene Lerntypen existieren, jedoch legen empirische Betrachtungen folgende Einteilung nahe, die heutzutage viele Lernpsychologen und -therapeuten anwenden.

Immer der Fall ist: Jeder ist ein Mischtyp beim Lernen. Jeder hat ein bisschen mehr von dem einen und ein bisschen weniger von dem anderen Typ. So ist es zum Beispiel eine motorische Handlung, sich ein Schaubild zu malen, das man sich dann vor dem Schreibtisch aufhängt und sich jeden Tag visuell einprägt.

Manche gehen in die Vorlesungen, saugen den Stoff auditiv auf und diskutieren danach sehr kommunikativ in ihrer Lerngruppe. Andere aus der Lerngruppe sind vielleicht nicht allzu sehr auf das Reden aus, sondern profitieren vor allem davon, dass sie zuhören, was die anderen erzählen – ohne dabei für die vor allem auditive Vorlesung früh aufstehen zu müssen.

Generell kann es durchaus helfen, sich seines Lerntyps bewusst zu sein. Denn dann kann man seine Lernstrategie effizienter gestalten, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man zum Beispiel die Vorlesung verschläft oder allein in seinem Zimmerchen auf und ab wandert.

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