Leistungssteigerung im Studium: Lernst Du noch, oder dopst du schon?

Befragt wurden knapp 1 300 Studierende aller Jahrgänge und Fächer, davon etwa die Hälfte Medizinstudierende.

Das Durchschnittsalter der Befragten betrug circa 23 Jahre. Von den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern hatte ungefähr ein Drittel in ihrem Leben bereits einmal Neuroenhancement betrieben, knapp zehn Prozent gaben an, dies regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) zu tun. Unterschiede zwischen Medizinstudierenden und Studierenden anderer Fächer fanden sich dabei nicht. Auch zwischen Studentinnen und Studenten fanden sich auf den ersten Blick keine Unterschiede, allerdings scheinen Studentinnen häufiger Soft-Enhancement zu betreiben, während Studenten häufiger illegale Substanzen zur geistigen Leistungssteigerung einnahmen.

Überwiegend tranken die Studierenden der Uni Lübeck zur Leistungssteigerung Kaffee oder Energy Drinks oder betrieben Soft-Enhancement mit frei verkäuflichen Substanzen. Dabei wurde eine große Variation von Mitteln von Vitamintabletten über bestimmte Tees bis hin zu Gingko-biloba-Extrakt genannt. Bemerkenswerterweise nahmen fast zehn Prozent der Studierenden illegale Substanzen, vornehmlich Cannabis, „zum Abschalten“ ein und weitere vier Prozent gaben an, zu diesem Zweck Alkohol zu trinken. Ein weiteres interessantes Ergebnis: Diejenigen Studierenden, die in einem Fragebogen zur Erkennung von klinisch relevanter Depressivität oder Ängstlichkeit auffällige Werte zeigten, hatten eine vierfach höhere Wahrscheinlichkeit, regelmäßig leistungssteigernde Substanzen einzunehmen (Grafiken).

Ärztin mit Kaffeetasse

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Die Frage, ob Hirndoping mit einem höheren Risiko der Entwicklung psychischer Symptome verbunden oder eher als Selbsttherapie für bereits bestehende derartige Beschwerden genutzt wird, konnte in dieser Studie nicht geklärt werden. Die Zahlen zeigen aber, wie verbreitet unter (Lübecker) Studierenden die Einnahme jedweder Substanzen „als Mittel zum Zweck“ ist. Jede zehnte Studentin und jeder zehnte Student nimmt Mittel ein, um ihre oder seine geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Verschreibungspflichtige Medikamente und illegale Drogen machen zwar nur einen kleinen Teil der eingenommenen Mittel aus. Und das Trinken von Kaffee beispielsweise wird oftmals nicht als Hirndoping im engeren Sinne empfunden. Wenn es allerdings explizit mit dem Ziel der geistigen Leistungssteigerung erfolgt, dann ist, ähnlich wie bei der Anwendung von „harmlosen“ Schmerzmitteln beim Sport, das Risiko höher, später auch mal zu „härteren“ Substanzen zu greifen.

Auch wenn teilweise andere Definitionen und Fragen verwendet wurden, passen die Ergebnisse zu denen größerer Untersuchungen in Deutschland. Aufgrund des begrenzten Fächerspektrums an der Uni Lübeck kann die Frage, ob Medizinstudierende häufiger als andere Studierende zu Hirndoping greifen, noch nicht abschließend geklärt werden. Neuroenhancement scheint aber an deutschen Hochschulen ein relevantes Thema zu sein. In Lübeck werden als Konsequenz aus den Ergebnissen alle Erstsemesterstudierenden über Hirndoping aufgeklärt. Hierzu gehört auch die Vermittlung bisheriger wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Nutzen von Hirndoping. So konnten zwar interessanterweise für einzelne Substanzen positive Effekte auf den Wachheitsgrad oder die Reaktionszeit gezeigt werden. Es gibt aber bislang keinen Nachweis dafür, dass sich über einen Placeboeffekt hinaus höhere kognitive Funktionen verbesserten, Studierende also bessere Klausur- oder Examensnoten erreichten. Und das bei teilweise erheblichen unerwünschten Wirkungen bekannter Hirndoping-Mittel, nicht zuletzt auf den Geldbeutel der Studierenden. Vor diesem Hintergrund erscheint eine ethische Debatte über das Für und Wider von Neuroenhancement überfällig.

Auf aerzteblatt.de finden sich tabellarische Darstellungen der Studienergebnisse. 

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