Kind & Kittel: Blog zum Leben zwischen Familie und Klinik

Natalja Ostankov ist 28, zweifache Mutter und studiert Medizin in München. Kann man das alles unter einen Hut bringen? Sie sagt "ja" und schildert in diesem Blog, wie der Alltag zwischen Kindern und Klinik aussieht. Teil 16: "Der Spagat zwischen Organisation und Spon­ta­ne­i­tät".

Operation Karriere-Bloggerin Natalja Ostankov | Deutscher Ärzteverlag/privat

Hier melde ich mich wieder aus den Tiefen der Semesterferien, die sich langsam dem Ende neigen.

Es ist nichts Relevantes passiert – und doch war so viel los, dass ich nicht dazu gekommen bin, mich moralisch und kräftemäßig auf das kommende Semester vorzubereiten. Manchmal fühlt sich der Satz “nichts Relevantes passiert und doch so viel los” wie das Motto meines Alltags als Mutter an.

Eigentlich wollte ich eine super relevante Famulatur beim Allgemeinarzt machen, war jedoch zu spät dran. Meine Bewerbungen wurden erst beantwortet, als noch weniger als 30 Tage Semesterferien übrig waren. Bevor ich Kinder hatte, wäre mir so etwas nicht passiert. Ich war perfekt organisiert, hatte alles immer Wochen im Voraus geplant. Mit der Zeit aber, während meine Kinder mir immer wieder einen krakeligen Strich durch die Rechnung zogen, habe ich mir dieses Planen abgewöhnt. Geplant wird höchstens für morgen. Leider ist es schwer, diese eigentlich recht entspannte neue Lebenseinstellung mit Behörden, Fakultäten und Prüfungsämtern in Übereinstimmung zu bringen...

Und dann auch noch ein Umzug...

Also musste ich meine Famulatur auf nächste Ferien schieben. Doch zeigt sich immer wieder, dass irgendetwas in diesem Universum besser weiß als ich, was gut für mich ist: Aufgrund einer Krankheitswelle, die uns für zwei Wochen lahmgelegt hatte, hätte ich die Famulatur sowieso abbrechen müssen. Dazu kam der Aufwand, den ich betreiben musste, um mein Semester zu organisieren und unser geplanter Umzug: raus aus München, rein in Gefilde, in denen man als vierköpfige Familie nicht gut die Hälfte seines Einkommens für die Miete opfern muss. Und ein Umzug einer vierköpfigen Familie ist recht kompliziert.

Wenn unsere Kinder also mal nicht krank waren, befanden wir uns auf Erkundungstouren rund um München und haben die Zeit mit Hausbesichtigungen verbracht. Wissend, dass wir, sobald wir etwas finden, zuschlagen müssen, habe ich mir das nächste Semester mit allen noch übrigen Pflichtkursen vollgestopft. Die Kinder schnell in den Kindergarten bringen zu müssen, dann nach München zu pendeln, zwei Stunden im Seminar abzusitzen, zurück zu hetzen, die Kinder wieder abzuholen, alles in Eile, darauf habe ich nämlich keine Lust. Zumindest so selten wie möglich.

Vorbereitung, das A und O

Und so sieht es aus: Zu Beginn habe ich zwei Wochen Blockpraktikum in Vollzeit, dann zwei Mal die Woche Seminar, eine allerletzte Prüfung und am Ende noch einmal zwei Wochen Vollzeitpraktikum. Dann bleibt nur noch das Allgemeinarzt-Blockpraktikum und die Allgemeinarzt-Famulatur, für die ich im Sommersemester keinen Platz mehr bekommen habe. Und natürlich bleiben noch vereinzelt Seminare, die ich aufgrund eventueller Ausfälle nicht wahrnehmen können werde – hier wieder zur Planung… Damit muss ich immer rechnen.

Das Medizinstudium ist extrem zeitaufwändig – und später im Arztberuf wird das häufig nicht besser. Wie lässt sich dieser fordernde Beruf mit einem ausgefüllten Privat- und Familienleben vereinbaren? Damit beschäftigt sich die bvmd-Initiative „Freundilie – für Freunde und Familie“. Julia Peker-Vogelsang, Katja Gierhahn, Anne Katrin Goele und Janina Einsele vom Kernteam des Projekts erklären im Interview, wie Lösungen aussehen könnten.

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In meinem Kopf jubelt es, das Ende ist so nah! Im nächsten Wintersemester muss ich aller Voraussicht nach nur noch ein paar Kurse abarbeiten und kann mich ein ganzes Semester lang auf das Hammerexamen vorbereiten! (Wer den 100-Tage-Plan à acht Stunden pro Tag von Amboss kennt, der rechne sich bitte aus, wie viele Tage ich brauchen werde, wenn ich nur vier Stunden pro Tag, und am Wochenende noch weniger, lernen kann… Aber dazu mehr, wenn es soweit ist!)

Weiter zur Organisation: Dass ich mir diese Kurse selber zusammenschustere, ist noch lange nicht alles. Problematisch sind die Kurse in Vollzeit und die Seminare, die nachmittags stattfinden, da unser Kindergartenplatz nur bis 14:00 Uhr geht. Was ich – entgegen des heutigen Trends, bei dem die Kinder um 7:00 Uhr im Kindergarten abgesetzt und um 17:00 eventuell sogar von der Oma abgeholt werden – völlig in Ordnung finde. Meiner Meinung nach dürfen und sollen Kinder ruhig einen Teil ihrer Kindheit zu Hause mit ihren Eltern verbringen, wo sie entspannt und selbstbestimmt spielen können.

Und wer betreut die Kinder, wenn Mama ein Praktikum macht?

Was aber tun, während der Praktika? Meine Mutter arbeitet in Vollzeit, mein Vater und mein Mann ebenso. Sie alle arbeiten selbständig, würden sie sich also während meiner Blockpraktika frei nehmen, bedeutete das ein Gehaltsausfall für meine Familie, der mehr kosten würde als… Bingo! Ein Babysitter, der die Kids abholt und mit ihnen zu Hause spielt, bis ich (teilweise erst um 19:00 Uhr) zurückkomme.

Also habe ich alle Kleinanzeigen auf der Suche nach einem Babysitter durchforstet. Fündig wurde ich allemal, bekam aber nie eine Antwort. Deutschland, insbesondere Ballungsräume wie München, sind unterversorgt, was die Kinderbetreuung angeht. Irgendwann hatte ich doch Glück und habe ein liebevolles Mädchen gefunden, das meine Kinder sofort ins Herz geschlossen hat – und umgekehrt.
Jetzt musste nur noch ein “Eingewöhnungsplan” erstellt werden. Zweimal die Woche kam sie zu uns, damit die Kinder sich an sie gewöhnten und auf meine Anwesenheit verzichten konnten. Und zu guter Letzt musste getestet werden, ob die Kinder ihr soweit vertrauen würden, dass sie mit ihr (ohne mich) nach dem Kindergarten nach Hause gingen. Ich war ein bisschen nervös, denn die “Abhol-Generalprobe” fand auf den letzten Drücker statt, einen Tag vor den Osterferien – nach Ostern ging das Semester los, sofort mit dem Blockpraktikum.

Erfolgreich, zum Glück!

Und so balancierte ich zwischen kurzfristiger Planung und gründlichem Organisieren
durch die Semesterferien.

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