Jedes vierte YouTube-Video zur Coronapandemie ist fehlerhaft

Mehr als eins von vier der meistgesehenen englischsprachigen COVID-19-Videos auf der Plattform YouTube enthält irreführende oder ungenaue Informationen. Das berichten Wissenschaftler der Universität von Ottawa im Fachmagazin BMJ Global Health.

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Auch das Recherchennetzwerk Correctiv berichtet, dass sich irreführende Informationen zum Coronavirus vor allem auf YouTube befinden sowie über den Messengerdienst WhatsApp verbreiten.

„Fehlinformationen über COVID-19 erreichen weit mehr Menschen als bei früheren Pandemien und haben ein beträchtliches Schadenspotenzial“, warnen die kanadischen Forscher. Zwar seien die von Regierungsstellen und Experten veröffentlichten präzisen Informationen von guter Qualität auf YouTube weithin verfügbar, doch seien sie oft schwer verständlich und wenig populär, so dass sie nicht die nötige Reichweite hätten, fügen sie hinzu.

Die Wissenschaftler durchsuchten für die Studie die Videoplattform am 21. März nach den zu diesem Stichtag meistgesehenen und relevantesten Videos zu der Corona­pandemie. Sie schlossen diejenigen Videos aus, die länger als eine Stunde dauerten, keine Audio- oder visuellen Inhalte enthielten oder aus anderen Sprachen übersetzt waren. Übrig blieben 69 relevante Beiträge. Sie wurden bis zum Stichtag insgesamt 257.804.146 Mal aufgerufen.

Die Forscher untersuchten die darin enthaltenen Informationen mit validierten Bewertungssystemen. Die Nützlichkeit der Inhalte für den durchschnittlichen Betrachter bewerteten sie zusätzlich mit Hilfe eines COVID-19-spezifischen Scores, der sich an ähnlichen Systemen orientiert, die für den Einsatz in anderen Notfällen im Bereich der öffentlichen Gesundheit entwickelt wurde.

„Videos von Fachleuten und Regierungsstellen erzielten in Bezug auf Genauigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Qualität bei allen Maßnahmen deutlich höhere Punktzahlen als alle anderen Quellen, traten aber bei den Zuschauerzahlen nicht in den Vordergrund“, berichten die Wissenschaftler.

Tommy ist Medizinstudent im PJ – und er ist erfolgreicher Influencer auf Instagram: Sein Account „tommyviews“ erreicht mehr als 200.000 Follower. Diese Bekanntheit nutzt er unter anderem, um über das Medizinstudium zu informieren – und über Corona.

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19 Videos (27,5 Prozent) enthielten irreführende oder ungenaue Informationen. Sie wurden 62.042.609 Mal aufgerufen, was 24 Prozent entspricht. Zu den irreführenden oder ungenauen Informationen gehörte unter anderem der Glaube, dass Pharmaunternehmen bereits ein Heilmittel haben, sich aber weigerten, es zu verkaufen. Außerdem gab es unange­messene Empfehlungen für die Öffentlichkeit, rassistische und diskriminierende Äußerungen sowie Verschwörungstheorien.

„Dies ist besonders alarmierend, wenn man die immensen Zuschauerzahlen dieser Videos bedenkt“, schreiben die Forscher. Angesichts der Macht der sozialen Medien bei der Gestaltung des öffentlichen Verständnisses und Verhaltens, „ist YouTube ein mächtiges, ungenutztes Bildungsinstrument, das von Gesundheitsexperten besser mobilisiert werden sollte“, schlagen sie vor.

Laut Correctiv ist YouTube die am häufigsten gemeldete Plattform für fragwürdige Informationen zur Coronapandemie. Das Recherchenetzwerk hatte Anfang März einen sogenannten CrowdNewsroom geschaffen, bei dem jeder Bürger Hinweise auf mögliche Falschmeldungen einreichen kann. Die so gesammelten Hinweise wurden nun systematisch ausgewertet.

Auf die Frage, auf welchem Weg sie die fragwürdige Information erstmals zu Gesicht bekamen, antworteten 34 Prozent der Nutzer: auf WhatsApp. An zweiter Stelle folgte Facebook mit 28,8 Prozent. „WhatsApp ist somit der Weg, auf dem sich mögliche Falschmeldungen am meisten verbreiten – und YouTube ist die Plattform, auf der sie am häufigsten zu finden sind“, berichtet Correctiv. 

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