Ehrenamtliches Engagement: „You don’t need a reason to help people“

Für die Medizinstudentin Sina Heimüller ist ein Ehrenamt Ehrensache. Deshalb engagiert sie sich beim Hartmannbund und in der Kampagne „Impf Dich“. Wie sie ihr Engagement organisiert und welche Tipps sie für Einsteiger hat, verrät sie im Interview.

Sina Heimüller berichtete auf dem Operation Karriere-Kongress in Köln von ihren Erfahrungen mit ehrenamtlichem Engagement und gab den Zuhörern Tipps für den Einstieg. | Hanke

Sina, Du engagierst Dich in mehreren Projekten. Was genau machst Du alles ehrenamtlich neben dem Studium?

Sina Heimüller: Eines ist natürlich die Kampagne „Impf Dich!“, die ich bei operation-karriere.de ja schon vorgestellt habe. Außerdem bin ich beim Hartmannbund aktiv.

Wie hat das bei Dir genau angefangen?

Sina Heimüller: Ich habe eine Ausbildung im Rettungsdienst gemacht und mich früher viel beim Deutschen Roten Kreuz engagiert. So habe ich mit dem Ehrenamt angefangen. Außerdem habe ich viel Nachhilfe für Schulkinder von der 1.-9. Klasse gegeben. Am Anfang meines Studiums habe ich auch die Teddy-Klinik mitbetreut, das ist ja auch ein Projekt, das Medizinstudenten an verschiedenen Unikliniken ins Leben gerufen haben. Außerdem habe ich bei „Kunst in der Mensa“ mitgemacht – das ist ein kulturelles Projekt, das bei uns an der Uni Homburg / Saar einmal im Jahr stattfindet. Da werden Bilder von Künstlern und Studierenden ausgestellt und mit einem entsprechenden musikalischen Rahmen präsentiert. Da habe ich jetzt mehrmals mitgewirkt und bin auch mit meiner Band aufgetreten.

Warum ist es Dir wichtig, neben dem Studium noch so viel ehrenamtlich zu machen?

Sina Heimüller: Ich finde es wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Ich habe so sehr darum gekämpft, diesen Studienplatz zu bekommen und bin sehr dankbar, dass es am Ende geklappt hat. Das wollte ich zurückgeben – weil es uns Medizinstudenten eigentlich total gut geht. Jeder von uns studiert Medizin und wird mal Arzt oder Ärztin. Wir leben in der total luxuriösen Situation, dass jeder von uns perspektivisch auch eine Stelle bekommen wird. Da sollte eigentlich auch jeder noch ein bisschen Zeit haben, zusätzlich auch etwas für andere zu tun und nicht 1.000-prozentig nur alles fürs Studium zu machen. Natürlich fordert ein Engagement auch immer viel Zeit. Und gerade für Studenten, die parallel arbeiten müssen, um ihr Studium zu finanzieren, ist es nicht ganz so einfach, die Zeit zu finden. Aber es gibt auch Engagements, die mit einem relativ kleinen Zeitaufwand zu schaffen sind. Wenn man das möchte, findet man auch etwas Passendes.

Hepatitis, Kinderlähmung oder Masern: Obwohl erwiesen ist, dass Impfungen vor Krankheiten schützen, stehen viele dem Thema kritisch gegenüber. Der Verein „Impfaufklärung in Deutschland“ will Zweifel ausräumen – vor allem bei Jugendlichen. Wie die darauf reagieren, erklärt Vereinsmitglied und Medizinstudentin Sina Heimüller im Interview.

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Wie kann es denn klappen, das Studium und das Engagement unter einen Hut zu bekommen?

Sina Heimüller: Ein bisschen Organisationstalent muss man dafür schon sein – und man muss Disziplin haben, damit das Zeitmanagement klappt. Wichtig ist, dass man dabei Spaß hat und sich wirklich für sein Thema interessiert. Ohne das macht man es nur halbherzig. Das Engagement geht natürlich von meiner Freizeit ab – und es gibt immer viel zu tun: Wenn ich für die Impfkampagne Schulen anschreibe, Termine vereinbare, mit den Ansprechpartnern telefoniere oder mit meiner Gruppe die Vorträge durchgehe – das kostet alles Zeit. Wenn man parallel zum Beispiel noch fünfmal die Woche Leistungssport macht, ist das wahrscheinlich schwierig zu vereinbaren. Man muss sich darüber bewusst sein, dass es auch Abstriche bei der Freizeit gibt. Aber es ist ja auch nicht immer so aufwändig – und das ist es für mich auch allemal wert. Letztlich liegt es auch immer an einem selbst, wie intensiv man sich einbringen will.

Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten muss man für ein Engagement mitbringen?

Sina Heimüller: Wichtig ist, dass man voll und ganz hinter dem Projekt steht. Eine gewisse Begeisterungsfähigkeit ist sicher hilfreich – und gerade für unser Impf-Projekt muss man Spaß am Umgang mit Schülern haben und einen Zugang zu den Jugendlichen finden. Es ist sicher nicht hilfreich, wenn man zu viel Fachsprache nutzt – man sollte also die komplexen Vorgänge beim Impfen auch einfach erklären und die Jugendlichen da abholen können, wo sie stehen. Aber es gibt so viele verschiedene Projekte – da findet jeder etwas, was zu seinen Fähigkeiten und Interessen passt. Aber überall muss man sich mit den anderen austauschen, die auch in dem Projekt engagiert sind. Eine gewisse Offenheit und Kommunikationsskills helfen also ganz bestimmt. Außerdem ist ein bisschen Kompromissbereitschaft wichtig, weil man sich ja nicht immer mit der eigenen Idee durchsetzt.

Wie findet man denn ein Ehrenamt, das zu einem passt?

Sina Heimüller: Es ist immer gut, rauszugehen, die Augen und Ohren offen zu halten und Leute anzusprechen, die schon in Projekten engagiert sind. Eine gute Idee wäre ein bundesweites Forum im Internet, wo man nachsehen kann, was für Initiativen und Ehrenämter es überhaupt gibt. Viele sind gar nicht über die Möglichkeiten informiert – und man findet die Projekte, die einen interessieren, eher zufällig. Und wenn man etwas gefunden hat, muss man einfach auch dranbleiben. Und ganz wichtig: Man darf sich nicht abschrecken lassen und befürchten, dass man mit dem Ehrenamt für Hobbys und alles andere keine Zeit mehr hat. Jeder kann irgendetwas tun – in dem Umfang, wie es zu ihm und seinem Zeitmanagement passt. Das muss nicht immer superviel und intensiv sein. Jeder sollte ein bisschen etwas machen und der Gesellschaft zurückgeben. Meine Message ist: „You don’t need a reason to help people“. Das sollte man im Hinterkopf behalten. Denn gerade im Studium hat man noch die Zeit, sich in die Gesellschaft einzubringen – das wird später im Job ja nicht leichter.

Quelle: Operation Karriere Köln, 9.11.2019, Vortrag „Engagement Ehrenamt – Erfahrungsberichte und Hilfestellung bei der Planung“, Sina Heimüller, Medizinstudentin und Univertreterin des Hartmannbundes am Universitätsklinikum Homburg / Saar

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