Virtuelle Notaufnahme ist ein effektives Lernformat

Ärzte und Experten für Medizindidaktik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben ein Computerspiel entwickelt, das die Abläufe auf einer Notaufnahme simuliert.

Screenshot aus der virtuellen Notaufnahme: Per Messenger werden die Teilnehmer informiert, dass eine neue Patientin eingeliefert wurde. | 2018 Middeke et al.

Eine Studie hat jetzt gezeigt, dass das innovative Lehrformat ein effektives Unterrichts­instrument ist. Die Arbeit ist international in der Wissenschaftszeitschrift Plos One erschienen (2018; doi: 10.1371/journal.pone.0203851).

Bei dieser neuen Form des Unterrichts sitzen bis zu 50 Studierende der Humanmedizin in einem Computerraum, und jeder Studierende bewegt über die Maus eine Spielfigur durch eine dreidimensionale Darstellung einer Notaufnahme. In unregelmäßigen Abständen werden Patienten eingeliefert, sodass im Lauf der Zeit viele Patienten gleichzeitig behandelt werden müssen. Die Studierenden können bei ihren virtuellen Patienten eine Anamnese erheben und Untersuchungen anfordern.

Möglichst nah an der Realität

„Uns war wichtig, dass die Simulation möglichst nah an der Realität liegt. Auch im Spiel muss man auf die Ergebnisse einer Laboruntersuchung warten, und die Medikamente haben einen direkten Einfluss auf den Herzschlag und den Blutdruck“, erläutert Nikolai Schuelper von der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der UMG. Gravierende Fehler könnten bis zum Tod des virtuellen Patienten führen. 

An der Uniklinik Ulm lernen Studenten per Virtual Reality: Schon seit 2016 gibt es hier ein Cyber-Herz, Anfang des Jahres ist ein virtueller Darm hinzugekommen. Im Telefoninterview erklärt Dr. Wolfgang Öchsner, Oberarzt in der Abteilung Kardioanästhesiologie, wie das VR-Erlebnis beim Lernen hilft.

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An der Studie nahmen 112 Medizinstudierende des letzten Studienjahres teil (praktisches Jahr, PJ). Sie konnten selbst wählen, ob sie sich verschiedene Erkran­kungen in Kleingruppen mit bis zu fünf Kommilitonen erarbeiten oder ob sie das neue Computerspiel nutzen wollten. Am Ende nahmen alle Studierenden an einer Prüfung teil, in der ihre Fähigkeit zum klinischen Denken untersucht wurde.

Größere Bandbreite an Erkrankungen

„Wir haben praktisch keinen Unterschied in den Leistungen der beiden Studiengruppen gefunden“, erläutert Tobias Raupach, Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungs­forschung im Studiendekanat der UMG. „Für einige Inhalte, die mit dem Spiel trainiert wurden, fiel der Lernerfolg der Studierenden in der Gruppe mit dem Computerspiel sogar größer aus als für die Studierenden in den Kleingruppen. „Das ist bedeutsam, weil wir im Spiel in der gleichen Zeit eine viel größere Bandbreite von Erkrankungen darstellen können als im Kleingruppenunterricht“, so Raupach.

„Piloten trainieren schon lange in Simulatoren für den Notfall. Warum sollten nicht auch Studierende der Medizin ein solches Training erhalten? Hier dürfen Fehler passieren, aus denen man lernen kann, damit man für die Versorgung echter Patienten besser gewappnet ist“, kommentierte der Studiendekan der Medizinischen Fakultät an der UMG, Lorenz Trümper, die Studie.

Quelle: Universitätsmedizin Göttingen

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